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Geraubt, gestohlen oder verschollenVon diesen 22 Kunstwerken fehlt bis heute jede Spur

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„Chez Tortoni“ Detailaufnahme

„Chez Tortoni“ ist ein berühmtes Gemälde von Édouard Manet, das nicht mehr öffentlich zu sehen ist, da es 1990 aus dem Isabella Stewart Gardner Museum in Boston gestohlen wurde und seitdem verschollen ist, auch wenn eine hohe Belohnung für seine Rückkehr ausgesetzt ist. Das kleine Ölgemälde zeigt einen Mann in einer Pariser Café-Szene und bleibt eines der bekanntesten ungelösten Kunstverbrechen der Geschichte. (Archivbild)

Geraubt, verschollen, verbrannt oder doch noch irgendwo an einer Wand? Diese 22 Kunstwerke gelten als vermisst

Leere Bilderrahmen an den Wänden weltberühmter Museen und staubige Akten in den Archiven von Interpol erzählen die Geschichte von Meisterwerken, die eines Nachts einfach verschwanden. Ob durch spektakuläre Raubüberfälle im Schutz der Dunkelheit oder das Chaos der Weltkriege – hinter jedem dieser Verluste steckt ein ungelöstes Rätsel. Wir begeben uns auf die Suche nach 22 Kunstschätzen, die bis heute wie vom Erdboden verschluckt sind und deren Wert weit über das Finanzielle hinausgeht.

Manchmal tauchen sie nach Jahren oder gar Jahrzehnten wieder auf, wie der Fall des Van-Gogh-Gemäldes zeigt, das dreieinhalb Jahre nach seinem Diebstahl im September 2023 wieder aufgetaucht ist. Auch in den Jahren 2024 und 2025 sind mehrere spektakuläre Wiederfunde bekannt geworden. Im Januar 2024 tauchten in Antwerpen zwei seit 2010 verschwundene Gemälde von Pablo Picasso und Marc Chagall wieder auf. Im Dezember 2024 stellten polnische Ermittler gestohlene Werke unter anderem von Banksy und Damien Hirst sicher, die seit einem Einbruch im März 2022 als verschollen galten.

Im Mai 2025 gab das FBI zudem zwei Gemälde an ein Museum in New Mexico zurück, die dort seit rund 40 Jahren vermisst worden waren. Parallel dazu wurden 2024 und 2025 weltweit weitere bedeutende Kunstwerke im Zuge von Restitutionsverfahren an Erben oder Herkunftsländer übergeben.

I. Diebstahl und Raub

Der Diebstahl von Kunstwerken ist eine der häufigsten Ursachen für ihr Verschwinden. Die Verlockung, ein wertvolles Gemälde oder eine Skulptur zu stehlen, kann für einige zu groß sein. Die Diebe sind oft gut organisiert und nutzen die Schwachstellen von Museen, Galerien oder Privatsammlungen aus. Diese Taten werden oft von einem schwarzen Markt für gestohlene Kunstwerke angeheizt, auf dem die Werke illegal gehandelt werden.

Unvergessen ist insbesondere der Bostoner Kunstraub, der sich am frühen Morgen des 18. März 1990 ereignete. Dreizehn Kunstwerke, darunter Meistwerke von Rembrandt, Vermeer oder Manet, wurden aus der Sammlung des Isabella Stewart Gardner Museums in Boston, Massachusetts, gestohlen.

II. Kriege und Konflikte

Kriege und bewaffnete Konflikte haben im Laufe der Geschichte zahlreiche Kunstwerke zerstört. Als sogenannte „Beutekunst“ werden Kulturgüter bezeichnet, die sich eine Kriegspartei außerhalb des eigenen Territoriums als Kriegsbeute aneignet.

Der Mont Klamott in Berlin-Friedrichshain.

Der Mont Klamott in Berlin-Friedrichshain birgt diese Betonreste, die als kaltes Mahnmal für die über 400 Meisterwerke der Malerei dienen, die hier im Mai 1945 in einem Inferno aus Feuer und Krieg unwiederbringlich zu Asche verbrannt sind. (Archivbild)

Während des Zweiten Weltkriegs wurden beispielsweise viele Kunstschätze von den Nationalsozialisten geraubt und in geheimen Depots versteckt. Einige dieser Schätze sind bis zum heutigen Tag nicht wieder ans Tageslicht gekommen und werden nach wie vor an versteckten Orten vermutet.

III. Zerstörung und Naturkatastrophen

Naturkatastrophen wie Brände, Überschwemmungen oder Erdbeben können ebenfalls dazu führen, dass Kunstwerke verloren gehen. Historische Gebäude, in denen Kunst ausgestellt wird, sind oft anfällig für solche Katastrophen.

Flammen und Rauch steigen aus der Kathedrale Notre-Dame de Paris auf.

Flammen und Rauch steigen aus der Kathedrale Notre-Dame de Paris auf. Im April 2019 wurde die Kathedrale bei einem Brand schwer beschädigt. (Archivbild)

Ein trauriges Beispiel ist der Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris im Jahr 2019, bei dem wertvolle Kunstgegenstände und Reliquien vernichtet wurden. Auch der mysteriöse Brand im Flakturm II im Volkspark Friedrichshain, bei dem vermutlich 434 Gemälde von unschätzbarem Wert verbrannten, gehört in diese Kategorie.

IV. Geheimnisse und verborgene Schätze

Das undatierte Bild zeigt Blatt 1 A/Folio 1 R des „Codex Leicester“ von Leonardo da Vinci (1452–1519) mit kosmologischen Zeichnungen zum Verhältnis zwischen Sonne, Erde und Mond.

Das undatierte Bild zeigt Blatt 1 A/Folio 1 R des „Codex Leicester“ von Leonardo da Vinci (1452–1519) mit kosmologischen Zeichnungen zum Verhältnis zwischen Sonne, Erde und Mond. (Archivbild)

Einige Künstler haben bewusst ihre Werke versteckt, sei es aus Angst vor Verfolgung oder aus dem Wunsch, ihr Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Ein berühmtes Beispiel ist Leonardo da Vincis Notizbuch „Codex Leicester“, das jahrhundertelang verschwunden war, bevor es wiederentdeckt wurde. Bill Gates bezahlte 1994 bei einer Auktion 30,8 Millionen US-Dollar für das Manuskript und machte es zum teuersten aller Zeiten. Verschollene Kunstwerke wie dieses sind oft das Ziel intensiver Suche und Forschung.

V. Die Rolle von Sammlern und Museen

Manchmal verschwinden Kunstwerke auf mysteriöse Weise aus öffentlichen Sammlungen oder Museen. Dies kann auf Diebstahl, Betrug oder sogar auf Nachlässigkeit bei der Dokumentation zurückzuführen sein. Diese Vorfälle werfen Fragen nach der Sicherheit und Verantwortlichkeit von Institutionen auf, die unser kulturelles Erbe bewahren sollen.