Eine ADAC-Studie in Köln zeigt: Viele Autofahrer und Radfahrer nutzen ihr Handy im Verkehr und sind praktisch blind unterwegs.
Blindflug im StadtverkehrADAC-Studie in Köln zeigt gefährliche Handynutzung

Ein Blick auf das Handy kann sekundenlange Unaufmerksamkeit bedeuten. (Symbolbild)
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Die Verwendung des Mobiltelefons am Steuer hat sich laut ADAC für manche Personen zu einer riskanten Angewohnheit entwickelt. Eine Erhebung des Automobilclubs in fünf Metropolen, zu denen auch Köln zählt, zeigte, dass etwa 2,7 Prozent der Autofahrer und 1,4 Prozent der Nutzer von Fahrrädern und E-Scootern ihr Gerät im fließenden Verkehr bedienten. Das Agieren von Verkehrsteilnehmern an Lichtzeichenanlagen floss in diese Untersuchung nicht mit ein.
Zu einer vergleichbaren Einschätzung gelangt die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (Bast) in ihrer aktuellen Studie. Laut dieser Untersuchung ist die Zerstreuung durch Mobiltelefone nach wie vor ein verbreitetes Phänomen. Gemäß den im Jahr 2024 gesammelten Daten waren auf sämtlichen Straßentypen, einschließlich Autobahnen, 4,5 Prozent der Pkw-Lenker aktiv mit ihrem Smartphone oder einem anderen technischen Apparat beschäftigt (2022: 4,9 Prozent).
Männer nutzen Smartphone häufiger als Frauen
Gemäß der Bast-Erhebung wird das Smartphone am intensivsten auf Autobahnen verwendet, danach folgen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften. Am geringsten ist die Nutzungsfrequenz innerorts. Die Beobachtungen machten deutlich, dass Autofahrer ihr Gerät meistens während der Fahrt in der Hand hielten, ohne zu telefonieren, oder es im Bereich der Mittelkonsole manuell bedienten. Männliche Fahrer griffen dabei öfter zum Mobiltelefon als weibliche, wie die Bundesanstalt mitteilte.
Unter Radfahrenden stellte die Bundesanstalt bei ihren Beobachtungen in 2,4 Prozent der Situationen eine aktive Verwendung fest (2022: 3,6 Prozent). Eine mögliche Nutzung wurde in 8,8 Prozent der Fälle registriert (2022: 7,9 Prozent). Die Auswertung ergab, dass Radfahrer am häufigsten am Nachmittag abgelenkt waren, wohingegen Pkw-Fahrer tendenziell eher vormittags zum Handy griffen und die Nutzung im Tagesverlauf abnahm.
ADAC-Experte: „Praktisch blind unterwegs“
Der ADAC warnt, dass die Unfallgefahr durch Ablenkung oft nicht ernst genug genommen wird. „Wer auch nur wenige Sekunden auf das Display schaut, ist im Stadtverkehr praktisch blind unterwegs“, äußerte der ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde wird in nur zwei Sekunden eine Strecke von beinahe 30 Metern zurückgelegt. Die Konzentration der Nutzer auf das Mobiltelefon sei so intensiv, dass sie Reize aus der Umgebung und Warnsignale nicht mehr wahrnehmen.
Ablenkung gehört zu den erheblichsten Sicherheitsgefahren im Verkehr. „Wer während der Fahrt Nachrichten liest oder tippt, reagiert gar nicht oder zu spät auf Gefahrensituationen. Deshalb haben Unfälle, die auf Ablenkung zurückzuführen sind, häufig so verheerende Folgen“, erläuterte Suthold. Diese Feststellung betreffe nicht nur Pkw-Fahrer, sondern gleichermaßen auch Radfahrer, bei denen eine kurze Unachtsamkeit ebenfalls schwerwiegende Kollisionen verursachen kann.
Forderung nach stärkeren Kontrollen
„Neben Aufklärung brauchen wir eine konsequente Überwachung bestehender Regeln. Nur wenn die Gefahr der Entdeckung steigt, wird sich das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer nachhaltig ändern“, betonte Suthold. Aus diesem Grund seien intensivierte Überprüfungen von großer Bedeutung. Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland eine rechtliche Basis für den Einsatz von sogenannten Handyblitzern, beispielsweise von Brücken, etabliert. Eine solche Regelung ist auch in anderen Bundesländern die Bedingung für eine Anwendung.
Die Beobachtung des Verkehrs durch den ADAC wurde im März und April in den Städten Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München durchgeführt. Hierbei sind 9.573 Autofahrer sowie 9.239 Personen auf Fahrrädern und E-Scootern überwacht worden. Die Prüfer erfassten 262 Verstöße gegen das Handyverbot bei Pkw-Fahrern und 125 Zuwiderhandlungen bei Rad- und E-Scooter-Fahrern. Ein Sprecher des ADAC merkte an, dass die jüngsten Resultate den Daten der Bast für den Verkehr in Innenstädten sehr ähneln.
Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen überwachte für ihre Erhebung 80.000 Pkw-Lenker, 47.000 Radfahrende (innerorts) sowie 50.000 Fußgänger (innerorts) in insgesamt 14 Untersuchungsgebieten. (dpa/red)
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