Zum „World Bicycle Day“ schleuste der Verein Rösrath velocity Neubürger durch die Stadt.
VereinZugezogene erkunden Rösrath per Rad

Trotz Regenschauern blieb die Stimmung bei den Finalisten und bei Organisator Johannes Thies (ganz links) wasserdicht.
Copyright: Christoph Konkulewski
Seit genau zwei Tagen wohnt Isabella in Rösrath. Am Mittwochabend saß sie schon im Sattel: 200 Höhenmeter vor der Brust, am Ende Regen im Gesicht, die gute Laune im Gepäck. Ihr Ziel: Menschen treffen, die neue Heimat erfahren. Wo ginge das besser als bei einer Ausfahrt, die das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet?
Der Anlass war weltmeisterlich: Zum „World Bicycle Day“ hatte der Verein Rösrath velocity geladen. Die Idee dazu stammt vom Gründer des Vereins Johannes Thies, der das Konzept aus Troisdorf übernommen hat. Dort schleust man Neubürger und Neubürgerinnen traditionell per Rad in die Stadtgemeinschaft ein. In Rösrath folgten mehr als 20 Unentwegte dem Ruf. Das Programm: strampeln, schwätzen, Umgebung kennenlernen.
Fahrrad-Infrastruktur ins Nirwana
Am Ende standen sie zusammen und diskutierten erst einmal. Wer in Rösrath radelt, braucht starke Nerven. Die Teilnehmenden stellten schnell fest: Man klebt viel zu oft auf den lauten Hauptstraßen. Warum? Weil abseits davon die Fahrrad-Infrastruktur im Nirwana endet.
Besonders die Sülzaue bot reichlich Stoff. Wo eigentlich ein schöner, durchgängiger Weg glänzen sollte, regiert das planerische Vergessen. Eine fehlende Brücke hier, ein versäumter Radweg dort. „Lückenhaft“ nennen die Mitfahrenden das diplomatisch.
Spritpreise motivieren
Dass trotzdem immer mehr Rösrather aufs Rad steigen, hat einen handfesten Grund: die Zapfsäule. Wenn der Spritpreis klettert, wächst die Lust am Treten. Das Auto bleibt stehen – das schont Nerven und Geldbeutel. Außerdem gibt es das Elektrorad: Da werden auch der Königsforst und die Steigung nach Durbusch zur flachen Strecke.
Kurz nach 20 Uhr bog die erste Gruppe auf die Zielgerade ein. Der Himmel hatte pünktlich zum Finale die Schleusen geöffnet, nur leicht, doch die Stimmung blieb wasserdicht. Während einige verregnete Mitstreiter sofort den direkten Heimweg antraten, bewies eine kleine Hardcore-Fraktion echten Sportsgeist: Sie zog die geplante Route stur bis zum Ende durch und rollte eine halbe Stunde später gut gelaunt ein. Dann setzten sie sich zur Runde ins Picasso.
Insider-Tipps von Rösrathern für Neu-Rösrather
Danach ging der Abend in den gemütlichen Teil über: Getränke in der Hand, Rösrath im Blick. Mittendrin: Newcomerin Isabella. Neben ihrer Tochter, die immerhin schon drei Jahre Vorsprung in der Stadt hat, knüpfte sie Kontakte. Insider-Tipps für das Leben in Rösrath gab es gratis zum Kaltgetränk dazu.
Der Verein hat große Ziele: „Sei Dein eigener Schienenersatzverkehr“, schreiben sie auf ihrer Webseite, denn die RB 25 fährt bis zum 7. August nicht. Die Radpendelroute 3 ist in Planung, aber noch nicht durchgängig beschildert. Doch auf der Internetseite gibt es konkrete Hilfe: „Mit unseren Radrouten auf Komoot kommen Sie ohne Stau ins Ziel.“
Am Ende zog Organisator Johannes Thies ein rundum zufriedenes Fazit. „Bei diesem Zuspruch kann ich mir gut vorstellen, die Aktion nächstes Jahr zu wiederholen.“ Dann vielleicht mit mehr Sonne, gepflegten Radwegen und einer neuen Brücke. www.roesrath-velocity.de
