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Sorge um MeeresgigantExperten warnen nach Sichtung von Buckelwal „Hartwin“

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Das von Linda Frølund Hansen via Bridgewalking zur Verfügung gestellte Handout soll einen Buckelwal zeigen.

Das von Linda Frølund Hansen via Bridgewalking zur Verfügung gestellte Handout soll einen Buckelwal zeigen. (Archivbild)

Erneut sorgt ein Buckelwal in der Ostsee für Aufsehen. Doch Experten sind besorgt und warnen vor falsch verstandener Tierliebe.

An der Küste sorgt eine neue Sichtung eines Buckelwals für Aufmerksamkeit. Zuvor hatte bereits der Fall des Buckelwals „Timmy“, der verendet war, monatelang für Diskussionen gesorgt. Nun wurde erneut ein großer Meeressäuger beobachtet, der von einer privaten Initiative den Namen „Hartwin“ erhielt.

Die Prognosen sind zurückhaltend. Der dänische Meeresfachmann Heiko Buch-Illing äußerte laut „Saarbrücker Zeitung“ wenig Hoffnung für das Tier. Er gehe davon aus, dass der geschwächte Wal mit hoher Wahrscheinlichkeit stranden oder verenden werde.

Experten warnen vor falscher Romantik

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern betonte jedoch, dass es sich um ein Wildtier handele und daher keine Rechtsgrundlage bestehe, in sein Leben einzugreifen – zumal sich der Wal derzeit in dänischen Gewässern aufhält. Die renommierte Wildtierärztin Dr. Kerstin Alexandra Dörnath fordert unterdessen im Interview mit dem MDR ein Umdenken im Umgang mit gestrandeten Walen und warnt vor verhängnisvollen Fehlern.

Nach ihrer Einschätzung sei das scheinbar ruhige Verhalten des Wals in flachen Gewässern kein positives Zeichen. Tiere, die keine Flucht- oder Abwehrreaktionen zeigten und ruhig verharrten, seien in der Regel stark geschwächt oder krank. Ein längerer Aufenthalt im nährstoffarmen Brackwasser der Ostsee belaste den Organismus erheblich. Häufig zeigten sich bereits sichtbare Hautveränderungen. „Das Tier war hochgradig morbid“, sagte Dörnath.

Lehren aus der Vergangenheit ziehen

Zudem warnt die Expertin vor einer Verklärung der Situation in der Öffentlichkeit, die sie als „Walt-Disney-Syndrom“ bezeichnet. Die Vorstellung eines unbeschwert durch die Küstengewässer ziehenden Tieres entspreche nicht der biologischen Realität.

Aus früheren Fällen müsse gelernt werden, betont Dörnath. Aufwendige Bergungs- oder Transportversuche könnten für die Tiere zusätzlichen Stress und Belastungen bedeuten. Sie kritisiert solche Maßnahmen wie bei „Timmy“ deutlich: „Das war die Verklappung eines schwerkranken Wals auf hoher See.“ Ein Transport in die Nordsee sei in solchen Fällen keine echte Rettung.

Stattdessen fordert sie ein professionelles Strandungsnetzwerk, um den Zustand der Tiere schnell und fachlich beurteilen zu können. Nur so lasse sich im Einzelfall entscheiden, was im Sinne des Tierschutzes möglich sei – auch wenn das bedeuten könne, dem Tier weitere Belastungen zu ersparen. (jag)