Nach der Geiselnahme in Sinzig haben Spezialkräfte zwei Menschen unverletzt aus der Bank befreit. Doch die Täter sind verschwunden.
Großeinsatz in SinzigGeiselnahme in Bankfiliale beendet – Täter sind geflüchtet
Bei der Geiselnahme in einer Volksbankfiliale im rheinland-pfälzischen Sinzig haben Spezialkräfte der Polizei kurz vor 15 Uhr die Filiale betreten – doch von dem oder den Tätern fehlte jede Spur. Wie die Behörde berichtet, konnten zwar zwei Menschen unverletzt aus einem verschlossenen Raum befreit werden. Doch nach aktuellem Stand gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass der oder die Täter den Tatort bereits kurz nach dem Einschließen der Personen verlassen haben. Wie die Flucht gelang, ist bislang unklar.
Zuvor hatten sich die Einsatzkräfte auf mögliche Notfälle vorbereitet: Im Pfarrheim wurde vorsorglich eine Rettungsstation eingerichtet. Dort standen unter anderem Liegen bereit, außerdem waren Fahrzeuge des DRK und des Katastrophenschutzes vor Ort. Die Polizei machte zunächst keine Angaben dazu, ob Kontakt zu den Geiselnehmern besteht. Es gab keine Hinweise auf Tote oder Verletzte. Auch Kunden sollten sich nicht unter den Geiseln befinden.
Überfall in Sinzig: Mehrere Täter, mehrere Geiseln
Die Polizei war gegen 9 Uhr am Freitagmorgen (8. Mai) über den Vorfall informiert worden. Seitdem haben zahlreiche Einsatzkräfte den Bereich umstellt. Hubschrauber sind im Einsatz, die Innenstadt ist abgeriegelt.
„Derzeit ist von mehreren Tätern und Geiseln in der Bank auszugehen“, hieß es vom zuständigen Polizeipräsidium in Koblenz. Bei einer Geisel handelte es sich demnach um den Fahrer eines Geldtransporters. Die Bankfiliale gehört zur Volksbank.

Polizisten stehen in der Nähe der Bankfiliale in Sinzig, ausgerüstet mit Helmen und schusssicheren Westen.
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Nach Angaben der Polizei bestand für Bürgerinnen und Bürger außerhalb der Absperrungen keine Gefahr. Wer sich innerhalb der abgesperrten Zone befand, sollte Wohnung oder Haus nicht verlassen. Wie viele Menschen sich in der Bank befanden, war zunächst unbekannt.
Versuchter Überfall auf Geldtransporter vor Volksbank-Filiale
Aus taktischen Gründen gab die Polizei wenige Informationen heraus. Man sei sehr zurückhaltend, auch deswegen, „weil es ja möglicherweise auch jemand mithört“, sagte ein Sprecher.

Die Einsatzkräfte sind mit einem Großaufgebot im Kreis Ahrweiler vor Ort.
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Die Volksbank liegt im historischen Zentrum mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern, gegenüber dem Eiscafé am Markt. Der mutmaßlichen Geiselnahme soll ein versuchter Raubüberfall auf einen Geldtransporter vorausgegangen sein. Weitere Einzelheiten zu möglichen Tätern, Hintergründen oder Verletzten nannten die Behörden zunächst nicht.
Schock für Sinziger: „Hoffen wir, dass alles schnell vorbeigeht“
Einige Sinziger zeigten sich unterdessen schockiert von den Geschehnissen in ihrer Stadt. „Ein Polizist kam und sagte: ‚Innerhalb von fünf Minuten komplett räumen‘“, sagte etwa ein 26-jähriger Café-Betreiber. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Sinzig passiert.“ Sein Laden wird wohl geschlossen bleiben müssen. „Ich habe eigentlich bis 17.00 Uhr auf. Da kann man nichts machen.“

Spezialkräfte der Polizei bewachten in Sinzig die Volksbank.
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Ähnlich geht es einem Mann, der einen Friseurladen betreibt. „Auf einmal war Totenstille und Polizei überall. Da wusste man, das ist kein normaler Tag“, erzählt der 34‑Jährige. Eine Kundin habe angerufen und ihren Termin für den Nachmittag abgesagt. Er selbst habe gemischte Gefühle. „Hoffen wir, dass alles schnell vorbeigeht.“ In der nahe gelegenen Kita St. Peter wurden indes Kinder teils früher abgeholt. Eine Frau sagte, sie komme für ihre Enkeltochter – heute sei ja „Rambazamba“ in der Stadt.
Die Kleinstadt Sinzig liegt im Norden von Rheinland-Pfalz im Kreis Ahrweiler – rund 30 Kilometer südlich von Bonn und unweit der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Bekannt ist Sinzig unter anderem durch seine Lage am Rhein sowie die Nähe zum Ahrtal. Die Stadt zählt knapp 18.000 Einwohner. (dpa/red)
