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Pinke WutEnttabuisiert die Menstruation endlich!

3 min
Tampons

Tampons - fürs Bild noch unbenutzt. Benutzt für manch einen unzumutbar.

Haben Sie die rosafarbene Handschuhwut im Netz an sich vorbeischnauben gehört? Quillt Ihre Timeline über von Einträgen zum Thema #pinkgate? Haben Sie sich gestern erstmals beim Abendessen über Menstruationsprodukte unterhalten?Wenn nicht, dann müssen Sie wissen: In der TV-Show "Höhle der Löwen" des Senders Vox haben zwei Männer, nämlich Eugen Raimkulow und André Ritterswürden, vom Startup „Pinky Gloves“ Einweghandschuhe aus pinkfarbenem Plastik entwickelt, die "den Alltag von Frauen erleichtern" sollen, wie es heißt.

Wirksame Medikamente für Frauen könnt ihr gern erfinden

Sie denken vielleicht die beiden Männer hätten sich darum gekümmert, dass Frauen bei Studien zu Medikamenten ebenso berücksichtigt werden wie Männer. Damit die Medikamente später bei der weiblichen Hälfte der Bevölkerung auch ebenso zuverlässig wirken wie bei der männlichen Hälfte.

Oder die Herren hätten herausgefunden, dass das übliche Klavier Pianistinnen benachteiligt, weil die Tastengröße auf die Spannweite von Männerhänden berechnet ist. Da Frauenhände meist kleiner sind, ist es für sie eine größere Herausforderung, die Oktave greifen zu können. Ist jetzt kein Massenproblem, könnte man sich aber natürlich gern auch als Mann darum kümmern, auch mal kleinere Klaviere zu bauen. Wäre doch nett von den Jungs.

Hey klar, es geht um Frauen, die mögen pink

Aber Raimkulow und Ritterswürden haben nicht der französischen Pianistin Hélène Grimaud gelauscht, als sie einen Gedankenblitz hatten. Nein, sie guckten in den Mülleimer ihrer WG, in der auch Frauen wohnen, entdeckten dort benutzte Tampons und dachten sich: Oh je, wie könnte man die blutige Angelegenheit bloß „hygienisch und umweltfreundlich“ entsorgen. Mal davon abgesehen, dass es schon eine ziemliche Herausforderung darstellt, bei einer Assoziationskette, die mit dem Wort "umweltfreundlich" beginnt, beim Wort „Einweg-Plastikhandschuh“ rauszukommen, erweisen die beiden Erfinder Frauen mit ihrem pinken (hey, klar, es geht ja um Frauen, die mögen pink) Hygieneartikel einen Bärendienst.

Keine Ahnung, was man als Mensch, der menstruiert, jetzt machen soll. Sagen: Wir brauchen so einen umweltschädlichen, diskriminierenden Quatsch nicht. Weil es Gott sei Dank Firmeninhaber gibt, die Menstruationsprodukte erfinden, die bewusst gegen das Menstruations-Shaming anarbeiten. Menstruationstassen zum Beispiel (und ja, die kann man im Familienwaschbecken abspülen ohne dass alle anderen Familienmitglieder vor Ekel an die Straßenecke pinkeln müssen).

Handschuhe fürs Penis-Anfassen

Apropos pinkeln. Wir könnten natürlich auch mal nachdenken und einen blue glove erfinden. Weil es ja sicher eklig ist, wenn Männer beim Pinkeln ihr Geschlechtsteil anfassen müssen. Da wäre ein blauer Einmalhandschuh doch sicher eine hygienische Erfindung, auf die alle Männer gewartet haben.

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Raimkulow und Ritterswürden haben sich mittlerweile entschuldigt mit den Worten „Uns ist klar, dass wir noch viel lernen müssen.“ Das ist sehr erfreulich. Vielleicht als erstes, dass menstruierende Menschen keine Einweghandschuhe brauchen, sondern Aufklärung, Enttabuisierung und Respekt.