Der trockene und heiße Sommer hat Auswirkungen auf die Kartoffelernte und damit auf die Essgewohnheiten der Belgier und Niederländer.
„Das geht doch nicht“Unsere Nachbarn müssen sich auf Mini-Fritten einstellen

Wirkt sich die schlechte Kartoffelernte auf die Preise für Pommes frites aus?
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Die Dürre und Hitze im Sommer 2026 haben einer neuen Analyse zufolge deutliche Auswirkungen auf die Kartoffelernte in Nordwesteuropa. Eine Auswertung von Branchendaten durch die „Energy and Climate Intelligence Unit“ (ECIU) ergab, dass in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden gegenüber dem jeweiligen Fünfjahresmittel insgesamt rund 3,11 Millionen Tonnen Kartoffeln fehlen könnten. Europa stehe vor „einer der kleinsten Kartoffelernten seiner Geschichte“, heißt es dort.
Der Wert der verlorenen Produktion in den vier Ländern wird auf 405 Millionen bis 622 Millionen Euro geschätzt, teilte die ECIU mit. Den Daten zufolge muss Deutschland mit dem größten absoluten Verlust rechnen (1,13 Millionen Tonnen). Belgien muss mit einem Verlust von 0,79 Millionen Tonnen rechnen, die Niederlande mit 0,21 Millionen Tonnen.
Kleine Kartoffeln führen zu Mini-Fritten
Das Problem speziell in Belgien und den Niederlanden ist allerdings nicht nur der Ernteausfall, sondern auch die Beschaffenheit der Kartoffeln der Ernte 2026: Hier werden hauptsächlich große, mehlige bis vorwiegend festkochende Kartoffelsorten mit hohem Stärkegehalt benötigt. Beide Länder gehören zu den weltweit größten Exporteuren und Konsumenten von Pommes frites. In dieser Saison erreicht laut ECIU die Hälfte der wichtigsten Kartoffelsorten aber nicht die von den Verarbeitern geforderte Größe. Das führt auch zu Preissteigerungen.
In Belgien, dem Land mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Pommes frites, schrillen daher ebenso wie in den Niederlanden die Alarmglocken. In Fachmagazinen wird erklärt, dass die Kartoffeln dieser Saison keine besonders gute Qualität hätten. Neben der geringen Größe drohten Keimung und Druckstellen, heißt es. „De Volkskrant“ aus Amsterdam berichtet von den Sorgen der Landwirte: „Sollen unsere Abnehmer nun Mini-Pommes verkaufen? Das geht doch nicht“, erklärt ein Kartoffelbauer aus Zeeland.
Kartoffeln sind 2026 „absolute Katastrophe“
In der Tat rechnen viele Fritten-Liebhaber in Belgien und den Niederlanden mit kleineren Exemplaren in der Fritteuse und steigenden Preisen. Besonders die beliebte Sorte Bintje ist schlecht mit dem heißen und trockenen Sommer zurechtgekommen. Die Kartoffeln fallen oft viermal kleiner als in anderen Jahren aus. So etwas habe er noch nie erlebt, zitiert „Het Laatste Nieuws“ (HLN) aus Antwerpen einen wallonischen Landwirt. Das sei eine „absolute Katastrophe“.
Denn eine Pommes-Kartoffel muss eigentlich einen Mindestdurchmesser von fünf Zentimetern und eine Mindestlänge von sieben Zentimetern haben, so der Bauer.
Der WDR hat mit Betroffenen im belgischen Lontzen, etwa 15 Kilometer von Aachen entfernt, gesprochen. Die Kartoffelhändlerin erklärt, dass viele Pflanzen in diesem Jahr einfach abgestorben seien. Der Imbissbetreiber berichtet, Kundinnen und Kunden würden sich immer wieder nach der geringen Größe ihrer Lieblingsspeise erkundigen.
Klar ist also, dass es in Belgien und den Niederlanden auch in den nächsten Monaten kleinere Pommes frites geben wird. Die gute Nachricht: Offenbar behalten zumindest die Bintje-Kartoffeln trotz der geringen Größe ihren typischen Geschmack, so Christophe Vermeulen, Chef des belgischen Kartoffelverbandes, zu HLN. (mit dpa)

