Caren Miosga hat für die ARD die neue Dokumentation „Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“ gedreht. Dabei beschäftigt sie sich auch mit einer Situation, die ihre eigene Familie betrifft: Ihre Mutter benötigt zunehmend Hilfe. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ spricht die Moderatorin über die Herausforderungen, die auf sie und ihre Geschwister zukommen.
„Es wurde ein persönliches Thema, als klar wurde, dass meine Mutter immer mehr Hilfe benötigt“, sagt Miosga. Ihr Vater könne noch für die Mutter sorgen. Für sie und ihre Geschwister stelle sich jedoch die Frage, wie es weitergeht, wenn beide Eltern mehr Unterstützung benötigen.
Carmen Miosga über ihre neue ARD-Doku: „Das wurde ein persönliches Thema“
Dabei gehe es auch um konkrete Entscheidungen: Können die Eltern in dem Haus bleiben, das sie gebaut haben, oder wäre der Umzug in eine kleinere Wohnung einfacher? Solche Fragen beschäftigten viele Angehörige, sagt Miosga im Gespräch mit der „Süddeutschen“.
Für die ARD-Doku hat sie Menschen begleitet, die ihre Angehörigen zu Hause versorgen. Dabei bekam sie Einblicke in einen Alltag, der für Außenstehende häufig verborgen bleibt. Besonders beeindruckt habe sie die Offenheit, mit der die Betroffenen auch über die schwierigen Seiten der Pflege gesprochen hätten.
Pflege kann Familien an ihre Grenzen bringen
Im Interview schildert Miosga, wie sich Beziehungen verändern können, wenn ein Mensch plötzlich pflegebedürftig wird. Wird etwa ein Ehepartner zum Pflegefall, gerät dieser in eine starke Abhängigkeit. Daraus könnten Frust und Wut entstehen. Über solche Gefühle werde normalerweise wenig gesprochen.

Seit 2024 moderiert Caren Miosga den Sonntagabendtalk der ARD. (Archivbild)
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Eine der Frauen, die in dem Film zu Wort kommen, berichtet, dass sie die Pflege eigentlich nicht mehr bewältigen könne. Für Miosga und ihr Team stellte sich bei den Dreharbeiten immer wieder die Frage, wie weit sie in die Privatsphäre der Betroffenen eindringen dürfen. Auch bei Menschen, die sich selbst nicht mehr mitteilen können, sei besondere Sorgfalt notwendig gewesen.
Die Familien hätten ihnen versichert, dass es wichtig sei, zu zeigen, was Pflege im Alltag wirklich bedeutet. Viele fühlten sich von der Politik, aber auch von der Gesellschaft nicht ausreichend wahrgenommen.
Miosga fordert mehr Anerkennung für pflegende Angehörige
Die Moderatorin sieht in der Pflege eine wachsende gesellschaftliche Aufgabe. Die Zahl der Pflegebedürftigen steige seit Jahren und werde auch künftig weiter wachsen. Weil viele Menschen zu Hause versorgt würden, komme den Angehörigen eine zentrale Rolle zu. Ohne sie würde das Pflegesystem nach Miosgas Einschätzung überhaupt nicht funktionieren.
Einen aktivistischen Anspruch verbindet sie mit der Dokumentation nach eigenen Worten nicht. Sie unterscheidet zwischen ihrer Rolle als politische Fragestellerin im Fernsehstudio und der Arbeit an dem Film. Bei den Gesprächen mit pflegenden Angehörigen sei es vor allem darum gegangen, empathisch zu sein und zuzuhören.
Eine klare Forderung formuliert Miosga im Gespräch mit der „Süddeutschen“ dennoch: „Was ich sehr wohl sehen kann, ist, dass diese Menschen mehr Anerkennung brauchen.“
Die Dokumentation „Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“ läuft am Montag, 26. Oktober, um 20.15 Uhr im Ersten.

