„Dam, dam“Das ist das Geheimnis hinter Drafi Deutschers größtem Hit

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Drafi Deutscher wäre an 9. Mai 80 Jahre alt geworden. Unvergessen bleibt auch sein größter Hit: „Marmor, Stein und Eisen bricht“. (Bild: IMAGO / United Archives)

Drafi Deutscher wäre an 9. Mai 80 Jahre alt geworden. Unvergessen bleibt auch sein größter Hit: „Marmor, Stein und Eisen bricht“. (Bild: IMAGO / United Archives)

„Marmor, Stein und Eisen bricht“ - trotz des berühmt-berüchtigten Grammatik-Schnitzers wurde das Lied zum größten Hit von Drafi Deutscher. Oder doch gerade deswegen? Was ist das Geheimnis für den Erfolg des Evergreens?

Er starb viel zu früh, 2006 im Alter von nur 60 Jahren, an einem Herzinfarkt: Am 9. Mai hätte Drafi Deutscher seinen 80. Geburtstag gefeiert. Doch sein größter Hit hat die Zeit überdauert: „Marmor, Stein und Eisen bricht“, sang er 1965, und wollte man das Geheimnis des Erfolgs ergründen, man käme schwerlich zu einem Ende der Spekulation. Lag es an der Musik allein? Hatte der Text seinen Anteil, also auch das Thema, um das es geht: die unverwüstliche Liebe, die hält und hält, während „Marmor, Stein und Eisen“ eben breche? Breche - bricht. Dass Deutscher mit dem Evergreen seinen „Love Me Tender“-Moment hatte und bei den Lyrics um des Reimes willen einen groben grammatikalischen Schnitzer in Kauf nahm - das ist allenfalls Bonmot und keine Erklärung, jedenfalls keine hinreichende, für einen der größten Knüller des deutschen Schlagers.

Der junge Drafi Deutscher (links) mit dem Komponisten Christian Bruhn. Beide schrieben die Musik zu Deutschers größtem Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“.  (Bild: Filmperlen)

Der junge Drafi Deutscher (links) mit dem Komponisten Christian Bruhn. Beide schrieben die Musik zu Deutschers größtem Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“. (Bild: Filmperlen)

Denn weniger der Inhalt von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder gar die Sprache, sondern die musikalische Machart leistete den größten Beitrag dazu, dass das Lied im Dezember 1965 auf Platz eins der bundesdeutschen Hitparade stürmte und in seiner englischsprachigen Fassung (grammatisch richtig: „Marble Breaks and Iron Bends“) sogar in den USA ein Charterfolg wurde. Der Song ist kein typischer, kein reiner und gefühliger Schlager, sondern kreuzt Schlagerelemente mit denen der Rockmusik, die in den 1960ern den Höhepunkt ihrer Popularität erreichte. Der Rhythmus, der Riff am Anfang des Songs und allein dieses simpel-banale, Text und Musik erdende „dam, dam - dam, dam“ gab der Beat-Jugend, was ihr gefiel.

Kantiger Rockschlager

Drafi Deutscher erklärt den Erfolg von „Marmor, Stein“ mit dem an die Musik der Beatles angelehnten musikalischen Stil. 
 (Bild: Goldstar TV / Thomas Schumann)

Drafi Deutscher erklärt den Erfolg von „Marmor, Stein“ mit dem an die Musik der Beatles angelehnten musikalischen Stil. (Bild: Goldstar TV / Thomas Schumann)

Der kantige Sound also und nicht, was er mit sich trägt, der Inhalt, die ewig währende Liebe etwa oder der fallenden Regen, um den die Geliebte nicht weinen soll, das vor allem war der Grund für den Erfolg. Drafi Deutscher, der zur Zeit der Veröffentlichung von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ gerade mal 19 Jahre alt war, brachte die Erfolgsformel laut des Westdeutschen Rundfunks mit diesen Worten - zögernd und bescheiden - auf den Punkt: „Vielleicht war es einfach der Stil, dass es mir gelungen ist, das, was die Beatles und die Amerikaner gemacht haben, ins Deutsche zu übertragen“.

Die Zuwendung zum zeitgeistigen, internationalen Pop, was im selben Schritt, logisch, eine Abkehr vom seicht-melodiösen deutschen Schlager war - damit erklären auch andere die bis heute anhaltende Beliebtheit des Schlagersongs. Musikjournalist Jan Feddersen etwa: „Dieses Lied hat buchstäblich nichts von dieser klassischen deutschen Sentimentalität, von dieser Triefigkeit. Das war richtig geiler deutscher Popsound.“ Feddersen grenzte den spröden Deutscher von dem „sauberen“ Roy Black ab - was diesem allerdings, der als Rocker angefangen hatte und sich noch als Schlagerstar als solcher gefühlt hatte, vermutlich missfallen hätte.

Noch einmal der Grammatik-Schnitzer

Das alles, und dazu kommt vielleicht doch der berühmt-berüchtigte Grammatik-Schnitzer. Der war immerhin so gravierend, dass der Bayerische Rundfunk sich veranlasst sah, den Song zu boykottieren. Hätten die Sprachpolizisten des Senders doch nur gewusst, dass es so, nämlich falsch, lange vor dem Schlagerhit geschrieben stand. Die Textautoren Rudolf-Günter Loose und Christian Bruhn - von Deutscher stammte nur das „dam, dam“ - fanden die Zeile in einem Lied der Operette „Prinzeß Rosine“ (1905). Dort hieß es an einer Stelle so schön schief: „Marmor, Stahl und Eisen bricht / Aber treue Liebe nicht.“ Aus „Stahl“ machten Loose/Bruhn „Stein“ und aus der „treuen“ „unsere Liebe“, dem Geist des Vorbildes blieben sie aber treu: Sie handelten als Dichter und Musiker und nicht als Sprachpuristen. Auch das war, last but not least, erfolgsentscheidend. Dam, dam. (tsch)