Von NDW bis ESC-Triumph: Diese 11 unvergesslichen Hits prägten das Jahr 1982. Können Sie sich an alle erinnern?
Hits vor 44 JahrenErinnern Sie sich noch an die 11 größten Hits des Jahres 1982?

„Drah di net um“: Der Österreicher Falco gehörte zu den Shooting-Stars des Jahres 1982. (Archivbild)
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Schrille Synthesizer, schunkelnde Schlager-Seligkeit und das leise Surren der Kassette, wenn man am Sonntagabend auf HR3 oder WDR 2 den „Record“-Knopf drückte: 1982 war kein Jahr für feingeistige Nuancen, sondern eine wunderbar überdrehte Leistungsschau der Popkultur.
Es war jenes Übergangsjahr, in dem der NDW-Sturm über die Bundesrepublik fegte, um die Biederkeit des deutschen Schlagers hinwegzufegen – nur um am Ende Hand in Hand mit ihm im Rampenlicht zu stehen. Neben schrillen New-Wave-Experimenten, Wiener Rap-Pionieren und schunkelnden Zeilen über Sperrbezirke schlich sich eine blutjunge Saarländerin mit Akustikgitarre bis an die Spitze Europas.
Wir haben die Staubschicht von den alten Singles gepustet. Hier sind 11 Songs aus dem Jahr 1982, die den Soundtrack eines ganz besonderen Jahrgangs lieferten.
Nicole – „Ein bißchen Frieden“
26 Jahre lang wartete Deutschland vergeblich auf die europäische Krone, ehe eine 17-Jährige aus dem Saarland den Bann brach. Mit weißer Gitarre und dem leisen Wunsch nach „Ein bißchen Frieden“ holte Nicole 1982 den ersten Grand-Prix-Sieg nach Hause und rührte Millionen Menschen zu Tränen. Ihre englische Fassung schaffte es sogar auf Platz eins der britischen Charts. Einen solchen Erfolg konnte ein deutscher ESC-Titel bis heute weder davor noch danach wiederholen.
1982 war das Jahr der großen Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss und die atomare Aufrüstung. Während Millionen Menschen Nicoles „Ein bißchen Frieden“ als Hoffnungssignal feierten, kritisierten Teile der Friedensbewegung den Song als zu naiv und unpolitisch.
Im Buch „Ein Lied kann eine Brücke sein“ von Jan Feddersen blickte die Sängerin später auf die damalige Debatte zurück und stellte klar: „... gegen die Friedensbewegung? Aber ich gehöre doch dazu. Natürlich nicht in so einem provokanten Sinne, das liegt mir nicht. Ich war anders als sie.“
Spider Murphy Gang – „Skandal im Sperrbezirk“
Mit „Skandal im Sperrbezirk“ landete die Spider Murphy Gang 1982 den größten Hit ihrer Karriere und schaffte den Durchbruch im gesamten deutschsprachigen Raum. Die Geschichte um die fiktive Münchner Prostituierte Rosi, deren Telefonnummer „32 16 8“ bundesweit Kultstatus erreichte, spaltete jedoch die Gemüter.
Mehrere öffentlich-rechtliche Radiosender – allen voran der Bayerische Rundfunk – boykottierten den Titel wegen des Begriffs „Nutten“ und der expliziten Thematisierung von Prostitution. Trotz oder gerade wegen dieses Sendeverbots entwickelte sich die Rock-‚n‘-Roll-Nummer zu einem gewaltigen Verkaufsschlager, der sich acht Wochen lang an der Spitze der deutschen Singlecharts hielt.
Al Bano & Romina Power – „Felicità“
Al Bano & Romina Power feierten 1982 mit „Felicità“ ihren bis dahin größten internationalen Erfolg und prägten die Italopop-Welle jener Dekade entscheidend mit. Nach dem zweiten Platz beim Sanremo-Festival entwickelte sich das Duett zu einem europaweiten Hit und erreichte in Deutschland Platz sechs der Singlecharts. Inhaltlich beschwört das Lied das Glück in den ganz einfachen Dingen des Lebens: ein Glas Wein mit einem Brötchen, Händchenhalten, unbeschwerte Sommernächte und eine kleine Liebesbotschaft im Schubfach.
Diese heile Welt stand im spürbaren Kontrast zur späteren Realität des einstigen Traumpaars. Al Bano und Romina Power waren seit 1970 verheiratet. Nach dem spurlosen Verschwinden ihrer Tochter Ylenia im Jahr 1994 zerbrach die Ehe schrittweise; Ende der 1990er-Jahre trennten sich die beiden schließlich und ließen sich später scheiden.
Hubert Kah – „Rosemarie“
Ein Mann wird zum „König dieser Stadt“, baut Schlösser aus Acryl und träumt sich für eine Nacht in die Rolle des damaligen Prinzen Charles: Mit „Rosemarie“ lieferte Hubert Kah 1982 keinen gewöhnlichen Liebessong, sondern eine schrille Pop-Fantasie zwischen Kitsch, Größenwahn und Augenzwinkern. Der Song traf den Nerv der Neuen Deutschen Welle – und war so anders, dass selbst Dieter Thomas Heck nicht daran vorbeikam: Hubert Kah schaffte es mit seiner futuristischen Synthie-Pop-Nummer auf Platz zwei der „ZDF-Hitparade“.
Hinter dem scheinbar naiven Liebeslied steckte die perfekte Parodie auf die Sehnsucht nach Glamour und großer Romantik. Die Zeile über Prinz Charles verwies auf die weltweite Begeisterung um die Hochzeit des britischen Thronfolgers mit Lady Diana im Jahr 1981. Hubert Kah machte aus der royalen Märchenwelt seine eigene schräge Traumkulisse – mit Acryl-Schlössern, Schlaraffenland und einer gehörigen Portion Pop-Ironie.
Falco – „Der Kommissar“
Ein Polizist jagt einen Dealer – und mittendrin steht Falco mit Sonnenbrille, Attitüde und einem Sprechgesang, den es in dieser Form aus dem deutschsprachigen Raum noch nicht gegeben hatte. „Der Kommissar“ machte 1981 aus dem Wiener Musiker einen internationalen Star: Der Song verband New Wave, Funk und Rap-Elemente und stürmte die Charts in ganz Europa. In Deutschland erreichte er Platz eins.
Hinter der coolen Fassade steckt ein Stück Zeitgeschichte: Falco beschrieb eine urbane Jugendwelt zwischen Nachtleben, Drogen und Rebellion – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Stil und Distanz. Die berühmte Zeile „Drah di net um“ wurde zum Markenzeichen des Songs. Als die englische Coverversion von After the Fire 1983 in den USA erfolgreich wurde, war endgültig klar: Falcos ungewöhnlicher Mix aus Rap und Pop hatte eine internationale Sprache gefunden.
Alice – „Una notte speciale“
Nach ihrem Sieg beim Festival di Sanremo 1981 mit „Per Elisa“ wurde die italienische Sängerin Alice auch über ihr Heimatland hinaus bekannt. Ihr melancholisches Nachfolgewerk „Una notte speciale“ entwickelte sich 1982 zu einem Erfolg in den deutschen Charts. In den folgenden Jahren überzeugte Alice immer wieder mit besonderen Duetten – darunter „Zu nah am Feuer“ mit Stefan Waggershausen sowie „I treni di Tozeur“, mit dem sie 1984 gemeinsam mit Franco Battiato für Italien beim Eurovision Song Contest antrat und den fünften Platz erreichte.
Den plötzlichen Ruhm und die Reaktionen des Publikums erlebte die Künstlerin damals laut einem Interview mit dem Magazin „Confidenze“ unerwartet: „Vor dem Hotel wartete eine riesige Menschenmenge von Jugendlichen, und da dies die Ära von Duran Duran war, dachte ich, dass sie ebenfalls in diesem Hotel untergebracht waren. Als mir klar wurde, dass die Jugendlichen alle wegen mir gekommen waren, war ich völlig perplex.“
Trio – „Da da da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha“
Eine Gitarre, ein Schlagzeug, ein Casio-Keyboard – und ein Refrain, der aus drei Silben besteht: Mit „Da Da Da“ bewiesen Trio 1982, dass ein Song nicht kompliziert sein muss, um die Welt zu erobern. Was wie ein musikalischer Witz klang, wurde zum internationalen Hit und machte die Band aus dem niedersächsischen Großenkneten zu einem der ungewöhnlichsten Phänomene der Neuen Deutschen Welle. Selbst in der „ZDF-Hitparade“ bei Dieter Thomas Heck wirkte das Trio mit seinem Minimalismus wie ein Fremdkörper – und genau das war Teil der Faszination.
Hinter der scheinbaren Albernheit steckte ein präzises Konzept: Stefan Remmler, Gert „Kralle“ Krawinkel und Peter Behrens reduzierten Rockmusik auf das absolute Minimum und machten daraus eine Kunstform. „Da Da Da“ wurde in Dutzenden Ländern ein Erfolg und zeigte, dass deutsche Popmusik Anfang der 80er plötzlich international funktionieren konnte – nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Verrücktheit.
Joachim Witt – „Goldener Reiter“
Ein Mann auf einem goldenen Pferd, gefangen zwischen Glanz und Wahnsinn: Joachim Witt schuf mit „Goldener Reiter“ 1980 einen der rätselhaftesten Hits der Neuen Deutschen Welle. Der düstere Synthie-Pop-Song klang wie aus einer anderen Welt und erzählte von einem Ich, das in einer psychiatrischen Klinik landet – verpackt in kalte Elektronik, große Bilder und eine fast surreale Atmosphäre. Erst nach einem Auftritt im „Musikladen“ wurde der Titel zum Hit und stieg 1981 bis auf Platz zwei der deutschen Singlecharts.
Hinter der scheinbaren Fantasiefigur steckte mehr als nur ein schräger NDW-Einfall: Witt verstand den Song auch als Kritik an einer Gesellschaft voller Zwänge und Scheinwelten. Der „Goldene Reiter“ wurde zum Sinnbild für einen Menschen, der zwischen äußerem Erfolg und innerem Absturz gefangen ist – und machte Joachim Witt zu einer der ungewöhnlichsten Stimmen der frühen 80er.
Markus – „Ich will Spaß“
Wo Joachim Witt mit dem „Goldenen Reiter“ die düsteren Seiten der frühen 80er ausleuchtete, setzte Markus mit „Ich will Spaß“ das Gegenprogramm: Lebenslust, Tempo und eine Flucht aus dem Krisenalltag. Denn hinter der bunten Fassade der Neuen Deutschen Welle lag eine Zeit voller Sorgen – der Kalte Krieg, die Debatte um die atomare Aufrüstung und die Angst vor einer möglichen Eskalation prägten die Schlagzeilen.
Mit quietschenden Reifen, jugendlichem Übermut und einer der schrägsten Stimmen der 80er machte Markus aus dem Alltag eine kleine Fluchtfantasie. Der Titel wurde zum Soundtrack einer Zeit, in der bunte Pop-Welten, schnelle Autos und große Gefühle den grauen Nachrichten etwas entgegensetzen sollten. In den deutschen Charts erreichte „Ich will Spaß“ Platz eins – und wurde zum Sinnbild für die ausgelassene Seite der NDW.
Andy Borg – „Adios amor“
Während die Neue Deutsche Welle mit schrillen Klängen, Synthesizern und Provokation die Jugend eroberte, zeigte Andy Borg 1982, dass der klassische Schlager keineswegs tot war. Mit „Adios amor“ setzte der damals 21-Jährige das Gegenprogramm zur wilden Pop-Revolution: eine große Liebesgeschichte, eine eingängige Melodie und jede Menge Gefühl – genau das, was auch Omi und Mutti weiterhin hören wollten.
Der Titel wurde zu einem der größten Schlagerhits der 80er-Jahre und machte Andy Borg über Nacht zum Star. Es folgten zahlreiche weitere Erfolge und weit über 30 Studioalben. Parallel dazu etablierte er sich als Moderator – unter anderem viele Jahre als Gastgeber großer Samstagabendshows. Wie Joachim Witt und Markus blieb auch Borg dem Musikgeschäft treu und steht bis heute auf der Bühne.
Orchestral Manoeuvres In The Dark – „Maid Of Orleans (The Waltz Joan Of Arc)“
Eine mittelalterliche Freiheitskämpferin trifft auf kalte Synthesizer: Mit „Maid of Orleans“ machten Orchestral Manoeuvres in the Dark 1982 aus der Geschichte von Jeanne d’Arc einen der überraschendsten Hits der frühen 80er. Dabei klang die Idee eigentlich alles andere als nach Massenhit: Ein Song über eine Heilige aus dem 15. Jahrhundert, ein ungewöhnlicher 6/8-Walzer-Rhythmus, militärisch wirkende Trommeln und ein Mellotron, das wie ein Dudelsack klingt. Ausgerechnet diese Mischung machte den Titel unverwechselbar.
OMD-Frontmann Andy McCluskey war selbst zunächst nicht überzeugt von dem Stück und hielt die erste Version sogar für misslungen. Doch nach einer Überarbeitung mit einem längeren Intro entstand eine der erfolgreichsten Singles des Jahres 1982.
„Maid of Orleans“ stürmte in Deutschland auf Platz eins und wurde hierzulande sogar zur meistverkauften Single des Jahres – ein Triumph, mit dem die bis dahin vor allem in Großbritannien bekannte Synthie-Pop-Band kaum gerechnet hatte.
