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Schwere Drehjahre und RollenklischeesWas macht eigentlich „Pippi Langstrumpf“-Star Inger Nilsson?

Tränen am Set, Kampf gegen das Klischee: Wie Inger Nilsson ihre weltberühmte Kinderrolle bewältigte und ihren eigenen Weg fand.

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Das undatierte Archivbild zeigt Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf.

Inger Nilsson wurde als Pippi Langstrumpf in Deutschland zum Star. (Archivbild)

Als die damals achtjährige Schwedin Inger Nilsson 1968 unter mehr als 8.000 Bewerberinnen für die Verfilmung der Astrid-Lindgren-Bücher ausgewählt wurde, ahnte niemand das Ausmaß des weltweiten Erfolgs.

Ein Erbe, das Nilsson bis heute prägt: Im ARD-Jahresrückblick 2025 erklärte sie, das Pippi-Phänomen habe ihr zwar viel bedeutet, sie aber auch ihr ganzes Leben lang begleitet. Über die Jahre sei diese Präsenz sogar noch gewachsen. Besonders in der Weihnachtszeit gehört „Pippi Langstrumpf“ beim ZDF zum festen Programm.

„Pippi Langstrumpf“: Dreharbeiten waren nicht immer ein Spaß

Am Set der Kultserie sah die Realität hinter der unbeschwerten Fassade der Hauptfigur jedoch oft trist aus. Das Kind litt während der Produktion unter ausgeprägtem Heimweh, telefonierte wiederholt mit seinen Eltern und fühlte sich überfordert. Während ihre Schauspielkollegen Pär Sundberg (Tommy) und Maria Persson (Annika) die Drehpausen gemeinsam am Strand verbrachten, blieb Nilsson meist isoliert im Hotel.

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Inger Nilsson bei einem Auftritt im Jahr 2025. (Archivbild)

Pär Sundberg beschrieb ihren Zustand Jahre später im „SZ-Magazin“ mit deutlichen Worten: „Sie war sehr unsicher und schüchtern. Manchmal hatte sie regelmäßig Nervenzusammenbrüche: Wenn ihr etwas nicht passte, fing sie zu weinen an und versteckte sich in irgendeiner Ecke.“

Geringe Gage, getrennte Wege und der Schatten der Kinderrolle

Auch nach Drehschluss belastete der Rummel die Familie der jungen Darstellerin. Fotografen und Schaulustige belagerten das Privathaus im schwedischen Kisa, wodurch die Achtjährige früh ihre Privatsphäre verlor.

Finanziell zahlte sich der internationale Erfolg für die Minderjährigen kaum aus. Wie die „TZ“ berichtete, erhielten die Kinderdarsteller lediglich ein Pauschalhonorar von umgerechnet rund 2.000 Euro pro Rolle, während erwachsene Ensemblemitglieder langfristige Verträge samt Tantiemen besaßen.

Mit ABBA-Musiker Björn Ulvaeus im Jahr 2025:

Nilsson bestätigte diesen Umstand rückblickend mit den Worten, der Lohn sei im Vergleich zu heutigen Gagen nur ein Taschengeld gewesen. Nach dem Serienende im Jahr 1970 entwickelte sich das Image der Kultfigur für sie beruflich zu einer schweren Hypothek, da Anschlussengagements über Jahre ausblieben. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, war sie unter anderem als medizinische Sekretärin tätig und nahm Engagements an kleineren Bühnen an.

Den anhaltenden Identitätskonflikt formulierte sie 2015 in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur so: „Weil ich immer dafür kämpfen musste, Inger zu sein. Das ist der große Kampf meines Lebens. Jedem zu erklären, dass ich vor allem Inger bin.“

Pippi, Annika und Tommy waren keine Freunde

Die Wege des einstigen Trios trennten sich nach der Produktion schnell. Eine enge private Freundschaft im Alltag bestand zwischen Nilsson, Persson und Sundberg über Jahrzehnte hinweg nicht. Während Nilsson in Stockholm blieb, wanderten ihre Kollegen nach Spanien aus: Persson lebt seit rund vier Jahrzehnten zurückgezogen in Palma de Mallorca, Sundberg schlug in Alicante abseits der Filmbranche eine Laufbahn im Marketing ein.

Treffen beschränkten sich über Jahrzehnte auf offizielle Pressetermine, Jubiläen oder Auftritte in Sendungen wie „stern TV“. Ein privates Wiedersehen fand erst im September 2023 statt, als die drei 53 Jahre nach dem letzten gemeinsamen Film in Camp de Mar auf Mallorca zum Frühstück zusammenkamen.

Die Initiative dazu ging von FFH-Moderator Bernd Reisig nach einem Auftritt Nilssons in dessen Talkformat „Bembel und Gebabbel“ aus. Laut Reisig flossen bei dem Treffen auch Tränen.

Wie das „Mallorca Magazin“ berichtete, beschrieb Persson das Band des Trios mit den Worten: „Wir sind wie Geschwister, die sich lange nicht sehen, aber sofort wieder einen Draht zueinander haben.“ Inzwischen hält die Gruppe über WhatsApp losen Kontakt und plant regelmäßige Begegnungen.

Neuanfang vor der Kamera und Leben im heutigen Stockholm

Nach den schwierigen Jahren nach dem Ende der Kinderserie gelang Nilsson um die Jahrtausendwende die dauerhafte Rückkehr in die Branche. Im Jahr 2000 wirkte sie in der Kinoproduktion „Gripsholm“ mit, ehe sie einem breiten deutschsprachigen Publikum ab 2007 als Gerichtsmedizinerin Ewa Svensson in der ZDF-Krimireihe „Der Kommissar und das Meer“ bekannt wurde.

Bis zum Serienende im Jahr 2020 stand sie für dieses Format vor der Kamera, gefolgt von Rollen in Produktionen wie „Jäger – Tödliche Gier“ oder „Die Patchworkfamilie“.

Erfolge im Fernsehen und Kino

Inger Nilsson lebt heute unverheiratet und ohne Kinder in Stockholm. Neben gelegentlichen Auftritten in Fernsehsendungen wie dem ARD-Jahresrückblick steht sie in Schweden regelmäßig auf Theaterbühnen, unter anderem in Inszenierungen wie „Bernarda Albas Haus“.

Nach ihren langjährigen Dreharbeiten für das deutsche Fernsehen feierte die 67-Jährige darüber hinaus in den vergangenen Jahren ein Schauspiel-Comeback mit schwedischen Film- und Fernsehproduktionen.

2025 war sie in der Dramedy-Serie „Där solen alltid skiner“ als Elisabeth sowie als Nettan im traditionsreichen SVT-Weihnachtskalender „Tidstjuven“ zu sehen. „Es war mein Traum, einmal bei einem Weihnachtskalender dabei zu sein. Jetzt habe ich den Höhepunkt meiner Karriere erreicht“, sagte sie zur Zeitung „Dagens Västervik“.

2026 ist Nilsson in der schwedischen Heavy-Metal-Komödie „Vi är Metal Dragon“ als Polizistin Konstapel Nilsson auf der Kinoleinwand zu sehen. Der Film schaffte überraschend den Sprung in die schwedischen Kino-Top 10. „Dass es ein unabhängiger Film wie dieser in die Kinocharts schafft, ist eine großartige Leistung“, sagte die Schauspielerin laut „Rockbladet“.