„Hooligans“ handelt von fanatischen Fußball-Fans in Jerusalem. Eine Szene, die nicht nur in der Fiktion Querverbindungen zu Politik und Organisiertem Verbrechen aufweist. Die israelisch-deutsch-französische Koproduktion erzählt ihre Geschichte im Gewand einer achtteiligen Thriller-Serie.
Israels „besondere“ Fußball-Szene

Israelische Serie „Hooligans“ in der ARD-Mediathek: Der junge Meni (Ben Sultan, links) lernt während einer Schlägerei am Stadion von Jerusalem Ovad (Sean Softi), den Chef der Hooligans, kennen. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Beim Auswärtsspiel wird ihnen der Zugang zum Stadion verweigert: Yaakov (Ilay Elmakys, vorne links), Liran (David Shaul) und Anführer Ovad (Sean Softi, rechts) haben dennoch gute Laune. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Meni (Ben Sultan) ist nach einer Schlägerei am Stadion von Jerusalem im Arrest gelandet. Dabei hatte er mit Fußball und dessen Szene bislang keine Berührungspunkte. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Der 20-jährige Meni Azulai (Ben Sultan) ist vom israelischen Militär desertiert und als Getränkeverkäufer in der Straßen Jerusalems untergetaucht. Während eines Fußballspiels gerät er in die blutige Auseinandersetzung zweier Hooligan-Gruppen. Dabei verdient er sich den Respekt von Ovad Hamami (Sean Softi), dem mächtigen Anführer des radikalen Fanclubs „Wächter der Mauern“. Im Polizeiarrest setzt Kommissarin Eli Madmoni (Dikla Dori) Meni unter Druck, für sie als Spitzel aus der Szene zu berichten. Dabei hatte er, der aus schwierigen Verhältnissen stammt, bisher nichts mit Fußball am Hut. Die achtteilige Serie „Hooligans“ von Autorin und Regisseurin Lee Gilat (“Teheran“, „Girls Like Us“) steht ab Freitag 14. August, in der ARD-Mediathek. Am Donnerstag, 13. August, läuft das israelisch-deutsch-französische Thrillerwerk mit spannenden Bezügen zur echten Hooligan-Szene Israels auch ab 23.00 Uhr im ARD-Sender ONE.

Polizistin Elinor Madmoni (Dikla Dori) wirbt den jungen Meni (Ben Sultan) im Gefängnis an, für sie als Spitzel aus der Hooligan-Szene zu berichten. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Die Serie spielt - für Insider erkennbar - auf die reale Fanszene rund um Jerusalem an - auch wenn die Ultra-Bewegung „Wächter der Mauern“ ein fiktionaler Gruppenname ist. Reales Vorbild dürfte die berüchtigte La Familia sein, Fangruppe von Beitar Jerusalem, dem Verein, an dessen Stadion (Teddy-Stadion) die Serie auch spielt. La Familia existiert seit 2005 und versammelte sich im Ostteil des Teddy-Stadions. Die Gruppe ist bekannt für eine rechtsextreme, nationalistische Ausrichtung und anti-arabischen Rassismus. Beitar ist bis heute der einzige prominente israelische Verein, der noch nie einen arabischen Spieler verpflichtet hat. Versuche der Vereinsführung scheiterten wiederholt an massivem Druck und Gewaltandrohungen aus der Fanbasis, insbesondere von La Familia.
Was israelische Vereinsnamen bedeuten: Hapoel, Makabi und Beitar

Meni (Ben Sultan) soll als Undercover-Agent aus einer Gruppe krimineller Hooligans berichten. Fußball und Fußballfans waren bisher nie sein Ding. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Als Anwältin ihres Cousins, dem Chef der Hooligans, kämpft Kinneret (Danielle Menuchin Rodoy) gegen die Aussperrung der Gruppe aus dem Stadion - und gegen deren Inhaftierung nach gewalttätigen Auseinandersetzungen. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Assi (Ben Heine) feuert seine Hooligans an. Ein neu komponierter Schlachtgesang feiert Premiere. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Auch die rivalisierende Jerusalem-Fangruppe in der Serie dürfte ein reales Vorbild aufweisen: den lokalen Rivalen und historisch linken Verein Hapoel Jerusalem. Hapoel ist vollständig Fan-eigen. Der Verein steht programmatisch für Koexistenz und Solidarität zwischen Muslimen und Juden in Jerusalem. - Hapoel-Fans sehen sich selbst als Antithese zu La Familia. Auch die in der Serie erzählten Verstrickungen der Hooligan-Szene mit Politik und Organisiertem Verbrechen entsprechen wohl leider der Wahrheit, wie in den letzten Jahren investigative Recherchen unter anderem der Washington Post und des britischen Guardian zeigten. 2016 verhaftete die Polizei bei einer Razzia über 50 der bekanntesten La Familia-Mitglieder und stellte bei ihnen ein großes Arsenal militärischer Waffen sicher.

Meni Azulai (Ben Sultan) drifet ziellos durch sein Leben, als er am Stadion erstmals mit der Hooligan-Szene von Jerusalem in Berührung kommt. (Bild: SWR/Artza Productions)
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Seit ihrer Gründung 2005 haben sich Mitglieder von La Familia zu politischen Straßenkämpfern der israelischen extremen Rechten entwickelt. Während der Welle von Protesten gegen die Regierung, die Israel seit 2020 immer wieder erfasste, trat La Familia wiederholt als Gegenkraft auf, um Aktivisten und Journalisten niederzuschreien und anzugreifen.
Israelische Vereine sind in ihrer historischen politischen Orientierung oft an ihrem Präfix erkennbar: „Hapoel“ waren der Arbeiterbewegung zugeordnet, „Maccabi“ sind Clubs der Mitte, und „Beitar“-Vereine gehören dem revisionistischen rechten Lager an. Bedauerlich ist, dass die Serie viele interessante Szene-Einblicke hinter einer etwas klischeehaften Thrillerhandlung versteckt. Wobei sicher viel Authentizität hinter der etwas flach geratenen deutschen Synchronisation verloren geht. Dennoch bietet „Hooligans“ für mitteleuropäische Fußball- und Gesellschaftsinteressierte einen interessanten Einblick in die ungewöhnliche radikale Fanszene Israels. (tsch)