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Nach Baustellen-„Tatort“Die Kölner Oper und der Kölsche Klüngel

4 min
Mord an der Oper! Elli Zander (Ines Lutz), die Rüstmeisterin, wird erschossen im Lastenaufzug aufgefunden. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) ermitteln. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Mord an der Oper! Elli Zander (Ines Lutz), die Rüstmeisterin, wird erschossen im Lastenaufzug aufgefunden. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) ermitteln. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Ursprünglich sollte die Kölner von 2012 bis 2015 umgebaut werden. Fertig wird man nun 2026. Was lief schief und welche anderen Endlos-Baustellen gibt es in Deutschland?

Der „Kölner „Tatort: Die Schöpfung““ spielt auf einer seit 14 Jahren existierenden Baustelle. Ursprünglich sollte der Krimi mit den Ermittlern Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) im fertiggestellten Opernhaus spielen - doch wegen andauernder Verzögerungen musste an verschiedenen Spielorten, auf Baustellen und in Provisorien gedreht werden.

Für Kommissar und Opernfan Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) geht ein Traum in Erfüllung. Wegen eines Mordes an der Kölner Oper ermittelt er mit dem Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hinter den Kulissen der Spielstätte. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Für Kommissar und Opernfan Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) geht ein Traum in Erfüllung. Wegen eines Mordes an der Kölner Oper ermittelt er mit dem Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hinter den Kulissen der Spielstätte. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Warum dauerte dem Umbau so lange? Welche deutschen Rekord-Baustellen gibt es derzeit? Und wovon erzählt eigentlich „Die Schöpfung“?

Worum ging es im „Kölner Tatort“?

Die junge Sängerin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) scheint unter Druck zu stehen. Gegenwärtig singt sie im Chor - obwohl sie eigentlich als Solistin angestellt ist.  (Bild: WDR/Thomas Kost)

Die junge Sängerin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) scheint unter Druck zu stehen. Gegenwärtig singt sie im Chor - obwohl sie eigentlich als Solistin angestellt ist. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Eine Mitarbeiterin der Kölner Oper wurde ermordet. Die Erschossene arbeitete in der Requisite. Ihr Körper wurde drapiert wie für eine Opern-Inszenierung. Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist entsetzt über den Mord an seiner Kulturstätte. Gleichzeitig durfte der Manager den Spagat zwischen einer Endlos-Renovierung seines Stammhauses und den Ausweich-Spielstätten nicht aus dem Blick verlieren.

Hilfreich bei den Ermittlungen war Multi-Handwerkerin Eva Krüger (Katja Bürkle), das Mädchen für alles an der Kölner Oper. Sie kennt sich in den Gebäuden aus wie keine andere - und öffnete den Ermittlern viele Türen. Ballauf und Schenk fiel die junge Sängerin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) auf. Sie schien unter Druck zu stehen. Die Kommissare erforschten die Gewerke des Opernhauses - sowie die Wünsche, Ängste und Marotten seiner Mitarbeitenden.

Worum ging es wirklich im Kölner „Tatort“?

Multi-Handwerkerin Eva Krüger (Katja Bürkle) ist das Mädchen für alles an der Kölner Oper.  (Bild: WDR/Thomas Kost)

Multi-Handwerkerin Eva Krüger (Katja Bürkle) ist das Mädchen für alles an der Kölner Oper. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Drehbuchautor Wolfgang Stauch, der immer wieder mit clever geschriebenen Folgen wie „Anne und der Tod“ (Stuttgart) oder den Kölner Premium-Folgen „Vier Jahre“ oder „Diesmal ist es anders“ auffällt, ist kein wirklicher Opernkenner. Was in diesem Krimi nicht schlimm ist, denn Stauch interessiert sich für die Dinge hinter den Kulissen des Sangespektakels wie Logistik und Betrieb einer Oper.

Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist entsetzt über einen Mord an seinem Opernhaus. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist entsetzt über einen Mord an seinem Opernhaus. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Er wollte laut eigener Aussage „keine 'Startenor liebt Starsopranistin-Story, sondern den Mikrokosmos hinter der Bühne erzählen“. Deshalb spielt sein Krimi in Werkstätten, im Kostümfundus oder in der Maske und erzählt von jenen Menschen, die den mittelständischen Betrieb Oper am Laufen halten.

Warum dauert der Umbau der Kölner Oper so lange?

Der exzentrische Sänger - und Mensch - David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol) und Valerie Schmitt (Hannah Schiller) proben für eine Metal-Oper. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Der exzentrische Sänger - und Mensch - David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol) und Valerie Schmitt (Hannah Schiller) proben für eine Metal-Oper. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Als Kardinalfehler des Projekts gilt die Annahme, modernste Bühnentechnik und Haustechnik könnte relativ problemlos in die denkmalgeschützten Gebäude aus den 50er-Jahren integriert werden. Das stelte sich als grober Fehler heraus. Hinzu kamen gravierende Planungs- und Steuerungsfehler: wiederholt unzureichende Bauleitung, mangelhafte Koordination der Gewerke, Probleme beim Brandschutz und immer neue Mängel, die zu Nacharbeiten und weiteren Verzögerungen führten. In Kölner Kreisen nennt man es auch „Klüngel“.

Die Umbaukosten sollten ursprünglich bei 250 Millionen Euro liegen. Zuletzt wurden sie vom Bund der Steuerzahler auf rund 798 Millionen Euro taxiert. Rechnet man Finanzierungskosten und die jahrelangen Interimsspielstätten hinzu, ergibt sich sogar ein Gesamtvolumen von etwa 1,5 Milliarden Euro.

Das sind die längsten Baustellen Deutschlands

Maskenbildnerin Britt Maier (Bettina Engelhardt) gilt als „das Ohr“ des Ensembles. Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) lässt sich einen Termin bei der Mitarbeiterin geben.  (Bild: WDR/Thomas Kost)

Maskenbildnerin Britt Maier (Bettina Engelhardt) gilt als „das Ohr“ des Ensembles. Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) lässt sich einen Termin bei der Mitarbeiterin geben. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Einige der deutschen Bauvorhaben, die stark aus dem Ruder liefen, sind vielen bekannt: So zum Beispiel „Stuttgart 21“ (Bahnknoten Stuttgart), das seinen Ursprung mit ersten Beschlüssen 1995 hatte. Der Baubeginn erfolgte 2010. Fertig ist man immer noch nicht. Ein neuer, verbindlicher Zeitplan für die Fertigstellung soll Mitte 2026 vorgelegt werden. Die Kosten stiegen von ursprünglich rund 2,5 Milliarden Euro auf bisher etwa 11 Milliarden Euro.

Ebenso legendär ist der „BER - Flughafen Berlin Brandenburg“. Gebaut wurde ab Mitte der Nullerjahre. Nach fast zehn Jahren Verzögerung eröffnete man statt 2011 erst 2020 für den regulären Betrieb. Die Kosten kletterten von rund zwei Milliarden Euro auf deutlich über sechs Milliarden Euro. Auch die Hamburger Elbphilharmonie begann als vergleichsweise überschaubares Projekt mit geplanter Eröffnung um 2010. Die Kosten sollten im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Tatsächlich eröffnet wurde 2017 - zum Preis von 800 Millionen Euro.

Wovon erzählt „Die Schöpfung“?

„Die Schöpfung“ ist ein Oratorium von Joseph Haydn. Uraufgeführt wurde es 1798/99. Erzählt wird die biblische Erzählung von der Erschaffung der Welt. Es gilt als Schlüsselwerk an der Schwelle von Spätbarock und Wiener Klassik, in dem Haydn seine ganze Erfahrung mit Sinfonik, Oper und Chormusik bündelte. Außerdem ist es bekannt für seine optimistische, aufklärerisch geprägte Sicht auf die Welt, die weniger den strafenden Gott als vielmehr die Schönheit der geschaffenen Natur in den Mittelpunkt stellt.

Wie geht es beim Kölner „Tatort“ weiter?

Der nächste Kölner „Tatort: Showtime“ (Ausstrahlung: 2026) präsentiert einen weiteren interessanten Handlungsort: Ermittelt wird hinter den Kulissen einer seit Generationen beliebten Kindersendung. Das Programm genießt Kultstatus - doch dann wird der Kameramann der Fernsehshow ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos gefunden. In der Episodenrolle als TV-Moderator sieht man Schauspieler und Verwandlungskünstler Max Giermann.

Ebenfalls wohl noch 2026 zu sehen: Der „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“, der rund um den Fund einer Weltkriegsbombe spielt. Noch zwei weitere Filme mit Ballauf und Schenk sind in Arbeit: „Tatort: Die guten Leute“ über den Raubmord in einer Biobäckerei und ein Familiendrama unter Reichen namens „Tatort: Die Glücklichmacher“. (tsch)