Es ist still geworden um die einst schillernde Königin und Witwe von König Hussein. Das ist über ihr Leben heute bekannt.
Völlig abgetauchtWas macht eigentlich Königin Noor von Jordanien? – So sieht sie heute aus

1988 besuchte Königin Noor Deutschland. In Köln wurde sie von dem damaligen Oberbürgermeister Norbert Burger empfangen. (Archivbild)
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Es gibt Gesichter, die man lange mit einer bestimmten Epoche verbindet – und das von Lisa Halaby gehört dazu. Als sie 1978 den jordanischen König Hussein heiratete und zu Königin Noor von Jordanien wurde, richtete sich große internationale Aufmerksamkeit auf die Verbindung. Die in den USA ausgebildete Architektin, Tochter einer syrisch-libanesisch-amerikanischen Familie, wurde in Jordanien rasch zu einer prägenden öffentlichen Figur der 1980er- und 1990er-Jahre.
Königin Noor von Jordanien tritt nur noch selten auf
Ihr Name Noor, auf Deutsch „Licht“, wurde häufig als Sinnbild für ihren Anspruch verstanden, Brücken zwischen Kulturen zu schlagen. Der Tod von König Hussein I. von Jordanien im Februar 1999 stellte einen tiefen Einschnitt dar. Noor war damals 47 Jahre alt, ihr Stiefsohn König Abdullah II. von Jordanien bestieg den Thron. In den Jahren danach trat sie weiterhin öffentlich in Erscheinung, zog sich jedoch zunehmend aus dem repräsentativen Hofgeschehen zurück.

Einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte: Königin Noor von Jordanien (l) nahm neben Prinz Gustav zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (r) am 27. Februar 2024 in der St.-George’s-Chapel auf Schloss Windsor an einem Dankgottesdienst für König Konstantin II. von Griechenland teil. (Archivbild)
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Eine Zäsur bildeten die Ereignisse um ihren leiblichen Sohn Prinz Hamzah, dem 2021 nach Vorwürfen eines angeblichen Umsturzplans Bewegungsfreiheit und öffentliche Auftritte untersagt wurden. Noor stellte sich öffentlich hinter ihren Sohn, sprach von „bösartiger Verleumdung“ und kritisierte dessen Behandlung scharf – ein Schritt, der das Verhältnis zum jordanischen Königshaus nachhaltig belastete.
Noor von Jordanien: Ihre seltenen royalen Auftritte der letzten Jahre
Vielleicht auch deshalb zeigte sich Königin Noor von Jordanien in den vergangenen Jahren fast nur noch bei ausgewählten royalen Abschieden. Im Januar 2023 reiste sie nach Athen zur Trauerfeier für König Konstantin II. von Griechenland, Anfang 2024 nahm sie im britischen Windsor an einer Gedenkveranstaltung für denselben Monarchen teil. Ansonsten wurde sie unter anderem beim 80. Geburtstag von Altkönigin Sofia von Spanien gesichtet. Andere große Hochzeiten, Jubiläen oder repräsentative Staatsakte lässt Noor seit Jahren aus.

Königin Noor von Jordanien bei einem Konzert zu Ehren des 80. Geburtstags von Königin Sofia von Spanien. (Archivbild von 2018)
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Für Aufmerksamkeit sorgte vor allem ihr Fernbleiben bei der Hochzeit ihres Stiefenkels Kronprinz Hussein im Juni 2023 in Amman. Während zahlreiche internationale Royals anreisten, fehlte die Witwe von König Hussein bei dem Großereignis.
In internationalen Medien und unter Royal-Beobachtern wurde dies erneut mit den seit Jahren bekannten Spannungen innerhalb der jordanischen Königsfamilie in Verbindung gebracht. Eine offizielle Erklärung gab es jedoch nicht.
Einsatz für Abrüstung: Engagement auf internationaler Ebene
Dabei blieb Königin Noor von Jordanien nach dem Tod von König Hussein I. von Jordanien über Jahre eng mit seinem politischen und gesellschaftlichen Vermächtnis verbunden. In den 2000er- und frühen 2010er-Jahren unterstützte sie Projekte im Umfeld der King Hussein Foundation, die sich unter anderem mit Bildung, sozialer Entwicklung und Armutsbekämpfung befassen. In dieser Phase profilierte sich Noor zunehmend als eigenständige Akteurin jenseits rein repräsentativer Aufgaben.

Königin Noor traf am 27. Februar 2024 gemeinsam mit Kyrill von Bulgarien zum Dankgottesdienst für König Konstantin II. von Griechenland auf Schloss Windsor ein. (Archivbild)
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Einen weiteren Schwerpunkt setzte sie in den 2010er-Jahren auf sicherheitspolitische Themen. Als Unterstützerin der Initiative Global Zero engagierte sie sich für nukleare Abrüstung und nahm in diesem Zusammenhang an internationalen Fachveranstaltungen teil. Auch Umwelt- und Naturschutz gehörten über Jahrzehnte zu ihren Themen, insbesondere in Verbindung mit BirdLife International und Fragen wie Wasserknappheit und Wüstenbildung im Nahen Osten.

Königin Noor besucht mit Oberbürgermeister Norbert Burger eine Ausstellung in Köln. (Archivbild)
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Fast vergessen: Königin Noor von Jordanien machte 1988 sogar Station in Köln. In einer Phase, in der sie international zu den sichtbarsten Königinnen der Welt zählte, besuchte sie die Domstadt im Rahmen eines kulturellen Termins und eröffnete eine Ausstellung. Fotografien zeigen sie beim Rundgang durch die Schau – elegant, aufmerksam und im Austausch mit deutschen Gastgebern, darunter der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger.
Wo lebt Königin Noor heute?
Über ihren heutigen Lebensmittelpunkt macht Königin Noor von Jordanien keine öffentlichen Angaben. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass sie sich weiterhin überwiegend zwischen den USA, Großbritannien und Jordanien bewegt, ohne dauerhaft an einem Ort zu leben.

Ein weiterer seltener öffentlicher Auftritt: Königin Noor von Jordanien nahm am 16. Januar 2023 in Athen an der Trauerfeier für König Konstantin II. von Griechenland teil. (Archivbild)
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Die Website der King Hussein Foundation führt Königin Noor von Jordanien weiterhin als Präsidentin der internationalen Bildungsinitiative „United World Colleges“, als Mitglied des Kuratoriums des Aspen Institute sowie als Beraterin von Search for Common Ground und der Konferenz „Trust Women“ der Thomson Reuters Foundation, die sich für Rechtsstaatlichkeit und die Stärkung von Frauenrechten einsetzt.
Ihre letzte bekannte Wortmeldung hierzu stammt aus dem Jahr 2021, in der sie die Bedeutung weiblicher Führung hervorhob und Investitionen in Bildung, Ausbildung und wirtschaftliche Chancen für Frauen forderte.
In der Timeline der King Hussein Foundation endet alles mit einem vielseitig deutbaren Satz: „Und die Reise geht weiter… 2024“. Danach: Funkstille. Keine Termine, keine Auftritte, keine Updates. Ein offener Schlussstrich, der mehr Fragen offenlässt, als er beantwortet – und der gut zu einer Königin passt, die sich seit Jahren zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

