Abo

Schatten über HollywoodWas wurde aus den neun berüchtigten Anhängern von Charles Manson?

6 min
Der später wegen mehrfachen Mordes verurteilte Charles Manson wird zur Anklageverlesung im Zusammenhang mit dem Mord an der Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate und weiteren Opfern gebracht.

Der später wegen mehrfachen Mordes verurteilte Charles Manson wird zur Anklageverlesung im Zusammenhang mit dem Mord an der Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate und weiteren Opfern gebracht. (Archivbild)

Charles Manson und seine „Family“ schockierten 1969 mit brutalen Morden. Was wurde aus den neun wichtigsten Mitgliedern der Sekte?

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den brutalen Morden im Sommer 1969 sorgt die Geschichte der Manson-Familie noch immer für Aufsehen. Anhänger von Charles Manson ermordeten 1969 in Los Angeles insgesamt neun Menschen: fünf Opfer in der Villa von Sharon Tate sowie am folgenden Abend das Ehepaar Leno und Rosemary LaBianca. Zwei weitere Morde waren Gary Hinman (Juli 1969) und Donald Shea (August 1969).

Die Taten erschütterten die USA und machten die Manson-Familie weltweit bekannt. Doch wie verlief das Leben derjenigen, die damals zu den bekanntesten Anhängerinnen und Anhängern der Gruppe gehörten? Ein Blick auf das Schicksal von neun zentralen Mitgliedern.

Charles Manson – Der Kopf der Gruppe

Charles Manson manipulierte seine Anhängerinnen und Anhänger psychologisch und nutzte sie für seine apokalyptischen Vorstellungen. Er selbst beging die Morde an Sharon Tate und dem Ehepaar LaBianca nicht, wurde aber wegen Mordes ersten Grades und Verschwörung zum Mord verurteilt.

Charles Manson mit Hakenkreuz auf der Stirn.

Charles Manson mit Hakenkreuz auf der Stirn. (Archivbild)

Seine zunächst verhängte Todesstrafe wurde nach der Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Manson verbrachte fast sein gesamtes Erwachsenenleben im Gefängnis und starb im November 2017 im Alter von 83 Jahren in einer kalifornischen Haftanstalt.

2024 sorgten veröffentlichte Gefängnisaufnahmen von Charles Manson für Aufsehen. Darin sprach der frühere Sektenführer über angebliche weitere Tötungsdelikte aus seiner Vergangenheit. Bis heute konnte nicht abschließend geklärt werden, welche Taten er damit konkret meinte oder ob die genannten Verbrechen tatsächlich stattgefunden haben.


Charles „Tex“ Watson – Der Haupttäter

Charles „Tex“ Watson galt als rechte Hand von Charles Manson und spielte eine zentrale Rolle bei den Morden an Sharon Tate und ihren Gästen sowie Leno und Rosemary LaBianca. Jahrzehnte später zeigte er Reue für seine Taten. Bei einer Bewährungsanhörung erklärte er: „Mein Herz ist erfüllt von Reue für die Tragödie, die ich so vielen Menschen zugefügt habe.“

Im Gefängnis vollzog Watson eine religiöse Wende: Er wandte sich dem Christentum zu, wurde zum Geistlichen ordiniert und heiratete während seiner Haft. Mit seiner damaligen Ehefrau bekam er vier Kinder. Mehrere Anträge auf Bewährung wurden bislang abgelehnt.


Susan Atkins – „Sadie Mae Glutz“

Susan Atkins gehörte zu den frühesten Anhängerinnen Mansons und war in der Mordnacht am Cielo Drive beteiligt. Sie gab an, an der Ermordung der hochschwangeren Sharon Tate beteiligt gewesen zu sein. Während des Prozesses zeigte sie zunächst wenig Reue und sorgte mit provokanten Auftritten für Aufsehen.

Begleitet von Polizeibeamten werden drei der Angeklagten am 19.11.1970 in einer Pause des sogenannten Manson-Prozesses in Los Angeles (USA) abgeführt (l-r): Leslie Van Houten, Susan Atkins und Patricia Krenwinkel.

Begleitet von Polizeibeamten werden drei der Angeklagten am 19.11.1970 in einer Pause des sogenannten Manson-Prozesses in Los Angeles (USA) abgeführt (l-r): Leslie Van Houten, Susan Atkins und Patricia Krenwinkel. (Archivbild)

Später distanzierte sie sich im Gefängnis von Manson und wandte sich dem Glauben zu. Nach mehreren abgelehnten Anträgen auf Haftentlassung starb Atkins im September 2009 im Alter von 61 Jahren an Krebs in Haft.


Patricia Krenwinkel – „Katie“

Patricia Krenwinkel war an beiden Mordnächten beteiligt. Sie spielte eine Rolle bei den Tötungen von Abigail Folger sowie Leno und Rosemary LaBianca. Nach den LaBianca-Morden schrieb sie mit dem Blut der Opfer Botschaften an die Wände, darunter „DEATH TO PIGS“ („Tod den Schweinen“) und „Healter Skelter“ – eine fehlerhafte Schreibweise des Beatles-Songs „Helter Skelter“.

In späteren Anhörungen erklärte Krenwinkel, ihr starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit habe dazu geführt, dass sie Mansons Einfluss nicht hinterfragt habe. Später beschrieb sie ihre Beziehung zu Manson mit den Worten: „Ich dachte, ich liebte ihn. Ich dachte – es begann mit Liebe und wurde dann zu Angst.“ Krenwinkel sitzt seit 1971 im Gefängnis und gilt als die am längsten inhaftierte Frau im kalifornischen Strafvollzug.


Leslie Van Houten – Die Jüngste der Täterinnen

Leslie Van Houten war nicht an den Morden im Haus von Sharon Tate beteiligt, gehörte aber zu den Manson-Anhängern, die in der Folgenacht das Ehepaar LaBianca ermordeten. Da sie damals erst 19 Jahre alt war, sahen einige Gutachter über die Jahrzehnte ein vergleichsweise hohes Potenzial für eine Resozialisierung.

Leslie Van Houten bei ihrer Bewährungsanhörung in der California Institution for Women.

Leslie Van Houten bei einer Bewährungsanhörung in der California Institution for Women. (Archivbild)

Van Houten zeigte in späteren Jahren Reue, erwarb im Gefängnis akademische Abschlüsse und wurde nach mehr als fünf Jahrzehnten Haft im Juli 2023 auf Bewährung entlassen. Bei einer Anhörung erklärte sie: „Mein Herz schmerzt, und es gibt keine Möglichkeit, das Ausmaß des Schmerzes zu vermitteln, den ich verursacht habe.“


Linda Kasabian – Die Kronzeugin

Linda Kasabian begleitete die Gruppe zu den Tatorten, beteiligte sich nach eigenen Angaben aber nicht an den Morden. Nach den Ereignissen auf dem Cielo Drive floh sie von der Ranch und wurde später zur wichtigsten Zeugin der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Charles Manson und weitere Mitglieder der Manson-Familie. Vor Gericht schilderte sie ihre Angst vor Manson: „Ich hatte Angst vor Charlie. Ich hatte Angst davor, was er mir antun würde.“

Ihre Aussagen trugen wesentlich dazu bei, Manson und mehrere seiner Anhänger zu überführen. Im Gegenzug erhielt sie Straffreiheit. Danach zog sich Kasabian weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, lebte unter einem anderen Namen und starb im Januar 2023 im Alter von 73 Jahren.


Bobby Beausoleil – Der erste Mörder

Bobby Beausoleil gehörte zum Umfeld von Charles Manson und war der erste Manson-Anhänger, der wegen Mordes verurteilt wurde. Im Juli 1969 tötete er Gary Hinman, einen Bekannten der Gruppe, nachdem dieser unter Druck gesetzt worden war, Geld herauszugeben. Beausoleil wurde zunächst zum Tode verurteilt, seine Strafe nach der Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien jedoch in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Bobby Beausoleil im Jahr 1969.

Bobby Beausoleil im Jahr 1969. (Archivbild)

Anders als viele andere Mitglieder der Manson-Familie war er nicht an den Morden an Sharon Tate und den LaBiancas beteiligt. Bis heute bestreitet er Teile der damaligen Darstellung. In einem späteren Interview sagte er über den Mord an Hinman: „Ich habe einen Mann namens Gary Hinman getötet, indem ich zweimal auf ihn eingestochen habe. Das sind die nackten Fakten.“


Lynette „Squeaky“ Fromme – Mansons treue Anhängerin

Lynette „Squeaky“ Fromme war eines der bekanntesten Mitglieder der Manson-Familie, obwohl sie an den Morden von 1969 nicht beteiligt war. Sie blieb Charles Manson auch nach dessen Verurteilung treu, hielt Kontakt zu ihm und unterstützte seine Anhänger.

Archivaufnahme aus den Gerichtsunterlagen: Lynette „Squeaky“ Fromme bei ihrer Verhaftung nach dem Attentatsversuch auf US-Präsident Gerald Ford im Jahr 1975.

Archivaufnahme aus den Gerichtsunterlagen: Lynette „Squeaky“ Fromme bei ihrer Verhaftung nach dem Attentatsversuch auf US-Präsident Gerald Ford im Jahr 1975.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie 1975 durch einen Anschlagsversuch auf den US-Präsidenten Gerald Ford. In Sacramento richtete Fromme eine Pistole auf Ford, die jedoch nicht feuerte. Sie wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und verbrachte 34 Jahre im Gefängnis, bevor sie im August 2009 auf Bewährung entlassen wurde. Seitdem lebt sie zurückgezogen im Bundesstaat New York.


Bruce Davis – Der Organisator der Gruppe

Bruce Davis

Im Gefängnis wandte sich Bruce Davis dem Christentum zu und erwarb einen Doktorgrad. (Archivbild)

Bruce Davis galt innerhalb der Manson-Familie als Organisator und wurde wegen seiner Beteiligung an den Morden an Gary Hinman und dem Ranch-Arbeiter Donald „Shorty“ Shea verurteilt. Er stellte sich 1970 nach einer längeren Flucht den Behörden.

Im Gefängnis wandte sich Davis dem Christentum zu und erwarb einen Doktorgrad. Trotz mehrfacher Empfehlungen des kalifornischen Bewährungsausschusses für eine Entlassung verhinderten verschiedene Gouverneure seine Freilassung. Er sitzt weiterhin in Haft.

Wer tiefer in die Geschichte der Manson-Familie eintauchen möchte, findet mehrere Dokumentationen bei Streamingdiensten. Netflix beleuchtet in „Chaos: Die Manson-Morde“ die Hintergründe der Verbrechen und die Wirkung der Gruppe. Die Serie „Making Manson“ bei Amazon Prime Video beschäftigt sich unter anderem mit Charles Mansons eigenen Aussagen und seinem Umfeld.

Quellen: CNN, CBS News, BBC, „People“