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Unfall, Überfall, MordDiese 7 Schlager-Tragödien sind bis heute unfassbar

Lesezeit 10 Minuten
Roger Whittaker winkt ins Publikum.

Roger Whittaker musste einen schweren Schicksalsschlag in seiner Familie verkraften. (Archivbild von 2012)

Von Rex Gildo über Roy Black bis hin zu Alexandra: Das Schicksal dieser Schlagerstars bewegt die Menschen noch heute. Wir haben die 7 größten Schlager-Tragödien für Sie.

Schlagermusik begeistert seit Jahrzehnten Millionen von Fans. Doch immer wieder erschüttern Tragödien die nicht immer heile Welt des Schlagers. Ob Suizid, Unfall, Alkoholmissbrauch oder gar Mord – das Unglück trifft nicht nur die betroffenen Künstler selbst, sondern manchmal auch deren Umfeld. Wir blicken zurück auf sieben besonders tragische Schicksale aus der Welt des Schlagers.


Roger Whittaker: Ein brutaler Überfall nahm ihm seinen Vater und traumatisierte seine Mutter

Mehr als 500 Songs hatte Roger Whittaker im Laufe seines Lebens geschrieben, rund 100 Alben veröffentlicht und gut 55 Millionen Tonträger verkauft. Whittaker, der mit Songs wie „The Last Farewell“ oder „I Don't Believe in If Anymore“ zunächst international und dann auch mit deutschsprachigen Hits wie „Abschied ist ein scharfes Schwert“ und „Albany“ zum Superstar wurde, war bis zu seinem Tod im September 2023 von einem familiären Vorfall belastet.

Am Morgen drangen zwei Unbekannte in das Haus der Familie Whittaker in der Nähe von Nairobi, Kenia, ein. Sie fesselten und knebelten den Vater, Edward Whittacker, so fest, dass er erstickte. Die Täter packten Roger Whittakers Mutter, bedrohten sie mit einem Messer und forderten Geld, da sie offenbar wussten, dass die Familie finanziell gut gestellt war. Die Mutter hatte jedoch nur Kleingeld bei sich. Stundenlang wurde sie gefesselt festgehalten, bis die Täter das Haus verließen. Roger Whittaker flog nach Afrika, um seine Mutter nach Irland zu holen. In späteren Interviews mied er das Thema.

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Kastelruther Spatzen: Der Tod von Manager Karlheinz Gross – War es Mord?

Am regnerischen Abend des 6. März 1998, gegen 18.17 Uhr, entdeckte ein LKW-Fahrer Karlheinz Gross, den Bruder von Albin Gross, dem Keyboarder und Akkordeonisten der Kastelruther Spatzen, schwer verletzt auf einem Weg in einem Gewerbegebiet auf der Steinkopfinsel in Magdeburg. Karlheinz Gross war zu diesem Zeitpunkt Manager der erfolgreichen Volksmusikgruppe. Trotz einer Notoperation in der Universitätsklinik erlag der 38-jährige Gross kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen.

Bis heute ist der genaue Hergang seines Todes ungeklärt. Die „Soko Spatzen“ ermittelte sowohl wegen eines möglichen Unfalls als auch wegen Mordes als Todesursache. Ein Raubmord wurde jedoch ausgeschlossen, da Gross noch 7000 DM und wertvollen Schmuck bei sich trug. In den Jahren 2005 und 2008 wurden Fernsehdokumentationen über den Fall ausgestrahlt. Auch mehrmalige Wiederholungen brachten keine konkreten Hinweise oder Lösungen.

Albin Gross, der noch immer auf Aufklärung hofft, sagte im vergangenen Jahr der „StadlPost“: „Ich habe alle Ermittlungsakten gelesen, 18 Ordner, aber ich kann mir nichts anderes vorstellen. Ich komme einfach nicht weg von der Werkstatt. Aber den Mitarbeitern der Werkstatt konnte nichts nachgewiesen werden.“ Im März 2023 jährt sich der mysteriöse Todesfall zum 25. Mal. Die Familie von Karlheinz Gross hat 25.000 Euro als Belohnung für neue Hinweise ausgesetzt. Der Fall gehört zu den bekanntesten Cold Cases Deutschlands.


Renate Kern: Suizid nach nachlassendem Erfolg

Sie hatte eine dunkle, melancholische Stimme, und doch wurde die Schlagersängerin Renate Kern in den 1960er Jahren mit Stimmungshits wie „Lieber mal weinen im Glück“, „Du musst mit den Wimpern klimpern“ oder „Lass doch den Sonnenschein“ zum Star. Während diese Lieder inhaltlich flach waren, konnte sie auf ihren Alben zeigen, dass sie es besser kann. Ihr Produzent Kai Warner, Bruder von James Last, arrangierte für sie auf der LP „Meine Welt ist schön“ Chansons neben internationalen Popsongs und Easy-Listening-Stücken. Später schrieb sie auch eigene Lieder.

Bis Anfang der 1970er Jahre war sie in den Hitparaden vertreten, dann folgte ein Karriereknick. Anfang der 80er Jahre versuchte sie ein Comeback. Musikalisch vollzog sie eine 180-Grad-Wende zur Country-Musik, feierte als Nancy Wood Achtungserfolge in den US-Country-Charts („Imagine That“) und blieb dem Genre bis an ihr Lebensende mit einigen Alben treu. 

Renate Kern wurde am 18. Februar 1991 tot auf dem Dachboden ihres Hauses in Wildeshausen aufgefunden. Sie war kurz zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Eine Suizidgefahr war nicht erkennbar. Kern wurde nur 46 Jahre alt. Ihr letztes Konzert gab sie am Tag der Deutschen Einheit 1990 in Chemnitz.

1998 erschien der Dokumentarfilm „Und vor mir die Sterne ...“, der Kerns Leben und Karriere auf bewegende Weise nachzeichnet. Der Moderator Dieter Thomas Heck berichtet darin, dass Kerns Wunsch, eine deutsche Piaf zu werden, abgelehnt wurde, weil man schon eine Mireille Mathieu habe und Kern nur als optimistische „Wimpernklimperin“ brauche. Allerdings, so die Filmemacher gegenüber der „taz“, hätte man auch einige Aspekte in der Doku weggelassen, die die Tragödie noch unerträglicher gemacht hätten: die Millionenschulden, den Druck einer Sekte, in die Kern geraten war, und die Probleme, die dadurch auf ihrer Ehe lasteten. Auf dem Rostocker Friedhof steht auf dem Grabstein ihr bürgerlicher Name, Renate Hildebrandt – und der Titel eines ihrer Lieder: „Alle Blumen brauchen Sonne“.


Roy Black: Der einsame Tod in einer abgelegenen Fischerhütte

Er war einer der größten Schlagerstars der 60er und 70er Jahre. Hits wie „Ganz in Weiß“ (1965), „Dein schönstes Geschenk“ (1969), „Schön ist es auf der Welt zu sein“ (1971) oder „Sand in deinen Augen“ (1977) machten Roy Black für viele Schlagerfans unsterblich. Roy Black sang in seinen Liedern von Liebe und Romantik, doch in seinem Inneren herrschten Dunkelheit und Einsamkeit. Eigentlich kam er vom Rock'n'Roll, nahm zunächst Beatplatten auf und ließ sich dann auf Schnulzen und Herzschmerz ein. Noch Jahre später trauerte er der Rockmusik nach.

Roy Black wurde nur 48 Jahre alt. Sein Bruder Walter Höllerich fand den Sänger, der gerade in der RTL-Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“ ein Comeback feierte, am 9. Oktober 1991 tot in seiner Fischerhütte. Dorthin hatte er sich zurückgezogen, wenn er Ruhe suchte. Der Stress der Fernsehauftritte und der Mangel an Privatsphäre waren dem Frauenschwarm oft zu viel geworden. Black sei aber weder depressiv gewesen, noch habe er Drogen genommen, betonte sein Bruder in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“. „Das hätte ich gemerkt.“

Bis heute wird in den Medien darüber spekuliert, ob es sich um einen Suizid handelte oder ob Alkohol oder Medikamente die Ursache waren. Da die Staatsanwaltschaft kein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben hat, wird dies wohl nie ganz geklärt werden.

Nach seinem Tod verkauften sich Roy Blacks Platten so gut wie seit den 60er Jahren nicht mehr. Sein letztes Album „Rosenzeit“ erreichte Platz 5 der Charts und wurde mit Platin ausgezeichnet. Black wurde unter seinem bürgerlichen Namen Gerhard Höllerich in seinem Geburtsort Straßberg bei Augsburg beigesetzt. Das Grab ist zu einer Pilgerstätte für seine Fans geworden. Jährlich finden Gedenkfeiern in Augsburg, Bobingen oder Straßberg statt. Seine Witwe Silke Höllerich starb 2002 an einer Überdosis Schlaftabletten. Blacks einziger Sohn Torsten lebt heute laut der „tz“ mit Frau und Kind in bescheidenen Verhältnissen in Kolumbien.


Ibo: Tragischer Unfall reißt Schlagerstar mit 39 aus dem Leben

Ibo war einer der bekanntesten und beliebtesten Schlagersänger der 80er Jahre. Seine Lieder wie „Ibiza“, „Du oder keine“, „Alter Schwede“ und „Bungalow in Santa Nirgendwo“ waren sehr populär und stürmten die Hitparaden. 1996 nahm Ibo mit „Der liebe Gott ist ganz begeistert“ auch an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil und belegte unter zehn Teilnehmern den fünften Platz.

Am 18. November 2000 war Ibo wie so oft auf dem Rückweg von einem seiner vielen umjubelten Konzerte. Kurz zuvor war sein Album „Ich zuerst“ erschienen, die aktuelle Single „Ratzfatz Nach Mallorca“ lief bereits erfolgreich im Radio. Auf der Landstraße bei Linz sei ein Lkw ins Schleudern geraten und gegen den VW des Sängers geprallt, meldete damals die österreichische Nachrichtenagentur APA. Für den erst 39-jährigen Ibo am Steuer seines Wagens kam jede Hilfe zu spät, er starb noch an der Unfallstelle. Sein Mitfahrer überlebte schwer verletzt. Der Fahrer des Lastwagens blieb unverletzt. Die Schlagerwelt und seine Fans waren schockiert über den plötzlichen Tod des Schlageridols. Ibo hinterließ eine Frau und zwei Kinder.


Rex Gildo: Das traurige Schicksal eines großen Entertainers

Er war einer der größten Schlagerstars der 1960er und 1970er Jahre, und um sein trauriges Ende ranken sich bis heute Mythen: Die Musiklegende Rex Gildo († 1999, „Fiesta Mexicana“) hatte Millionen von Platten verkauft, doch in den 1980er Jahren ging es mit seiner Karriere bergab. Er war gezwungen, in Möbelhäusern zu singen oder andere Engagements anzunehmen, die weit unter seinem Talent lagen. Ende der 80er Jahre trafen ihn zwei schwere Schicksalsschläge. Sein in den USA lebender Bruder Siegfried starb 1988 unerwartet an einem Herzinfarkt. Im selben Jahr verstarb auch Gildos langjähriger Manager Fred Miekley. In den folgenden Jahren übernahm er, ähnlich wie Roy Black, unzählige Auftritte, die ihn an den Rand des Burnouts brachten. Doch die Show musste weitergehen, denn die Fans erwarteten den stets gut gelaunten braungebrannten Sunnyboy.

Am 23. Oktober 1999 sprang Rex Gildo in München aus dem Badezimmerfenster im zweiten Stock der Wohnung eines Bekannten und zog sich dabei mehrere Knochenbrüche zu. Kurz vor dem Sprung hatte der in der Wohnung anwesende Freund des Sängers den Notarzt gerufen, weil Gildo offenbar unter psychischen Problemen litt. Der Schlagerstar starb später im Krankenhaus. Seine engsten Freunde glauben bis heute, dass der Sprung aus dem Fenster ein Unfall und kein Suizid war.

Seine Witwe und sein Privatsekretär stritten sich im folgenden Jahr um das Erbe des Sängers. Da hatte Rex Gildo bereits seine letzte Ruhestätte auf dem Münchner Ostfriedhof gefunden – unter seinem bürgerlichen Namen L. F. (für Ludwig Franz) Hirtreiter, neben Fred Miekley. 20 Jahre später wurde dort auch seine Frau Marion bestattet.

Rosa von Praunheims Filmbiografie über Rex Gildo, die im Oktober 2022 in die Kinos kam, konzentriert sich leider weniger auf die schillernde Schlagerkarriere von Rex Gildo als auf seine privaten Tragödien und die bis heute nicht bewiesene Homosexualität des Künstlers. Ein Umstand, der Fans und enge Freunde des Schlagerstars erzürnte. „Ich finde diesen Film so unwürdig. Es geht ausschließlich um die sexuelle Orientierung und nicht um das Lebenswerk von Rex, das so vielen Menschen Freude bereitet hat“, schimpfte seine langjährige enge Freundin Margret Schülke gegenüber der „Bild“-Zeitung. Dass der Film an den Kinokassen floppte, dürfte sie gefreut haben.


Alexandra: Chansonstar mit unglaublicher Stimme verunglückte bei einem Autounfall und zog in den „Klub 27“

Mit ihren melancholischen Liedern wie „Sehnsucht“, „Zigeunerjunge“ oder „Illusionen“ und ihrer unverwechselbaren, tiefen wie traurigen Stimme gilt Alexandra Ende der 1960er Jahre als große Hoffnung der Chanson- und Schlagerwelt. In nur drei Jahren hat sie sich eine große Karriere aufgebaut, doch viele prophezeien ihr, dass dies erst der Anfang sei und die bevorstehenden 1970er Jahre ihr Jahrzehnt werden würden.

Doch zuvor will sich die Sängerin erholen, die letzten Jahre hat sie quasi durchgearbeitet. Zusammen mit ihrer Mutter Wally und ihrem Sohn Alexander fährt sie am Abend des 30. Juli 1969 mit dem Autoreisezug von München nach Hamburg. Von dort wollen sie mit ihrem generalüberholten Mercedes nach Sylt weiterfahren. An einer unübersichtlichen Kreuzung in Tellingstedt prallt ein Lastwagen auf den Wagen und drängt ihn von der Fahrbahn. Vermutlich hat die Sängerin ein Stoppschild übersehen. Alexandra stirbt noch an der Unfallstelle, ihre Mutter wenig später im Krankenhaus in Heide. Nur der damals sechsjährige Sohn Alexander überlebt leicht verletzt auf dem Rücksitz. Die Beerdigung findet am 5. August in München statt. Die Unfallstelle wird zur Pilgerstätte, Fans legen Blumen nieder.

Um Alexandras Unfalltod ranken sich bis heute Mythen, zu denen auch ihr Verhalten im Vorfeld beigetragen hat. Nur wenige Tage vor dem Unfall änderte die Künstlerin ihr Testament, erhöhte ihre Lebensversicherung, zahlte das Schulgeld ihres Sohnes für ein Jahr im Voraus und kaufte ein Familiengrab. Diese und viele andere Begebenheiten und Enthüllungen hat der Autor Marc Böttcher in einem Buch und einer ebenso spannenden Dokumentation verarbeitet.

Alexandra bleibt unvergessen: In Hamburg erinnert seit 2006 der „Alexandra-Stieg“ an die Sängerin. Im Jahr 2009 folgte der Alexandraplatz in Kiel. An der Unfallstelle in Tellingstedt steht ein Gedenkstein, jährlich finden Gedenkfeiern statt. Schlagerfans nennen Alexandra auch gerne im Zusammenhang mit dem „Klub 27“, dem legendären Kreis von Musikern, die alle im Alter von 27 Jahren viel zu früh starben.

Hier gibt es Hilfe

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern: Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste: 0800/111 0 111 (ev.); 0800/111 0 222 (rk.); 0800/111 0 333 (für Kinder/Jugendliche); per E-Mail unter www.telefonseelsorge.de

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