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„Shame on you, Sparkasse“
Maßnahme gegen Obdachlose sorgt für Diskussionen

Ein Obdachloser schläft im Vorraum einer Filiale der Deutschen Bank in Köln (Symbolbild)

Ein Obdachloser schläft im Vorraum einer Filiale der Deutschen Bank in Köln (Symbolbild)

Um Obdachlose fernzuhalten, greifen Städte und Unternehmen zu unterschiedlichen Mitteln. Die Maßnahme einer Sparkasse in München erhitzt die Gemüter.

Es gibt immer mehr wohnungslose Menschen in den deutschen Städten, und abends sind viele von ihnen auf der Suche nach geeigneten Schlafplätzen. Nicht für alle gibt es Raum in Unterkünften, und einige möchten aus unterschiedlichsten Gründen auch gar nicht in eine solche Einrichtung. Besonders im Winter ist die Lage angespannt, droht doch beim Übernachten in der Kälte der Tod. Geschützte Schlafplätze in U-Bahnhöfen, Foyers oder auch Geschäftseingängen sind begehrt.

Das stößt verständlicherweise nicht auf Begeisterung bei Inhabern, denn die Folgen sind häufig Schmutz und Müll. Viele Kommunen und Unternehmen versuchen daher, mit baulichen Maßnahmen möglichst unattraktiv für Wohnungslose zu werden, was nicht selten zu Kritik führt. Die Lösung einer Sparkasse in München löst derzeit in den sozialen Netzwerken Diskussionen aus. Ronen Steinke, Journalist der „Süddeutschen Zeitung“, postete das Foto eines Sparkassen-Foyers bei Twitter.  

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Hier wurden im Raum bei den Geldautomaten Reihen von Metallzacken auf einem Gitter angebracht, um zu verhindern, dass man sich dort hinlegen kann. Steinke schreibt dazu „Shame on you, Sparkasse München“. Viele User teilen seine Empörung über diese Maßnahme, die im Zweifel sogar zu Verletzungen auch bei anderen Beteiligten führen kann. Man sollte lieber Obdachlosigkeit bekämpfen als die Obdachlosen, meinen einige.

Jemand anders zeigt ein Foto eines Görtz-Schuhhauses, in dessen Eingangsbereich man sogar Nagelbretter gelegt hat. „Wie herzlos muss man doch sein, um so etwas zu entwerfen“, heißt es in einem anderen Kommentar. Andere wiederum äußern Verständnis für private Unternehmen, die ihren Bereich vor ungebetenen Gästen schützen wollen.

Sitzbank am Kölner Theo-Burauen Platz

Sitzbank am Kölner Theo-Burauen Platz

Das Phänomen der „defensive architecture“, also der „wehrhaften“ oder defensiven Architektur im öffentlichen Raum, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Immer wieder wird Verkehrsunternehmen oder Kommunen vorgeworfen, beispielsweise Bänke absichtlich so zu gestalten, dass man dort nicht ausgestreckt schlafen kann.

Diese Diskussion gab es in der Vergangenheit auch in Köln. So stellte die Stadt Bänke auf, bei denen die einzelnen Plätze durch Armlehnen getrennt sind. Auch in anderen Städten wie Berlin, wo den Verkehrsbetrieben BVG wegen ihres Bank-Designs eine menschenfeindliche Haltung vorgeworfen wurde, gibt es diese Konflikte. In Essen wurde im Sommer ebenfalls gestritten, als die Stadt Bänke mit Trennelementen aufstellte. Die Stadt verwies hier auf den erhöhten Komfort für ältere oder gehbehinderte Menschen.

Köln: Metallkante auf „Mäuerchen“ an Zülpicher Straße verschwindet wieder

Auch unter dem Begriff „hostile Design“ (feindliche Gestaltung) finden sich viele solcher Beispiele. Es muss sich nicht immer um Maßnahmen gegen Obdachlose handeln. Durch das Anbringen von Kanten oder Zacken kann auch verhindert werden, dass Skater Stufen oder Vorsprünge nutzen. Oft werden auf niedrigen Mauern Metallelemente angebracht, so dass man sich hier nicht niederlassen kann.

In Köln hatte die Universität dies auf dem „Mäuerchen“ an der Zülpicher Straße versucht, wo sich bei gutem Wetter regelmäßig zahllose Menschen zum Feiern treffen.  Nach Protesten wurde die Metallkante aber wieder abgebaut.

Nicht immer richten sich die baulichen Abwehrmaßnahmen allerdings gegen Menschen: Ein Klassiker sind Zacken oder Spießer, die Vögel und ihre Exkremente abhalten sollen.

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