Ihre Großmutter starb an Demenz. Nun läuft Sandy Wolf 1000 Kilometer zu ihrem Grab, um Spenden für die Forschung zu sammeln.
Von NRW nach WalesSandy Wolf läuft 1000 km gegen das Vergessen

Sandy Wolf läuft 1000 Kilometer gegen das Vergessen: Sie sammelt dabei Spenden für die Demenzforschung.
Copyright: Sandy Wolf
Von Deutschland nach Wales: Sandy Wolf will rund 1000 Kilometer zu Fuß zurücklegen. Mit ihrem Lauf erinnert die Extremwanderin aus Haltern am See an ihre Großmutter, die in Wales lebte und an Demenz starb. Zugleich sammelt sie Spenden für die Demenzforschung.
In Memoriam – 1000 Kilometer bis zum Grab ihrer Großmutter
Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich und England hat Sandy Wolf bereits durchquert. Täglich legt sie meist 45 bis 50 Kilometer zurück. Zum Zeitpunkt des Gesprächs ist sie in England unterwegs, ihr Ziel ist Wales.
Die Reise dokumentiert Wolf auf Instagram. Ihren rund 4000 Followern zeigt sie die schönen Momente, aber auch die schwierigen: schmerzende Füße und Beine, die tägliche Suche nach einer Unterkunft oder Tage, an denen die Stimmung nicht mitspielt.
Die Idee für den Lauf entstand in den Sommerferien. Wolf hatte drei Wochen frei und wollte eine besonders lange Strecke zurücklegen. Als sie den Lauf mit der Geschichte ihrer Großmutter verband, war ihr Ziel klar: „Ich laufe nach Wales und mache das für die Demenzforschung.“
10.000 Euro für die Demenzforschung
Über ihre sozialen Medien macht Wolf auch auf ihre Spendenaktion für die Alzheimer Forschung Initiative e.V. aufmerksam. Ihr Ziel sind 10.000 Euro. Zum Zeitpunkt des Interviews waren rund 1850 Euro zusammengekommen. „Das Geld wird auch direkt dahin gespendet“, sagt Wolf. Es laufe „nicht erst auf mein Konto oder sowas“.

Bis nach London und noch weiter: Wolf durchquert fünf Länder auf ihrer Reise.
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Mit der bisherigen Summe ist sie trotz vieler positiver Rückmeldungen nicht ganz zufrieden. „Es kommen oft große Spenden rein, aber selten kleinere“, erzählt Wolf, die gehofft hatte, dass mehr Leute bereit wären, kleine Beträge, wie fünf Euro zu spenden.
Auch Betroffene schöpfen Hoffnung durch den Spendenlauf
Die meisten Spenden kämen von Betroffenen. Sie erzählt von vielen Nachrichten, die sie erreichen, die Mut und Hoffnung aus ihrem Engagement schöpfen: „Ich hab so viele tolle Nachrichten bekommen von Menschen, die selber betroffen sind, die Angehörige haben, die Demenz haben und die mir dann sagen, dass ich ihnen Mut mache.“
Aus diesen Nachrichten, so Wolf, schöpfe sie die meiste Kraft, auch in Momenten, in denen es ihr schwer fiele, den nächsten Schritt zu machen. Und das, obwohl die Voraussetzungen für den Extrem-Lauf alles andere als optimal waren.
Trotz Verletzung an der Startlinie
Acht Wochen vor dem Start verletzte sich Wolf bei einem 48-Stunden-Lauf in Unna an der Leiste. Bis eine Woche vor dem Start hatte sie Schmerzen, wenn sie schneller lief. Trainieren konnte sie deshalb kaum. „Ich bin dann dementsprechend kalt in dieses Projekt reingestartet“, sagt sie.

Trotz schwerer Beine ist Wolf glücklich und dankbar für jeden Schritt.
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Aufgeben kam für sie dennoch nicht infrage. „Da gab es niemals Zweifel, dass ich an die Startlinie gehen würde.“ Zunächst ging Wolf ausschließlich. Inzwischen läuft sie zwischendurch kurze Passagen – und hat dabei keine Beschwerden mehr.
Schlafplatzsuche am Morgen
Vieles an der Reise wurde erst kurzfristig organisiert. Die Strecke plante Wolf etwa vier Wochen vor dem Start mit Komoot. Sponsoren suchte sie erst in den letzten beiden Wochen. „Ich bin nicht unbedingt die Organisation, das Organisationstalent“, sagt sie. Einige Partner aus ihrer Heimat unterstützten das Projekt dennoch: „Ich habe ein paar tolle Partner bekommen, durfte meinen Tank zum Beispiel einmal vorher füllen.“
Auch feste Unterkünfte gibt es nicht. Jeden Morgen schreiben Wolf und ihre Begleitung Campingplätze, Fußballvereine oder Pfadfindergruppen an und fragen, ob sie am Abend ihr Zelt aufschlagen dürfen. Bis auf zwei Nächte in London konnte sie bisher immer kostenlos übernachten. Einmal in einem Privatgarten, zuletzt beim Binfield FC in England: „Da haben wir in der Kabine schlafen dürfen.“

Wolf mit ihrer Freundin Tanja, die sie für die erste Hälfte der Reise mit einem Auto begleitet hat.
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Begleitet wird Wolf von einem Auto. Zunächst übernahm eine Freundin die Unterstützung, inzwischen ist ihr Partner dabei. Die Begleitung transportiert Zelt und Vorräte, organisiert die Verpflegung und sucht nach Übernachtungsmöglichkeiten. Etwa alle 15 bis 20 Kilometer kann Wolf Essen und Getränke aufnehmen.
„Ganz viel Menschlichkeit“
Die improvisierte Suche nach Schlafplätzen bringt Wolf immer wieder mit fremden Menschen zusammen. Auf Bauernhöfen habe ihre Begleitung Wasser angeboten bekommen. „Ganz viel Menschlichkeit durften wir hier erleben“, sagt sie.
Trotz der Belastung wirkt Wolf im Gespräch auffallend beseelt und glücklich. Sie erzählt mit großer Freude von den Landschaften und den Begegnungen unterwegs. „Ich gucke mich um und freue mich und bin einfach glücklich, dass ich losgelaufen bin.“
Ganz ohne schwierige Momente bleibt die Reise nicht. Im ersten Drittel machten Wolf Blasen an den Füßen zu schaffen. „Morgens loszugehen war nie ein Problem, aber zum Abend hin hat man dann gedacht, boah.“ Kraft geben ihr die Nachrichten aus der Heimat und von Menschen, die ihr Projekt verfolgen. „Wenn ich so eine Nachricht bekomme, dann fliege ich erst mal die nächsten zwei, drei Kilometer.“
Noch liegen einige Kilometer bis Wales vor Sandy Wolf. Warum sie die Strecke trotz aller Anstrengungen weitergeht, sagt sie selbst am klarsten: „Es ist halt eine Herzensangelegenheit.“
