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Magmatunnel nahe OberflächeVulkanausbruch in Island steht bevor – Erdspalte in Grindavík vergrößert sich

Lesezeit 3 Minuten
Auf der Reykjanes-Halbinsel kommt es seit Monaten zu Vulkanausbrüchen. Geologen fürchten, dass ein großer Magmatunnel unter dem Ort Grindavík ausbrechen könnte. Sie rechnen mit dem größten Vulkanausbruch seit 50 Jahren. (Archivbild)

Auf der Reykjanes-Halbinsel kommt es seit Monaten zu Vulkanausbrüchen. Geologen fürchten, dass ein großer Magmatunnel unter dem Ort Grindavík ausbrechen könnte. Sie rechnen mit dem größten Vulkanausbruch seit 50 Jahren. (Archivbild)

Ein Vulkanausbruch auf Island könnte unmittelbar bevorstehen. Ein Magmatunnel reißt die Erdoberfläche in Grindavík meterweit auf.

Der Ausbruch eines Vulkans auf der Reykjanes-Halbinsel auf Island steht unmittelbar bevor. Die Gefahr eines drohenden Ausbruchs sei weiterhin groß, teilte der isländische Wetterdienst am Mittwoch mit. Seit Mitternacht habe es etwa 1100 Erdbeben gegeben, die meisten davon entlang des etwa zwölf Kilometer langen Magmatunnels bei Grindavík.

In Grindavík haben sich weitere große Risse an der Erdoberfläche gebildet, die sich durch den ganzen Ort im Südwesten Islands ziehen. Geologen beobachten zudem eine sogenannte Doline, ein großer Erdspalt, der sich in Grindavík aufgetan hat. Forscher hatten von einer „Katastrophe“ gesprochen, sollte der Vulkan auf Island unter dem Ort ausbrechen.

Vulkanausbruch auf Island steht kurz bevor: Forscher warnen vor verheerender Katastrophe

Geophysiker Freysteinn Sigmundsson sagte dem isländischen Fernsehsender Rás 2, schon jetzt sei die seismische Aktivität mit Tausenden Erdbeben entlang des Magmatunnels „die größte Naturkatastrophe seit 50 Jahren“. 1973 war auf den Vestmannaeyjar, einer Inselgruppe südlich von Island, der Eldfell ausgebrochen und hatte 100 Kubikmeter Lava pro Sekunde aus einem Erdspalt gespuckt.

Benedikt Ófeigsson vom isländischen Wetterdienst erklärte dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RÚV, in Grindavík sei eine deutlich erhöhte Menge an Schwefeldioxid in der Luft festgestellt worden. Ófeigsson sagte: „Wir schätzen, dass sich der Magmatunnel mittlerweile nur noch 500 Meter unter der Erdoberfläche befindet. Ein Zeichen dafür, dass ein Ausbruch bald bevorsteht.“

Grindavík: Magmatunnel nähert sich Erdoberfläche – riesiges Erdloch entdeckt

Der zwölf Kilometer lange Magmatunnel führt von Sundhnúk, einer Reihe von Kratern nördlich von Grindavík, in südwestlicher Richtung zum Atlantischen Ozean. Am Freitag (10. November) hatte es erstmals eine Reihe von Erdbeben gegeben, kurz darauf war der Ort Grindavík mit etwas mehr als 3600 Einwohnern evakuiert worden.

Die Bewohner wurden in den vergangenen Tagen nur kurz in den Ort gelassen, um Habseligkeiten oder Haustiere zu holen. Am Donnerstagabend fiel in Grindavík teilweise der Strom aus. Der Bürgermeister erklärte, das Reparieren der Schäden könne Monate andauern.

Eine Eruption an Land wird immer wahrscheinlicher, bereits durch die Erdbeben wurden Wasserleitungen beschädigt. „Eine Eruption in Grindavík wäre eine Katastrophe“, erklärte der Geologe Ármann Höskuldsson dem Radiosender RÚV.

Vulkanausbruch auf Island: Magmatunnel könnte im Atlantik ausbrechen – Große Aschewolke befürchtet

Eine weitere Möglichkeit wäre eine sogenannte Ejektion im Atlantik. Bei einem Ausbruch unter Wasser würden große Mengen an Asche und Gestein freigesetzt. Meteorologen rechnen damit, dass die Aschewolke die Luft über Island stark verschmutzen würde, die Wolke könnte auch auf das europäische Festland ziehen.

Große Auswirkungen auf den Flugverkehr, wie etwa beim Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010, werden allerdings nicht vermutet. Ausbrüche von Unterwasservulkanen können weltweit große Auswirkungen haben. Der Ausbruch eines Vulkans im Pazifikstaat Tonga im Jahr 2022 löste eine Druckwelle aus, die sogar in Köln messbar war.

Vulkanausbruch Island: Kilometerlanger Magmatunnel verursacht Tausende Erdbeben

Das Magma hat sich in den vergangenen zwei Tagen schätzungsweise etwa 300 Meter weiter an die Erdoberfläche bewegt. Das erklärt nicht nur den erhöhten Schwefeldioxidgehalt in der Luft, sondern auch die immer breiter werdenden Risse in der Erdoberfläche. Einsatzkräfte schütteten am nahegelegenen Kraftwerk Svartsengi Erde auf, um die Anlage vor möglichen Lavaströmen zu schützen.

Die Erdbeben der vergangenen Tage sind die Folge von seismischen Aktivitäten im Jahr 2019 am Berg Porbjörn. Durch ihn sind insgesamt vier Magmatunnel entstanden, die den Geologen Sorgen bereiten. Drei der Tunnel sind in den vergangenen Jahren bereits auf der Reykjanes-Halbinsel ausgebrochen. Die Eruptionen waren allerdings nicht so stark wie die nun befürchtete. Der vierte Tunnel unter Grindavík könnte den verheerendsten Vulkanausbruch in Island seit 50 Jahren auslösen. (shh)

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