Neue Unterwasseraufnahmen des toten Buckelwals „Timmy“ zeigen tiefe Wunden. Sie belasten die Verantwortlichen der Rettungsaktion schwer.
Rabiate UmständeNeue Bilder von Wal „Timmy“ werfen viele Fragen auf

Der tote Buckelwal liegt aufgebläht vor der dänischen Insel Anholt (Standbild aus einem Video). Nach erfolglosen Transportversuchen bleibt der Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals voraussichtlich über Pfingsten vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt liegen.
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Nach dem Tod des Buckelwals „Timmy“ vor der dänischen Insel Anholt werfen neue Unterwasseraufnahmen Fragen auf. Das Bildmaterial, das laut einem Artikel der „Bild“-Zeitung von einem Social-Media-Aktivisten und einem Taucher dokumentiert wurde, zeigt erhebliche Verletzungen an dem Kadaver, die die Debatte um die missglückte Rettungsaktion der vergangenen Wochen neu entfachen.
Besonders auffällig sind tiefe, längliche Einkerbungen im Bereich der Schwanzflosse (Fluke). Da diese Stellen im Gegensatz zum restlichen Körper frei von Algenbewuchs oder Verfärbungen sind, wird davon ausgegangen, dass die Verletzungen frisch vor dem Tod entstanden sind. Fachleute wie der Walexperte Fabian Ritter vermuten, dass die Einschnitte von Seilen stammen könnten.
Anholt: Dramatische Szenen bei der Befreiung
Die Aufnahmen rücken den Ablauf der Rettungsaktion vom Anfang Mai wieder in den Fokus. Am 1. Mai scheiterte zunächst der Versuch einer privaten Initiative, den Wal mithilfe von Leinen und einem kleinen Motorboot aus einer Transportbarke in die Nordsee zu bewegen. Drohnenaufnahmen dokumentierten hektische Manöver.

„Timmy“ oder „Hope“ liegt vor der dänischen Insel Anholt. (Bild vom 15. Mai 2026)
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Am Folgetag, dem 2. Mai, wurde das Tier schließlich freigelassen – offenbar unter rabiaten Umständen. Nach Angaben von Jeffrey Foster, einem Mitglied des Rettungsteams, wurde der Wal an der Fluke fixiert, während ein Schlepper die Barke mit spürbarer Geschwindigkeit wegzog. Der Wal sei so gewaltsam ins offene Meer gezogen worden.
Die beteiligte Reederei bestätigte den Vorgang laut „Bild“ in einem Anwaltschreiben im Kern, verwies jedoch darauf, dass die Aktion mit der Einsatzleitung abgesprochen gewesen sei. Die finanzielle Unterstützerin der Mission, Karin Walter-Mommert, widersprach dieser Darstellung und gab an, den Versuch am Vortag genau wegen solcher Maßnahmen abgebrochen zu haben.

„Timmy“ oder „Hope“ liegt vor der dänischen Insel Anholt. (Bild vom 17. Mai 2026)
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Am 14. Mai wurde das Tier schließlich leblos vor Anholt entdeckt. Two Tage später folgte die Gewissheit, dass es sich um „Timmy“ handelt.
Rätsel um Verletzung an der Flanke
Die neuen Bilder liefern auch Antworten auf bisher ungeklärte Fragen. So bestätigen die Aufnahmen aus dem Maulbereich des Wals, dass sich dort – anders als bei der ersten Strandung in Niendorf – keine Reste von Fischernetzen mehr befanden.
Dafür wirft eine andere Entdeckung neue Fragen auf: Die Unterwasseraufnahmen zeigen eine massive Deformierung an der Flanke des Tieres. Diese Verletzung war während des Aufenthalts in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht beobachtet worden. Es steht der Verdacht im Raum, dass der Wal von einem Schiff gerammt wurde.
Klarheit über die genaue Todesursache des weiblichen Tieres soll eine pathologische Untersuchung bringen. Der Transport des stark aufgeblähten Kadavers in die dänische Hafenstadt Grenaa gestaltete sich jedoch schwierig. Mehrere Versuche, das Tier von einer Sandbank zu bergen, mussten ergebnislos abgebrochen werden. Die dänischen Behörden planen nun einen weiteren Bergungsversuch für die Tage nach Pfingsten.
