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Kampf der MeeresgigantenWie zwei Orca-Brüder am Kap Weiße Haie terrorisieren

In Südafrika stranden Weiße Haie mit herausgerissener Leber. Forscher identifizieren zwei Orca-Brüder als Täter.

Killerwale (Orcas) stehen in der Nahrungskette im Meer ganz oben. (Symbolbild)

Killerwale (Orcas) stehen in der Nahrungskette im Meer ganz oben. (Symbolbild)

Immer wieder werden an der Küste bei Kapstadt tote Weiße Haie angeschwemmt. Sie alle weisen dasselbe Verletzungsmuster auf. Ihr Bauch ist aufgerissen und ihre große, energiereiche Leber fehlt.

Was zunächst wie ein Rätsel wirkte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als gezielte Jagd – und als Zeichen eines Machtkampfes zwischen den beiden größten Räubern der Meere.

Vor der Küste Südafrikas: Orca-Brüder jagen Weiße Haie

Als im Mai 2017 der Kadaver eines gut eine Tonne schweren Weißen Hais bei Gansbaai nahe Kapstadt angeschwemmt wurde, wunderten sich die Wissenschaftler über eine klaffende Wunde. Die rund 90 Kilogramm schwere und energiereiche Leber fehlte.

In den folgenden Monaten wurden weitere tote Weiße Haie mit denselben Verletzungen gefunden. „Wir fragten uns: Was zum Teufel hat das getan?“, erinnerte sich die Hai-Biologin Alison Towner von der Rhodes University gegenüber dem britischen TV-Sender „BBC“.

Orca-Brüder jagen Weiße Haie vor Südafrika

Der Verdacht fiel rasch auf die Orca-Männchen Port und Starboard, die seit 2015 an der Küste Südafrikas gesichtet wurden. Ihre charakteristisch umgeklappten Rückenflossen machten die Killerwale unverwechselbar.

Schon zuvor hatten Taucher tote Siebengillhaie mit herausgerissenen Lebern gefunden – jedes Mal, wenn die beiden Schwertwale in der Nähe auftauchten. Die einstige Hai-Hochburg vor Dyer Island, die Towner als „McDonald’s-Drive-In für Weiße Haie“ beschreibt, leerte sich plötzlich. „Nicht allmählich, sondern über Nacht“, sagte die Forscherin.

Orcas nutzen die sogenannte tonische Immobilität aus

Erst im Jahr 2022 lieferte eine Drohnenaufnahme den entscheidenden Beweis: Vor der Küste von Mossel Bay drückten Orcas einen Weißen Hai an die Oberfläche, drehten ihn auf die Seite und bissen ihm die Leber heraus. Ähnliche Szenen wurden im Golf von Kalifornien und vor der australischen Küste dokumentiert.

Die schlauen Jäger nutzen die sogenannte tonische Immobilität: Wenn Haie auf den Rücken gedreht werden, verfallen sie in eine vorübergehende Lähmung. So können die Orcas risikolos die nahrhafte Leber entnehmen, die bis zu 28 Prozent des Körpergewichts ausmacht.

Weißer Hai schwimmt im Meer.

Weiße Haie sind vor der Küste Südafrkas keine Seltenheit.

Orcas leben in engen Familienverbänden und geben ihre Jagdtechniken weiter. Weiße Haie dagegen sind Einzelgänger. „Schwertwale sind klar die wahren Apex-Prädatoren”, betonte die Orca-Forscherin Deborah Giles.

Die brutalen Attacken haben Folgen: So meiden viele Weiße Haie die Westküste Südafrikas und wandern ab. Durch Klimawandel und Umweltveränderungen kommen die beiden Spitzenprädatoren zudem häufiger miteinander in Kontakt.

Forscher warnen vor weitreichenden ökologischen Verschiebungen in den Ozeanen – ein stiller Machtkampf unter Wasser, der längst globale Dimensionen erreicht hat. (mbr)