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Aufgeben ist keine OptionDie spektakulärsten Fälle von Mordermittler Markus Weber

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Cold-Case-Ermittler Markus Weber in seinem Büro im Polizeipräsidium kurz vor seinem Abschied in den Ruhestand

Cold-Case-Ermittler Markus Weber in seinem Büro im Polizeipräsidium kurz vor seinem Abschied in den Ruhestand

Nach 45 Jahren im Dienst der Polizei geht Kölns bekanntester Ermittler, Markus Weber, in den Ruhestand. Im Gespräch mit „True Crime Köln“ blickt der Chef der Cold-Case-Ermittler zurück auf sein Polizeileben und seine spektakulärsten Fälle.

Aufgeben ist keine Option: Auch fast 35 Jahre nach der grausamen Tat suchen Ermittler der Kölner Polizei weiter nach dem Mörder der 16-jährigen Seckin Caglar. Nach der Schicht in einem Supermarkt wurde die Auszubildende am Abend auf dem Nachhauseweg überfallen, vergewaltigt und erwürgt. Sie war in Poll an der damaligen Haltestelle „Poll Autobahn“ aus der Straßenbahn gestiegen. Am nächsten Morgen fand ein Angehöriger ihre Leiche im Gebüsch unweit des Weges. Seitdem hofft die Familie darauf, dass der Mörder der fröhlichen, hilfsbereiten Jugendlichen gefasst wird. Der Leiter der zuständigen Ermittlungskommission, Markus Weber, hätte den Fall gerne noch vor dem Ende seiner Dienstzeit gelöst. Nun geht er nach 45 Dienstjahren in Pension.

Im Gespräch mit „True Crime Köln“ berichtet Markus Weber über seine spektakulärsten Fälle, zu denen der Mord an Seckin Caglar gehört. 1981 ist er zur Polizei gekommen, 1994 ging er zum Morddezernat und hat dort zahlreiche Mordkommissionen geleitet. Darunter sind einige sehr prominente Fälle wie das Attentat auf Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker oder der Nagelbombenanschlag in der Mülheimer Keupstraße. 2022 ist er Chef der Ermittlungsgruppe für Cold Cases geworden, die die Kölner Polizei neu gegründet hatte. Sogenannte Altfälle, die bislang nicht aufgeklärt werden konnten, sollten nicht mehr nebenher bearbeitet werden, sondern mit einer besonderen Intensität noch einmal aufgerollt werden.

Die neue Folge von „True Crime Köln“ hören:

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Der größte Erfolg des neuen Ermittler-Teams war die Aufklärung des sogenannten Karnevalsmordes. 35 Jahre nach der Tat konnte geklärt werden, wer Petra Nohl am Karnevalssamstag 1988 getötet hat. Das Kölner Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte ihr Mörder war. Seine Verurteilung war keinesfalls sicher. Wäre das Gericht zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich „nur“ um einen Totschlag gehandelt hätte, wäre der Angeklagte freigesprochen worden. Totschlag verjährt nach 20 Jahren. Markus Weber findet das falsch.

In dieser Folge von „True Crime Köln“ berichtet Markus Weber auch von den Entwicklungen, die über Jahrzehnte die Arbeit der Polizei verändert haben. Der Umgang mit den vielen Daten, die Menschen überall und zu fast jeder Zeit hinterlassen, ist offenbar sowohl Fluch als auch Segen. Die Auswertung einer großen Menge an Daten kann zu neuen Erkenntnissen führen, bedeutet aber auch einen außerordentlichen Aufwand.

Was macht das mit einem Menschen, der sich jahrzehntelang mit schweren Verbrechen beschäftigt? Weber glaubt, dass ihn der tägliche Umgang mit Opfern von Gewalt und nicht selten brutalen Tätern  kaum verändert hat. Den Glauben an das Gute im Menschen habe er nicht verloren. 

Mit alten Fahndungsplakaten an der Wand des Büros und des Aktenschranks motivieren sich Kölns Cold Case Ermittler

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Zu mehreren Fällen, für die Markus Weber als Ermittler zuständig war, findet man bereits eine Episode von „True Crime Köln“. Die spektakuläre Aufklärung des Cold Cases aus dem Jahr 1988, als Petra Nohl am Karnevalssamstag ermordet wurde, war bereits zweimal Thema. In der Folge „Urteil im Karnevalsmord-Prozess: Petra Nohls Tochter über ein Leben in Angst“ kann man ein beeindruckendes Interview mit der Tochter des Opfers hören.

Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge von True Crime Köln

Die „True Crime Köln“-Folge über den Nagelbombenanschlag in der Keupstraße hat den Titel „Eine Straße unter Generalverdacht“. Besonders ausführlich hat sich die Podcastreihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit dem Anschlag auf Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker befasst. Da findet man im Netz die siebenteilige, mit dem Theodor-Wolf-Preis belohnte Podcastreihe „Attentat am Blumenstadt“.