Der Prozess nach dem Verschwinden einer 33-jährigen Philippina in Köln um einen Mord ohne Leiche gehört zu den spektakulärsten Justizfällen der vergangenen Jahre.
Mord ohne LeicheGerechtigkeit für Lotis – Einer der spektakulärsten Fälle der Kölner Kriminalgeschichte

Das philppinische Frauennetzwerk Babaylan forderte während des Mordprozesses „Gerechtigkeit für Lotis K“
Copyright: Arton Krasniqi
Das letzte Lebenszeichen von Lotis stammt vom 18. April 2007. Sie unterbricht ein Telefongespräch mit einer Freundin, weil ihr Mann komme. Irgendwann in den folgenden Stunden, vielleicht auch Tagen verschwindet die junge Frau spurlos. Ihre Familie wird sie nicht als vermisst melden, das macht ein paar Monate später eine Freundin. Damit beginnt einer der spektakulärsten Kriminalfälle und Justizgeschichten der vergangenen Jahre.
In der neuen Folge von „True Crime Köln“ berichten Helmut Frangenberg und Tim Stinauer über den Fall, der für beide als damalige Berichterstatter zu einem ganz besonderen wurde. Stinauer erfährt erst während des Prozesses, dass er am Telefon abgehört wurde. Ein Artikel von Frangenberg über Proteste eines philippinischen Frauennetzwerks führt dazu, dass die Urteilsverkündung platzt. Aber nicht nur deshalb war der Fall außergewöhnlich. In Köln wird auch Rechtsgeschichte geschrieben: Der Bundegerichtshof traf eine folgenreiche und umstrittene Entscheidung darüber, wo die Grenzen bei einer Abhöraktion der Polizei liegen.
Die neue Folge von „True Crime Köln“ hören:
Der Podcast wird nicht angezeigt? Klicken Sie hier, um die Folge von „True Crime Köln“ zu hören.
Bereits kurz nachdem die Freundin Lotis als vermisst gemeldet hatte, war für die Ermittler klar, dass sie es mit einem Verbrechen zu tun hatten. Die Polizei startete eine Abhöraktion. Stundenlange Mitschnitte wurden später ausgewertet – und tatsächlich befand sich auf einer Aufnahme ein Geständnis. Trotzdem sollte es fast acht Jahre dauern, bis in einem spektakulären Mordprozess ein rechtskräftiges Urteil gesprochen wurde. Das Geständnis durfte nicht als Beweis verwendet werden.
Nicht nur das sorgte für Kritik bei Vereinen, die die Interessen von Migrantinnen vertreten. Der Zusammenschluss „Babaylan“, eine Interessenvertretung von Philippinas in Deutschland und Europa, hatte „Gerechtigkeit für Lotis“ gefordert. Ein deutscher Mann hatte Lotis auf den Philippinen geheiratet. Als sich die junge Frau in Köln immer mehr emanzipierte und schließlich mit dem gemeinsamen Sohn auszog, begann ein erbitterter Streit mit dem Ehemann, seiner Schwester und seinem Schwager um das Kind. Alle drei wurden wegen Mordes angeklagt. „Babaylan“ kritisierte das deutsche Rechtssystem, dass es Angeklagten erlaubt, während einer Verhandlung kein einziges Wort zu den Vorwürfen zu sagen.
Bis heute weiß man nicht, wo sich die Leiche der jungen Frau befindet. Vor Gericht wurde sogar über den Abriss eines Neubaublocks in Köln-Mülheim diskutiert. Als Lotis verschwand, könnte der Mörder sie dort in eine Baugrube geworfen haben.

True CRime
Copyright: ksta
Mit dem Fall „Mord ohne Leiche: Gerechtigkeit für Lotis K.“ endet die kleine Winterpause von True Crime Köln. Die Podcast-Reihe des Kölner Stadt-Anzeiger über wahre Kriminalfälle aus Köln und der Region kann man überall hören, wo es Podcasts gibt und über die Homepage des Kölner Stadt-Anzeiger im Netz.

