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Verbrecherjagd auf dem OstfriedhofAls die ganze Region einen Polizistenmörder suchte

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Polizeihubschrauber im Dauereinsatz: Zwei Wochen lang verfolgte die Polizei mit großem Aufwand und mehreren Hundertschaften den Verbrecher Stefan Hlywa, der immer wieder entkommen konnte.

Im April 1980 erleben Stadt und Land die „größte Mörderhatz“ der Nachkriegsgeschichte. Zwei Wochen lang narrt der Polizistenmörder Stefan Hlywa die Polizei.

Hausfrauen unterbrechen ihren Einkaufsgang und Kinder ihre Spiele. Autofahrer halten an und steigen aus. Kein Parkplatz sei mehr in der Nähe des Ostfriedhofs zu bekommen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger im April 1980. Beerdigungen mussten abgesagt werden, weil die Polizei das Gelände durchsuchen wollte. Drumherum standen offenbar Hunderte Schaulustige. Das Spektakel sei „eine prächtige Abwechslung“. Eigentlich fehle nur die Würstchenbude. Die Überschrift des Artikels lautete „Die Jagd hat ihr Publikum“. Er endete mit dem Satz „The show must go on.“

Es ist kaum zu glauben, was sich vor 46 Jahren in Köln abspielte: Eine ganze Stadt schien den Mörder Stefan Hlywa zu suchen, der tagelang die Polizei narrte, nachdem er ohne Schuhe aus einem Haus in Odenthal im Bergischen Land geflohen war. Immer wieder tauchte er irgendwo im Osten der Stadt und im Kölner Umland auf und verschwand wieder. In der neuen Folge von True Crime Köln berichten Laura Ostenda und Helmut Frangenberg von einem heute fast vergessenen Kriminalfall, der zu einem großen Medienspektakel wurde.

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Private Internetnutzungen und soziale Medien gab es damals noch nicht. Man kann sich leicht vorstellen, was sich in heutigen Zeiten abspielen würde, wenn die Polizei ähnlich arbeiten würde wie damals, als staunende Zuschauer gleich neben schwer bewaffneten Polizisten in der ersten Reihe standen.

Planlose Fahndung der Polizei

Bei der Fahndung durch die Polizei reihte sich eine Panne an die nächste. Alles schien unkoordiniert und planlos. Das Opfer des Flüchtigen war ein Polizist gewesen, der mit einem Kollegen ohne besondere Schutzmaßnahmen Hinweisen auf ein illegales Waffenlager in einer Privatwohnung nachgehen sollte. Die Lage eskalierte. Nachdem Stefan Hlywa auf Socken vom Balkon gesprungen war, versuchten die Polizisten, ihn zu stellen. Im Garten hinter dem Haus erschoss Hlywa den Polizeihauptmeister Günther Müller und entkam. Es begann eine Verfolgungsjagd ohne Gleichen. Dass Hlywa tagelang nicht gefasst werden konnte, obwohl er immer in der Nähe blieb, sorgte für bundesweites Aufsehen.

Der Polizistenmörder Stefan Hlywa

Aus Hlywa wurde ein gewiefter Superschurke. Mit jeder Polizeihundertschaft, die in den Königsforst und die angrenzenden Waldgebiete geschickt wurde, nahm auch die angebliche Gefährlichkeit des Mannes zu. Angeblich hatte man es mit dem „Staatsfeind Nummer eins aus Österreich“ zu tun. Die Zeitungen nannten ihn den „Waldmenschen“.

Im Rückblick wirkt die Übertreibung wie der wenig taugliche Versuch, den Misserfolg der Polizei zu relativieren. Im Kölner Express konnte man lesen: „Die Kölner Bevölkerung zittert vor dem Killer.“ Auch das passte nicht so ganz zu dem, was sich im Rechtsrheinischen abspielte. Die vielen Schaulustigen wirkten wenig ängstlich. Im Wald wurde eine Frau aufgegriffen, die mit dem Fahrrad unterwegs war, um Hlywa auf eigene Faust zu suchen – nicht um die Polizei zu ihm zu führen, sondern um ihm etwas zu essen zu bringen. Eine Überschrift im „Spiegel“ traf die Lage besser: „Der reine Rummel“. Diesen beendete schließlich nicht die Polizei, sondern Hlywa selbst. Das zweiwöchige Katz-und-Maus-Spiel endete da, wo es begonnen hatte – im Haus der Wohnung seiner Lebensgefährtin.

Polizistensohn erinnert sich

Wie die Mörderjagd endete, erfährt man in der neuen Folge von True Crime Köln, die auf die Anregung eines Hörers zurückgeht. Der Sohn eines damals beteiligten Polizisten, Martin Kosemund, hatte vorgeschlagen, den vergessen Kriminalfall noch einmal zu erzählen. Er selbst berichtet in der Folge von seinen Kindheitserinnerungen.

True Crime Köln: Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge

Die neue Folge von „True Crime Köln“ „Verbrecherjagd auf dem Ostfriedhof: Als die ganze Stadt einen Polizistenmörder suchte“ kann man überall hören, wo es Podcasts gibt, und über die Homepage des „Kölner Stadt-Anzeiger“.

www.ksta.de/true-crime-koeln