Tübingens Oberbürgermeister sorgt mal wieder für Wirbel. Bei Facebook berichtet Boris Palmer von einer Auseinandersetzung mit Fahrgästen.
Tübinger „Sheriff“ im Einsatz„Sie sind ein armes Opfer“ – Boris Palmer schildert Streit und Anfeindung in Zug

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) bei einer Diskussionsrunde. (Archivbild)
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Dass Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) keiner Debatte aus dem Weg geht, ist bekannt – nun hat der ehemalige Grünen-Politiker erneut für Wirbel gesorgt. Im sozialen Netzwerk Facebook schildert Palmer einen Streit in einem Zug, an dem er beteiligt gewesen sei. Die Situation sei exemplarisch für die Gesellschaft. „Immer wieder ist zu beobachten, dass sich Fahrgäste oder Passanten in Konfliktsituationen solidarisch zeigen – allerdings nicht mit Vollzugsbediensteten, sondern mit den Personen, mit denen diese gerade in Auseinandersetzung stehen“, hieß es bei Facebook.
Mit „Vollzugsbediensteten“ meint Palmer, der in seinem Facebook-Profilbild mit „Sheriff“-Hut posiert, offenbar sich selbst. Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war nach Palmers Angaben ein Jugendlicher, der in die erste Klasse des Zuges gesetzt hatte, ohne ein passendes Ticket dafür zu haben. Er habe den jungen Mann dann darauf hingewiesen, dass ein Deutschlandticket nicht für die erste Klasse gilt, berichtete Palmer weiter. „Halt die Fresse“, habe die Antwort gelautet.
Boris Palmer schildert Streit mit Fahrgästen im Zug
Daraufhin habe Palmer sich dann per Dienstausweis als Leiter einer Ortspolizeibehörde zu erkennen gegeben und den jungen Mann auf eventuelle rechtliche Folgen hingewiesen, berichtete der Tübinger Oberbürgermeister weiter. „Eine solche Beleidigung stellt eine Straftat dar. In diesem Fall ist es rechtlich zulässig, die Identität der betreffenden Person festzustellen, um eine Anzeige zu ermöglichen oder den Sachverhalt an die Polizei weiterzugeben“, führte Palmer aus.
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Darauf sollen sich gleich mehrere Fahrgäste eingemischt haben – und Partei für den Jugendlichen ergriffen haben. Die Situation habe sich dann kurzfristig beruhigt, so Palmer. „Der junge Mann entschuldigte sich schließlich auf meinen Vorschlag hin, was ich annahm“, schrieb der 53-Jährige bei Facebook.
Boris Palmer: Mitreisende ergriffen Partei für Jugendlichen
Ein anderer Mitreisender habe dann jedoch begonnen, die Situation zu filmen, andere hätten ihm zudem Grenzüberschreitungen vorgeworfen, erklärte Palmer, der auch von der Einmischung einer Frau berichtete, die sich später als Lehrerin zu erkennen gegeben habe.
Die Frau habe seinen Hinweis ignoriert, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit gehandelt habe, und das Gespräch schließlich mit den Worten „Sie sind ein armes Opfer“ beendet. „Ich wünschte ihr daraufhin einen schönen Tag und empfahl einen Blick in ihren Amtseid“, erklärte Palmer.
Klarstellung von Boris Palmer: „Das sind schon wir selbst“
Der Tübinger Oberbürgermeister nahm den Vorfall bei Facebook schließlich auch zum Anlass, grundsätzliche Gedanken mit seinen Leserinnen und Lesern zu teilen. „Wenn Personen, die beruflich Verantwortung für die Vermittlung von Regeln, Werten und gesellschaftlichem Miteinander tragen, Regelverstöße bagatellisieren oder billigen, stellt sich die Frage, welches Verständnis von Ordnung, Verantwortung und Rechtsstaatlichkeit dadurch weitergegeben wird“, erklärte Palmer.
„Wenn diejenigen, die auf die Einhaltung geltender Normen hinweisen und bestehende Regeln durchsetzen, am Ende selbst diejenigen sind, die sich rechtfertigen müssen, dann ist in unserem gesellschaftlichen Verständnis von Ordnung, Verantwortung und Respekt etwas grundlegend schiefgelaufen“, beklagte der Tübinger zudem. „Es traut sich ja bald niemand mehr Fehlverhalten anzusprechen und Normen einzufordern.“
Angesichts der Reaktionen auf seinen Bericht bei Facebook stellte Palmer derweil klar: „Vorweg, weil einige Kommentare in die falsche Richtung gehen: Keine der beteiligten Personen hatte einen erkennbaren Migrationshintergrund.“ Es sei falsch, derartige Phänomene einfach auf andere abzuschieben, hieß es weiter. „Das sind schon wir selbst.“

