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Interview

Carlo Masala
„Dann würde Putin wirklich einen Preis zahlen für den Drohnenangriff“

3 min
Kanzler Friedrich Merz will den russischen Machthaber Wladimir Putin für den Drohnenangriff in Leipzig bezahlen lassen - aber wie?

Kanzler Friedrich Merz will den russischen Machthaber Wladimir Putin für den Drohnenangriff in Leipzig bezahlen lassen - aber wie? 

Merz will hart auf die fliegenden Bomben reagieren, die den Flughafen Leipzig treffen sollten. Militärexperte Carlo Masala sagt, welche Optionen Deutschland jetzt hat. 

Nach dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig schwieg der Kanzler eine ganze Weile – und sagte dann: „Sie werden dafür bezahlen.“ Was meint Merz damit?

Carlo Masala: Wenn der Kanzler sich so weit aus dem Fenster lehnt, werden die Sicherheitsbehörden hoffentlich konkret nachweisen können, dass Russland hinter dieser Aktion steht.

Welche Rechnung könnte Merz nach Moskau schicken?

Die klassischen Maßnahmen wären: Das Russische Haus in Berlin schließen, Botschaftspersonal ausweisen und Sanktionen gegen Einzelpersonen in Russland aussprechen.

„Putin ist dabei, den hybriden Krieg zu intensivieren“, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München.

„Putin ist dabei, den hybriden Krieg zu intensivieren“, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München.

Das wäre kein besonders hoher Preis.

Wenn Merz sich auf diese klassischen Maßnahmen beschränkt, steht das in einem Missverhältnis zu seiner doch sehr harten Rhetorik. Eine weitere Möglichkeit bietet die russische Schattenflotte. Auf der europäischen Ebene könnte man Sanktionen verschärfen. Deutschland hätte auch die Möglichkeit, Tanker an die Kette legen. Rechtlich ist das keine einfache Frage, aber die Bundesregierung könnte sich darauf berufen, dass Gefahr im Verzug sei.

Und darüber hinaus?

Dafür gibt es aktuell zwar keine Anzeichen – aber wir könnten ukrainische Einheiten nach Deutschland einladen, um sie am Marschflugkörper Taurus auszubilden. Das bedeutet noch nicht, dass man den Taurus liefert. Aber man sendet ein Signal, das Russland verunsichern soll.

Braucht Kiew den Taurus überhaupt noch?

Nicht mehr so dringend wie vor anderthalb Jahren, als die Brücke von Kertsch eine erhebliche Bedeutung für die russische Logistik hatte. Aber natürlich ist der Taurus ein Wirkinstrument, mit dem man gehärtete Ziele treffen kann. Außerdem könnten wir – gemeinsam mit unseren europäischen Partnern – zu einem Mittel greifen, das der Kanzler mit Sicherheit nicht ankündigen würde.

Das wäre?

Wir könnten mit den europäischen Geheimdiensten überlegen, wie man hybrid in Russland vorgehen kann. Denkbar wären Angriffe auf Kommunikationsanbieter oder das Bankensystem in Russland. Der Bundesnachrichtendienst darf das nicht machen, wohl aber andere Geheimdienste. Dann würde Putin wirklich einen Preis zahlen für den Drohnenangriff in Deutschland.

Sie haben nicht die Sorge, dass das zu einer weiteren Eskalation führt?

Warum ist das eskalierend? Eskalierend war der Angriff mit Sprengstoff auf den Leipziger Flughafen. Wir würden einfach nur ein Zeichen nach Russland senden: Denkt nicht, dass wir nichts können.

Ist Putin dabei, die Schwelle zu einer militärischen Aggression gegen die Nato zu überschreiten?

Nein. Wir sehen etwas anderes: Putin ist dabei, den hybriden Krieg, den er schon seit Jahren führt, zu intensivieren. Es gab Anschläge auf Munitionsfabriken in Bulgarien und Italien, eine Rakete schlug in Polen ein. Rumänien meldet fast täglich fremde Drohnen. In Deutschland wurden zwei Leute festgenommen, die wohl einen Rüstungsmanager ermorden wollten. Russland wird da immer risikofreudiger.

Dass russische Einheiten eine Stadt im Baltikum einnehmen könnten, erwarten Sie aber nicht? 

Es gibt keine Belege, dass dieses Szenario aktuell auf der Tagesordnung steht. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass amerikanische Dienste rund um den Vorfall von Leipzig ihre Einschätzung drastisch geändert haben. Sie halten einen russischen Angriff auf die Nato vor 2029 für möglich, und das Spektrum reicht von schweren Cyberattacken bis hin zu begrenzten militärischen Vorstößen.

Wie deuten Sie die Visite von CIA-Chef Ratcliffe in Moskau?

Ich betrachte den öffentlich gemachten Besuch des CIA-Chefs zusammen mit den vermehrten Manövern von Nato-Staaten mit ihren Luftwaffen rund um Kaliningrad und die baltischen Staaten. Es geht dabei auch um eine generelle Warnung an Moskau, Nato-Territorium nicht anzutasten. 

Und wenn Putin das doch tut?

Die Nato konzentriert sich momentan sehr stark auf glaubwürdige Abschreckung: Denkt überhaupt nicht daran, etwas zu tun. Sonst fügen wir euch Schmerzen zu.

Welche Schmerzen könnten das sein, wenn man etwa an Kaliningrad denkt?

Die Nato könnte alle russischen Installationen in Kaliningrad zerstören. An dem jüngsten Manöver waren amerikanische Flugzeuge für elektronische Kriegsführung beteiligt. Die Nato wäre wohl in der Lage, die russische Luftverteidigung in Kaliningrad auszuschalten.