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„Deutlich unter der Gürtellinie“CDU kritisiert grüne „Schmutzkampagne“ und Özdemirs „Versteckspiel“

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Der Tag nach der Wahl in Baden-Württemberg: Carsten Linnemann (v.l.n.r.), CDU Generalsekretär, in Berlin neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem Spitzenkandidaten Manuel Hagel

Der Tag nach der Wahl in Baden-Württemberg: Carsten Linnemann (v.l.n.r.), CDU Generalsekretär, in Berlin neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem Spitzenkandidaten Manuel Hagel

Die CDU prangert den Wahlkampf in Baden-Württemberg an und sucht die Gründe für ihre Niederlage vor allem beim politischen Gegner. 

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die Wut in der Südwest-CDU immer noch groß – die Christdemokraten werfen den Grünen nach der Veröffentlichung eines Videos über Spitzenkandidat Manuel Hagel eine „Schmutzkampagne“ vor.

Hintergrund: Eine Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe hatte vor knapp zwei Wochen ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin schwärmt – und von ihren „rehbraunen Augen“. Das Video ging viral, verbunden mit Sexismusvorwürfen.

CDU kritisiert nach Wahlniederlage in Baden-Württemberg die Grünen

CDU-Generalsekretär Tobias Vogt sprach bereits vor der Wahl von einer Schmutzkampagne der Grünen, die „Menschen vernichte“. Ähnlich äußern sich nun andere CDU-Politikerinnen und ‑Politiker nach der knappen Niederlage am Sonntag. 

Manuel Hagel (CDU), Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 und Landesvorsitzender, hatte sich ein anderes Ergebnis erhofft.

Manuel Hagel (CDU), Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 und Landesvorsitzender, hatte sich ein anderes Ergebnis erhofft.

Die stellvertretende Generalsekretärin der CDU, Christina Stumpp, warf den Grünen in Baden-Württemberg ebenfalls eine „Schmutzkampagne“ im Wahlkampf vor. „Die Grünen meinen immer Hass und Hetze im Netz vermeiden zu müssen, und selber haben sie Hass und Hetze im Netz aber geschürt“, so die 38-Jährige im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix.

„Schmutzkampagne“: CDU beschuldigt Grüne, Hass und Hetze zu schüren

Der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel habe Morddrohungen erhalten. Dies habe nichts mehr mit einem fairen Wahlkampf zu tun gehabt. Hagel selbst hatte sich am Wahlabend ebenfalls über das Vorgehen beschwert. „Für meine Familie und für mich persönlich war das zuweilen eine starke Zumutung“, so Hagel im „heute journal“ des ZDF. Der Wahlkampf sei „deutlich unter der Gürtellinie“ geführt worden.

Für meine Familie und für mich persönlich war das zuweilen eine starke Zumutung
Manuel Hagel über den Wahlkampf

Dieser Meinung war am Sonntagabend auch Parteikollege Jens Spahn. Das gute Abschneiden von Özdemir liege unter anderem daran, dass dieser im Wahlkampf, „alles, was grün an ihm ist, versteckt“ habe, sagte Spahn sowohl im ZDF als in der ARD. „Auf den Plakaten und in den Inhalten“, konkretisierte der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag.

Jens Spahn sieht keine Fehler bei der Bundespartei

Erklärungsansätze für die Niederlage suchte er ebenfalls beim politischen Gegner. „Es gab auch eine Schmutzkampagne gegen den Spitzenkandidaten der CDU, wie man sie in der weiteren politischen Mitte noch selten gesehen hat“, so Spahn im ZDF. Über eigene Fehler sprach er indes ebensowenig wie die meisten seiner Parteikollegen. Vor allem der Bundespartei sei die Wahlniederlage aber nicht anzulasten, so Spahn.

Jens Spahn bemängelt, der Spitzenkandidat der CDU sei einer Schmutzkampagne ausgesetzt worden.

Jens Spahn bemängelt, der Spitzenkandidat der CDU sei einer Schmutzkampagne ausgesetzt worden.

Es habe auf Bundesebene „ziemlich Rückenwind in den letzten zwei, drei Wochen“ gegeben, so Spahn gegenüber der „Welt“. Vor allem der Bundespartei sei die Wahlniederlage daher nicht anzulasten, so Spahn.

Die CDU-geführte Koalition im Bund habe Heizungsgesetz und Bürgergeld abgeschafft, stieß Kanzleramtschef Thorsten Frei im ZDF ins selbe Horn. „Fakt ist, dass wir durchaus Rückwind aus Berlin geboten haben“, so Frei weiter. Die Gründe für das Ergebnis sah auch Frei woanders. „Wir haben gesehen, dass die Grünen – gerade in den letzten Tagen – deutlich unter die Gürtellinie gezielt haben und damit auch versucht haben, unseren Spitzenkandidaten madig zu machen. Das war kein Stil“, so Frei.

Die Grünen hatten mit ihrem Kandidaten Cem Özdemir mit knappem Vorsprung die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Die CDU kommt nach dem vorläufigen Endergebnis nur auf Platz zwei, wie die Landeswahlleiterin in der Nacht mitteilte. Demnach holten die Grünen 30,2 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU lag knapp dahinter mit 29,7 (24,1).

Die Grünen und auch die CDU erhalten demnach jeweils 56 Sitze im Landtag. Sie stellen also gleich viele Abgeordnete, auch wenn die Grünen nach Zweitstimmen gewonnen haben. (pst mit dpa)