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„Ihre Tage sind gezählt“Trump mutiert zum Kriegspräsidenten – nächstes Land im Visier?

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US-Präsident Donald Trump am Montag (2. März) bei einer Zeremonie im Weißen Haus.

US-Präsident Donald Trump am Montag (2. März) bei einer Zeremonie im Weißen Haus.

Trump und sein Lager versuchen stets, den US-Präsidenten als „Mann des Friedens“ zu positionieren. Die Bilanz spricht dagegen. 

US-Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit von seinen Unterstützern stets viel Lob dafür bekommen, dass er ein „Mann des Friedens“ sei – und im Gegensatz zu seinen Vorgängern im Weißen Haus keine Kriege anfange. Immer wieder warfen das Trump-Lager und die „Make America Great Again“-Bewegung den Demokraten Kriegstreiberei vor – nur Trump, der sei ganz anders, hieß es dort jahrelang. Mittlerweile hat diese Bilanz jedoch mit der Realität nichts mehr zu tun.

„Kein Präsident der Neuzeit hat mehr Militärschläge gegen so viele verschiedene Länder befohlen als Donald Trump“, fasste das US-Medium „Axios“ Trumps Wirken im Amt nun in einer Analyse zusammen. „Er hat sieben Nationen angegriffen, von denen drei – Iran, Nigeria und Venezuela – noch nie Ziel von US-Militärschlägen waren. Er autorisierte für 2025 mehr Luftangriffe als Präsident Biden in vier Jahren“, lautete das nüchterne Fazit des US-Mediums, das betonte, Trump sei „ausdrücklich als Antikriegspräsident“ angetreten.

Donald Trump: Antikriegspräsident wird Kriegspräsident

Davon könne mittlerweile jedoch keine Rede mehr sein: Nicht nur die Anzahl der Angriffe unter Trump sei einzigartig, sondern auch die Art und Weise, berichtete das US-Medium weiter. Während der „Krieg gegen den Terror“ unter Präsident George W. Bush ebenso vom US-Kongress autorisiert worden sei, wie die Drohnenangriffe unter Präsident Barack Obama, sei das bei Trumps Kriegen nicht der Fall.

Neben traditionellen Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung habe Trump ganz neue Fronten eröffnet – etwa einen Angriff am Weihnachtstag in Nigeria, die Versenkung von Drogenbooten in der Karibik und die Entführung von Nicolás Maduro aus Caracas. Dabei zeige sich ein bevorzugtes Vorgehen des US-Präsidenten und seiner Regierung, analysiert „Axios“: keine Bodentruppen, keine langwierigen Auseinandersetzungen und überwältigende Gewalt, die als unerlässlich für die Verteidigung amerikanischer Interessen dargestellt wird.

Iran-Krieg: Donald Trumps „aggressivster außenpolitischer Akt“

Der Iran-Krieg kann nun als radikalste Umsetzung dieser Strategie gelten. Die US-Militäroperation gegen das Land im Nahen Osten sei „mittlerweile beispielos“ und fraglos der „aggressivste und risikoreichste außenpolitische Akt der Präsidentschaft Trumps“, so die US-Analyse.

Unumstritten ist der kriegerische Kurs des Republikaners bei seinen Anhängern jedoch nicht. Tucker Carlson, eigentlich einer der populärsten „MAGA“-Influencer, nannte den Angriff auf den Iran etwa zuletzt „absolut widerlich und böse“. Andere Vertreter des „MAGA“-Lagers werden derweil von ihren Worten aus der Vergangenheit eingeholt.

Trump-Unterstützer werden von ihren früheren Worten eingeholt

US-Vizepräsident JD Vance hatte etwa noch 2023 in einem Meinungsbeitrag für das „Wall Street Journal“ erklärt, „keine Kriege anzufangen“ sei Trumps „beste Außenpolitik“. Tulsi Gabbard, jetzige US-Geheimdienstchefin, verkaufte unterdessen 2020 noch T-Shirts mit der Aufschrift „Kein Krieg mit dem Iran“ – und auch Trumps selbst hatte stets gegen das „Establishment“ gewettert, das Amerika immer wieder in Kriege im Nahen Osten verwickelt habe.

US-Vizepräsident JD Vance hat Donald Trump in der Vergangenheit stets dafür gelobt, keine Kriege anzufangen. (Archivbild)

US-Vizepräsident JD Vance hat Donald Trump in der Vergangenheit stets dafür gelobt, keine Kriege anzufangen. (Archivbild)

„Diese Globalisten wollen Amerikas ganze Kraft, sein Blut und seinen Reichtum verschwenden, indem sie Monster und Gespenster in Übersee jagen und uns von dem Chaos ablenken, das sie hier im eigenen Land anrichten“, hieß es im Wahlkampf noch von Trump.

Weißes Haus verteidigt Donald Trump: „Nur dieser Präsident hatte den Mut“

Jetzt will man davon im Weißen Haus nichts mehr hören: „Schon vor seinem Amtsantritt hat Präsident Trump stets betont: Iran darf niemals Atomwaffen besitzen“, sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses gegenüber „Axios“. Das iranische Regime habe sich geweigert, realistische Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zu führen, hieß es weiter von dem nicht namentlich genannten US-Regierungsbeamten.

„Daher ergreift Präsident Trump nun entschlossene Maßnahmen“, lautete schließlich die Begründung für den Kriegskurs des US-Präsidenten, der so versuche, „Sicherheitsbedrohungen für das amerikanische Volk zu beseitigen“. Frühere Präsidenten hätten darüber stets nur gesprochen, „aber nur dieser Präsident hatte den Mut, sie umzusetzen“, hieß es aus Washington.

US-Senator: „Kuba ist als Nächstes dran“

Während das Weiße Haus das Vorgehen des US-Präsidenten zurechtfertigen versucht, wird unter Trumps Unterstützern bereits darüber geraunt, dass bald ein weiteres Land auf Trumps Kriegsliste hinzukommen könnte. US-Senator Lindsey Graham, bekannt für seine leidenschaftliche Unterstützung für Trump, lobte den US-Präsidenten etwa im Gespräch mit Fox News zu Wochenbeginn zunächst überschwänglich für den Krieg gegen den Iran.

„Donald Trump ist der Maßstab für Republikaner, vielleicht sogar für jeden Präsidenten, wenn es um Außenpolitik geht“, erklärte Graham, der auch die Entführung des venezolanischen Machthabers Maduro als Beleg für Trumps gelungene Außenpolitik anführte.

„Maduro? Alle haben über ihn geredet. Nun, Donald Trump hat ihn ins Gefängnis gebracht“, erklärte Graham und prophezeite dann die nächste US-Militäroperation. „Kuba ist als Nächstes dran“, erklärte der US-Senator und ließ drastische Worte folgen: „Sie werden fallen. Diese kommunistische Diktatur in Kuba? Ihre Tage sind gezählt.“