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Druck auf Netanjahu wächstHunderttausende demonstrieren in Tel Aviv für Freilassung der Geiseln

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26.08.2025, Israel, Ramle: Die israelische Polizei konfrontiert Demonstranten während einer Demonstration auf dem Geiselplatz, um die sofortige Freilassung aller von der Terrororganisation Hamas  festgehaltenen Geiseln und ein Ende des Krieges im Gazastreifen zu fordern. Foto: Ilia Yefimovich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die israelische Polizei konfrontiert Demonstranten während einer Demonstration auf dem Geiselplatz, um die sofortige Freilassung aller von der Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln und ein Ende des Krieges im Gazastreifen zu fordern. 

Zehntausende singen, weinen, protestieren – sie verlangen von der Regierung ein Abkommen und das Ende der Gewalt.

Es war eine der größten Demonstrationen seit Beginn des Gaza-Kriegs: Hunderttausende Menschen haben am Dienstagabend (26. August) in Tel Aviv die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas gefordert – und ein Ende des andauernden Kriegs. Laut den Organisatoren versammelten sich mehr als 350.000 Menschen auf dem „Platz der Geiseln“ im Zentrum der Stadt. Sie sandten eine unmissverständliche Botschaft: Es ist Zeit für ein Abkommen – und für Menschlichkeit.

Die Demonstration war Teil eines landesweiten Protesttags unter dem Motto „Israel steht zusammen“, zu dem das Forum der Geisel-Angehörigen aufgerufen hatte. Bereits am Tag kam es zu Straßenblockaden und Kundgebungen in mehreren Städten. Doch der Abend in Tel Aviv war der emotionale Höhepunkt – lautstark, entschlossen, zutiefst bewegt.

„Ich möchte meinen Sohn nicht in einem Leichensack zurückbekommen“

Auf der Bühne standen Angehörige der Entführten, viele von ihnen seit fast zwei Jahren in Angst und Ungewissheit. Einer von ihnen war Ofir Braslavski, dessen Sohn Rom am 7. Oktober 2023 von Terroristen verschleppt wurde. In einem kürzlich veröffentlichten Propaganda-Video der Hamas ist Rom – auch deutscher Staatsbürger – abgemagert und ausgezehrt zu sehen. „Ich möchte meinen Sohn nicht in einem Leichensack zurückbekommen“, sagte Braslavski unter Applaus und Tränen.

26.08.2025, Israel, Tel Aviv: Menschen nehmen an einem Protest teil, der die sofortige Freilassung aller von der Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln und ein Ende des Krieges im Gazastreifen fordert. Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Israel, Tel Aviv: Menschen nehmen an einem Protest teil, der die sofortige Freilassung aller von der Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln und ein Ende des Krieges im Gazastreifen fordert.

Die Demonstranten schwenkten israelische Flaggen und gelbe Banner – das Symbol der Geisel-Solidarität. Immer wieder erklang die israelische Nationalhymne Hatikva – Die Hoffnung – ein Lied, das an diesem Abend schwerer wog als sonst.

Kritik an Netanjahu wird laut – Vorwurf der Sabotage

Zielscheibe des Protests war vor allem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die Organisatoren warfen ihm vor, ein vorliegendes Vermittlerangebot für eine Waffenruhe und Geiselfreilassung zu blockieren – aus politischen Gründen. „Die Regierung muss das derzeit auf dem Tisch liegende Abkommen unterzeichnen“, forderten sie. Der Vorwurf: Netanjahu halte den Krieg künstlich am Laufen, um persönliche Machtinteressen zu wahren.

Tatsächlich hatte die Hamas vor rund einer Woche einem neuen Vorschlag der Vermittlerstaaten Ägypten und Katar zugestimmt – doch die israelische Regierung hat bisher nicht reagiert. Für viele Angehörige ein unerträglicher Zustand.