Merz spricht sich gegen einen langen Krieg gegen den Iran aus – und erklärt sein Verhalten im Weißen Haus. Trump bleibt derweil auf Kurs.
Neue Statements nach TreffenMerz geht auf Distanz zu Trump – USA rüsten sich für langen Krieg

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, l.) zusammen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. (Archivbild)
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sein Verhalten beim Besuch des Weißen Hauses in Washington verteidigt. „Wenn da die Kameras laufen, dann werde ich nicht anfangen, mit dem amerikanischen Präsidenten zu streiten“, sagte er in Stockach beim Wahlkampfabschluss der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Der ein oder andere habe ihm vorgeworfen, zu freundlich gewesen zu sein, sagte der Kanzler.
Merz hatte US-Präsident Donald Trump Anfang der Woche im Weißen Haus getroffen. Im Fokus standen unter anderem der Iran-Krieg und Handelsfragen. Trump hatte bei dem Aufeinandertreffen auch scharfe Kritik und Drohungen in Richtung Spanien geäußert – Merz reagierte darauf nicht.
Kritik am Kanzler: Donald Trump attackiert – Friedrich Merz schweigt
Das Ausbleiben einer Verteidigung des EU-Landes sorgte in der Folge für Verärgerung im EU-Mitgliedsland Spanien. Auch von der Opposition in Deutschland musste Merz sich scharfen Gegenwind gefallen lassen. „Merz hat Europa im Stich gelassen“, hieß es zudem in manchen Meinungsstücken deutscher Medien in dieser Woche.
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Bei den Beziehungen zu den USA konzentriere er sich weiter auf die gemeinsamen Werte, erklärte Merz seinen Umgang mit US-Präsident Trump im Weißen Haus nun. Denn klar sei: Bei der Verteidigung des europäischen Kontinents „sind und bleiben wir auf Zeit auf die Amerikaner angewiesen“, führte der Kanzler aus.
Friedrich Merz distanziert sich von Donald Trump
Bereits vor seinem Auftritt in Baden-Württemberg war Merz auf Distanz zu Trump gegangen. Während eines Auftritts bei der Internationalen Handwerksmesse in München bekräftigte Merz zwar, dass er die Ziele der USA und Israels im Krieg gegen Iran unterstützt. „Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse“, sagte Merz jedoch auch und mahnte, die territoriale Unversehrtheit Irans müsse gewahrt bleiben.
Sollte das Land zerfallen, drohten „weitreichende Folgen“ für Europa, erklärte Merz. „Der iranische Staat muss funktionsfähig bleiben, öffentliche Ordnung und Grundversorgung müssen aufrechterhalten werden“, insbesondere um „unkontrollierte Migrationsbewegungen aus Iran“ zu verhindern, fügte der Kanzler hinzu. Kurz darauf gab die Bundesregierung eine offizielle Erklärung mit dieser Linie heraus. „Iran darf nicht zum Schauplatz von Stellvertreterkriegen werden“, warnt der Bundeskanzler darin.
Kein Kurswechsel in Washington: Trump will Kapitulation des Iran
In den USA ist unterdessen kein Kurswechsel zu erkennen. US-Präsident Trump erklärte am Freitag, dass er kein Abkommen mit dem Iran abschließen wolle. Stattdessen müsse der Krieg auf eine „bedingungslose Kapitulation“ des Irans hinauslaufen, forderte der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social.
US-Außenminister Marco Rubio geht laut einem Medienbericht unterdessen davon aus, dass der Krieg im Iran noch mehrere Wochen dauern wird. Das teilte Rubio arabischen Außenministern in Telefonaten mit, wie das Portal „Axios“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete. Rubio sagte demnach, der derzeitige Fokus der Angriffe liege auf den Raketenwerfern, Lagerbeständen und Fabriken des Irans.
Bericht: US-Armee bereitet sich auf Krieg bis September vor
Laut einem „Politico“-Bericht trifft das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) bereits Vorkehrungen für einen deutlich längeren Kriegsverlauf. Centcom forderte das Pentagon auf, mehr Geheimdienstoffiziere in sein Hauptquartier in Tampa zu entsenden, wie das Portal unter Verweis auf eine interne Mitteilung berichtete. Ziel sei es, Operationen gegen den Iran für mindestens 100 Tage, wahrscheinlich jedoch bis September, zu unterstützen.
Am vergangenen Samstag hatten Israel und die USA begonnen, den Iran anzugreifen. Dabei wurde auch Staatsoberhaupt und Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seither reagiert der Iran mit Gegenangriffen. (mit dpa)

