Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan sind gescheitert. Alle Infos im Liveblog.
Krieg in NahostIran gibt USA Schuld für Ende der Gespräche
Die USA und Israel hatten Ende Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Bereits am ersten Kriegstag wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Die Parteien einigten sich auf eine Waffenruhe, Verhandlungen in Pakistan scheiterten jedoch. Alle Informationen rund um die Eskalation in Nahost lesen Sie hier im Liveblog.
12. April
Iran gibt USA Schuld für Ende der Gespräche
13.45 Uhr: Der Verhandlungsleiter der iranischen Delegation hat den USA die Schuld dafür gegeben, dass die Friedensverhandlungen in Islamabad keine Einigung brachten. „Meine Kollegen in der iranischen Delegation brachten zukunftsorientierte Initiativen vor, doch letztendlich gelang es der Gegenseite nicht, in dieser Verhandlungsrunde das Vertrauen der iranischen Delegation zu gewinnen“, schrieb der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer seines Landes, Mohammed Bagher Ghalibaf, auf der Plattform X.
Er habe bereits vor den Gesprächen betont, dass der Iran über den nötigen guten Willen und Entschlossenheit verfüge, aber aufgrund der Erfahrungen aus vorangegangenen Kriegen kein Vertrauen in die Gegenseite habe. Ghalibaf dankte Pakistan zudem für die Vermittlungsbemühungen.
Teheran: „Niemand“ rechnete mit Ende des Iran-Krieges nach einer Gesprächsrunde
11 Uhr: Nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen über ein Ende des Iran-Krieges hat das iranische Außenministerium die in die diplomatischen Bemühungen gesetzten Erwartungen heruntergespielt. „Natürlich hätten wir von Anfang an nicht damit rechnen dürfen, in einer einzigen Runde eine Einigung zu erzielen. Niemand hatte eine solche Erwartung“, erklärte Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei am Sonntag im staatlichen iranischen Fernsehen. Die direkten Gespräche zwischen Delegationen aus Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad seien „von einer Atmosphäre des Misstrauens“ geprägt gewesen.
Zugleich äußerte sich Bakaei zuversichtlich über eine Fortführung von diplomatischen Bemühungen. Teheran sei „zuversichtlich, dass die Kontakte zwischen uns und Pakistan sowie unseren anderen Freunden in der Region fortgesetzt werden“.
JD Vance reist nach Verhandlungen ohne Einigung ab
6 Uhr: Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans sind am frühen Sonntagmorgen ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Nach den Worten von US-Vizepräsident JD Vance wurde bei den Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad keine Einigung erzielt. Ob und wann es zu weiteren Verhandlungen kommen wird, war zunächst nicht bekannt.
Man verlasse nun den Ort der Verhandlungen und lasse einen Vorschlag für den Iran zurück, der ein endgültiges Angebot darstelle, sagte Vance. Der US-Vize bestieg nach Angaben anwesender Journalisten noch am Morgen ein Flugzeug in Richtung USA. Teheran plane keine weitere Verhandlungsrunde, berichtete die iranischen Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle.
Nach 21 Stunden Verhandlungen hätte sich die iranische Seite dazu entschieden, die Bedingungen der USA nicht zu akzeptieren, sagte Vance. Die USA hätten klargemacht, wo die roten Linien liegen und in welchen Punkten man bereit sei, dem Iran entgegenzukommen. Der US-Vize sagte nicht im Detail, was genau die Knackpunkte waren. Er sagte lediglich, man habe bislang nicht gesehen, dass sich der Iran grundlegend dazu verpflichte, langfristig keine Atomwaffen zu entwickeln. „Wir hoffen, dass wir es noch sehen werden.“ Während der Verhandlungen sei er in ständigem Kontakt mit US-Präsident Donald Trump gewesen, sagte Vance weiter.
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai ging es bei den Verhandlungen um zentrale Themen wie die Straße von Hormus, die Atomfrage, Kriegsreparationen, die Aufhebung von Sanktionen sowie ein Ende des Krieges in der Region. Bis in den Sonntag hinein hätten „intensive Verhandlungen“ stattgefunden. Dabei seien „zahlreiche Nachrichten und Texte“ zwischen den beiden Seiten ausgetauscht worden, schrieb Baghai in den frühen Morgenstunden kurz vor der Pressekonferenz von Vance auf X.
Der Erfolg des diplomatischen Prozesses hänge aber „von der Ernsthaftigkeit und dem guten Willen der Gegenseite ab, von überzogenen und unzulässigen Forderungen abzusehen und die legitimen Rechte und Interessen des Irans anzuerkennen“, schrieb Baghai weiter.
10. April
Trump droht mit neuen Angriffen
20.16 Uhr: Die USA bereiten sich nach Aussage von US-Präsident Donald Trump auf neue Angriffe auf den Iran vor, sollten die geplanten Friedensgespräche scheitern. „Wir beladen die Schiffe mit der besten Munition, den besten Waffen, die je hergestellt wurden“, zitiert ihn die „New York Post“ aus einem Telefoninterview. „Und wenn wir keine Einigung erzielen, werden wir sie einsetzen, und wir werden sie sehr effektiv einsetzen“, drohte er in Richtung Teheran.
Man habe es mit Leuten zu tun, von denen man nicht wisse, ob sie die Wahrheit sagten oder nicht, bemängelte er demnach. Explizit kritisierte Trump dabei, dass der Iran öffentlich darauf beharre, Uran anreichern zu dürfen. Diese Forderung dürfte bei etwaigen Verhandlungen einer der Konfliktpunkte werden. Trump hatte erst jüngst betont: „Es wird keine Urananreicherung geben“.
Auf die Frage, ob er davon ausgehe, dass die Verhandlungen erfolgreich sein werden, sagte Trump laut der „New York Post“: „Wir werden es in etwa 24 Stunden erfahren. Wir werden es bald wissen.“
Iran will Libanon zum Thema machen
15.31 Uhr: Kurz vor Friedensgesprächen zum Iran-Krieg macht Teheran hinter den Kulissen Druck für eine Einbeziehung des Libanon in die aktuelle Waffenruhe. Die iranische Führung fordere Garantien, dass der Libanon Thema der Verhandlungen wird, hieß es aus gut informierten Kreisen in Teheran.
Israel greift bislang weiterhin Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon an. Diese feuerte ihrerseits am Morgen Geschosse auf Nordisrael ab. Auch deswegen blieb zunächst unklar, ob Teheran überhaupt die Verhandlungsführer zu den Gesprächen über eine dauerhafte Friedenslösung in die pakistanische Hauptstadt Islamabad schicken würde. Der iranischen Nachrichtenagentur Mehr zufolge finden keine Verhandlungen statt, solange Israel seine Angriffe auf den Libanon fortsetzt.
US-Inflation springt im März auf 3,3 Prozent
14.41 Uhr: Im Iran-Krieg ist die Inflation in den USA sprunghaft gestiegen. Die Verbraucherpreise legten im März um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Das waren 0,9 Prozentpunkte mehr als im Februar. Hauptgrund sind die durch den Krieg massiv erhöhten Öl- und Gaspreise.
Treibstoff verteuerte sich demnach zwischen Februar und März für die US-Verbraucher um 21,2 Prozent, die Energiepreise stiegen um 10,9 Prozent. Lebensmittel verteuerten sich dagegen nur leicht um 0,2 Prozent. Die zugrunde liegende Kerninflation ohne die schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie lag im März bei 2,6 Prozent.
Libanon unter Beschuss – Helfer warnen vor humanitärer Katastrophe
14.02 Uhr: Der Libanon steht weiter unter israelischem Beschuss und steht nach Ansicht von Hilfsorganisationen vor einer humanitären Katastrophe. Nach Worten des Regionaldirektors der Päpstlichen Mission für Libanon, Syrien, Irak und Ägypten, Michel Constantin, ist die aktuelle Situation im Land dramatisch. „Alle haben Angst, jeder Ort im Libanon ist in Gefahr“, sagte Constantin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Besonders prekär ist laut dem Hilfswerkschef die Lage der im Südlibanon verbliebenen Christen.
Die Hoffnung auf eine Entspannung im Libanon durch die vereinbarte Waffenruhe im Iran habe sich nicht erfüllt. Israel sei nicht bereit, eine Waffenruhe auch für den Libanon einzuhalten. Stattdessen würden die Angriffe schlimmer. „Eigentlich sehen wir kein Licht am Ende des Tunnels“, so Constantin.
Europäer fordern Teheran zu konstruktiven Verhandlungen mit den USA auf
11 Uhr: Europäische Staaten haben die Führung in Teheran aufgerufen, die ab Freitag im pakistanischen Islamabad geplanten Verhandlungen des Irans mit den USA konstruktiv anzugehen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte im Onlinedienst X, er habe mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi gesprochen und ihn aufgefordert, die mit den USA vereinbarte Waffenruhe einzuhalten.
Ferner habe er in dem Gespräch von Teheran verlangt, sich „auf konstruktive Verhandlungen einzulassen sowie freie und sichere Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen“, erklärte Wadephul. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor die Wiederaufnahme der Gespräche der Bundesregierung mit dem Iran bekannt gegeben. Ziel sei es, damit einen Beitrag zum Erfolg der Verhandlungen über ein Ende des Iran-Krieges zu leisten.
Auch der spanische Außenminister José Manuel Albares berichtete am Freitag von einem Austausch mit Araghtschi, in dem er Teheran aufgerufen habe, „in gutem Glauben“ zu verhandeln und aufzuhören, Raketen und Drohnen abzufeuern.
Streit vor Verhandlungen für Kriegs-Ende
10.30 Uhr: Kurz vor dem geplanten Beginn von Verhandlungen in Pakistan zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts wackelt die vom Iran und den USA vereinbarte befristete Waffenruhe bereits: Die Kriegsparteien streiten um die Öffnung der Straße von Hormus und die anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon.
Donald Trump warnt Teheran vor Erheben von Mautgebühren
7 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat Teheran vor dem Erheben von Mautgebühren in der Straße von Hormus gewarnt. „Es gibt Berichte, dass der Iran Tanker, die durch die Straße von Hormus fahren, zur Kasse bittet“, erklärte Trump am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social. „Das sollten sie besser nicht tun, und falls doch, sollten sie sofort damit aufhören.“
In einem weiteren Beitrag auf Truth Social fügte Trump hinzu, dass „sehr schnell Öl zu fließen beginnen wird, mit oder ohne die Hilfe des Iran“. In einem dritten Beitrag warf Trump Teheran später vor, „seine Aufgabe, den Öltransport durch die Straße von Hormus zu ermöglichen, sehr schlecht“ zu erfüllen. „Das ist nicht die Vereinbarung, die wir getroffen haben“, fügte er hinzu.
Irans früherer Außenminister Charrasi bei Luftangriff getötet
2 Uhr: Der frühere iranische Außenminister Kamal Charrasi ist Behördenangaben zufolge nach einem Luftangriff seinen Verletzungen erlegen. Der Leiter des Strategischen Rats für Auswärtige Beziehungen sei vor einigen Tagen bei einem israelisch-amerikanischen Luftangriff verwundet worden und sei nun ein Märtyrer, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna.
Charrasi war von 1997 bis 2005 Außenminister der Islamischen Republik. Zuletzt beriet er Medienberichten zufolge den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, der zu Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran getötet worden war. (red/afp/dpa)
