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„Schande“Während sein Vize mit dem Iran verhandelt, schaut sich Trump einen Käfigkampf an

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Der Brasilianer Paulo Costa unterhält sich am Samstag (11. April) mit US-Präsident Donald Trump nach Costas Sieg gegen den Russen Azamat Murzakanov im Kaseya Center in Miami.

Der Brasilianer Paulo Costa unterhält sich am Samstag (11. April) mit US-Präsident Donald Trump nach Costas Sieg gegen den Russen Azamat Murzakanov im Kaseya Center in Miami.

JD Vance ringt um Krieg und Frieden, während sein Chef sich bei einem MMA-Kampf zeigt. Das kommt nicht gut an.

Seit mittlerweile sechs Wochen herrscht Krieg im Nahen Osten. Die Angriffe Israels und der USA haben einen Flächenbrand ausgelöst, der unzählige Menschen das Leben gekostet hat und die Weltwirtschaft massiv beeinträchtigt. Am Samstag (11. April) schickte US-Präsident Donald Trump seinen Vize JD Vance, um in Pakistan mit iranischen Vertretern über ein Ende der Kämpfe zu verhandeln – ohne Ergebnis.

Die direkten Verhandlungen brachten kein Ergebnis, obwohl Trump mit Vance ein politisches Schwergewicht ins Rennen warf. Der Iran akzeptiere die Bedingungen der USA nicht, so der Vizepräsident, und bestieg in Islamabad eine Maschine in Richtung Heimat. Er betonte, er habe während der Verhandlungen in ständigem Kontakt mit Trump gestanden. 

Trump ist bei Käfigkampf in Miami

Allerdings fragt sich die amerikanische Öffentlichkeit inzwischen, wie ernst ihr Präsident das Thema Iran tatsächlich nimmt. Denn während die Gespräche in Pakistan offenbar noch liefen, zeigte sich Trump am Samstagabend (Ortszeit) mit einigen Begleitern wie seinen Töchtern Ivanka und Tiffany bei der aktuellen Veranstaltung der Ultimate Fighting Championship (UFC) in Miami. Auch Außenminister Marco Rubio begleitete seinen Chef zum MMA-Kampf.

Damit nicht genug: Trump verkündete bei diesem Anlass, dass am 14. Juni Käfigkämpfe auf dem Gelände des Weißen Hauses stattfinden werden – aus Anlass seines 80. Geburtstages. Trump lief zusammen mit UFC-Präsident Dana White ein, auch die Kampfsport-Organisation postete mehrere Ankündigungen für das Event im Juni. Auf seinem Netzwerk Truth Social postete auch der Präsident die Veranstaltung unter dem Titel „UFC Freedom 250“. In diesem Jahr jährt sich die Unabhängigkeit der USA zum 250. Mal.

Donald Trump (r.) mit Außenminister Marco Rubio bei der UFC-Veranstaltung in Miami

Donald Trump (r.) mit Außenminister Marco Rubio bei der UFC-Veranstaltung in Miami

Zwar schien es so, dass Trump und Rubio zwischenzeitlich mit ernster Miene leise im Gespräch seien und Rubio seinem Chef etwas auf seinem Smartphone zeigte. Möglicherweise hatte Rubio in diesem Moment die Nachricht vom Scheitern der Verhandlungen in Islamabad erhalten – eine schlechte Nachricht für Trump, der auch innenpolitisch stark unter Druck steht. Als die Neuigkeiten im Publikum die Runde machten und die Kamera auf Trump und seinen Außenminister schwenkte, zeigten sich die beiden aber lächelnd. 

Nicht ganz klar ist, ob Trump nicht bereits vor dem Kampf wusste, dass Vance ohne einen Erfolg aus Pakistan zurückkehren würde. Auf dem Weg nach Florida hatte Trump laut „New York Times“ Reportern erklärt, es sei ihm gleichgültig, ob ein Abkommen mit dem Iran zustande komme oder nicht: „Wir gewinnen so oder so“, sagte er. „Wir haben sie militärisch besiegt.“

Trump: Vorwurf der Geschmacklosigkeit

Für sein MMA-Timing zeitgleich mit den Gesprächen über Krieg und Frieden musste Trump viel Kritik einstecken. In dem Moment, als Vance die Medien in Pakistan informierte, stand Trump regungslos am Rand des Rings, während der siegreiche Fighter bejubelt wurde. In den sozialen Medien entluden sich Empörung und Spott über Trump. „Weiß er, dass die USA in Verhandlungen über einen Krieg sind, den er angezettelt hat? Schande“, schreibt ein User. 

„Ich hoffe, Sie genießen Ihre Zeit auf Kosten der Steuerzahler“, schreibt jemand anders ironisch.

„Hart im Einsatz für das amerikanische Volk“, lautet ein anderer bissiger Kommentar.

„Während JD Vance in Islamabad verkündete, dass die Iran-Gespräche gescheitert seien, lungerte Außenminister Marco Rubio mit Donald Trump bei UFC Miami herum.“ Eine „absolute Clown-Show“ regiere das Land, schreibt der Kanal „Republicans against Trump“.

Der Iran-Krieg wird in der US-Bevölkerung kritisch gesehen, auch viele MAGA-Anhänger sind dagegen. Trumps Popularitätswerte sind auf ein historisches Rekordtief gefallen – belastet durch den Krieg und stark steigende Benzinpreise. Nach seinem Wahlerfolg hatte der Republikaner versprochen, die USA würden keine Kriege beginnen.