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Iranische FuballerinenZwei Frauen kicken jetzt ohne Kopftuch – alle anderen ziehen Asylantrag zurück

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16.03.2026, Australien, Brisbane: Die iranische Fußballspielerin Atefeh Ramezanisadeh kickt einen Ball beim Training des Vereins Brisbane Roar in Brisbane, Australien. Foto: Brisbane Roar/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

16.03.2026, Australien, Brisbane: Die iranische Fußballspielerin Atefeh Ramezanisadeh kickt einen Ball beim Training des Vereins Brisbane Roar in Brisbane, Australien. Foto: Brisbane Roar/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Irans Fußballerinnen waren in den Fokus der Weltöffentlichkeit gelangt. Australien bot ihnen Asyl an – aber nur zwei Frauen bleiben auch.

„Willkommen, Fatemeh und Atefeh“ – das schreibt der australische Fußballklub Brisbane Roar FC am Montag (16. März) in den sozialen Medien. Man begrüße Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh in den Trainingseinrichtungen des Erstliga-Vereins, heißt es in nüchternem Ton weiter. Allerdings handelt es sich nicht um einen normalen Transfer von zwei Spielerinnen, sondern die Ankunft der beiden Neuankömmlinge ist politisch hoch brisant. 

Pasandideh und Ramezanisadeh gehörten bis vor kurzem zur iranischen Nationalmannschaft und traten noch bei der Asienmeisterschaft der Frauen (AFC Women's Asian Cup) in Australien mit Kopftuch an. Sie und mehrere ihrer Kameradinnen hatten sich im ersten Spiel einen scheinbar kleinen Akt der Rebellion gegen das Mullah-Regime erlaubt und ihre Nationalhymne nicht mitgesungen. Daraufhin waren sie in ihrer Heimat in Ungnade gefallen und mussten mit Konsequenzen rechnen.

Die australische Regierung bot dem Team – nicht aber den begleitenden Offiziellen – Asyl an, wohl auch auf Druck der Weltöffentlichkeit und der iranischen Exilgemeinschaft in „Down Under“. Diese hatte mit massiven Protesten und geheimen Kontaktaufnahmen die Vorarbeit für die Arbeit der Behörden geleistet. 

Spielerin tritt in letzter Minute vom Asylgesuch zurück

Es nahmen tatsächlich auch mehrere der Frauen das Asylangebot Australiens an, allerdings zog sich der Prozess über mehrere Tage hin. Zu schwer fiel offenbar die Entscheidung, das Heimatland zu verlassen und die Angehörigen mutmaßlich brutalen Sanktionen des iranischen Regimes auszusetzen. Zunächst ersuchten fünf Spielerinnen um Asyl. Sie wurden sehr schnell aus dem Teamhotel und unter Polizeischutz an einen unbekannten Ort gebracht. Kurz danach schlossen sich zwei weitere Frauen an.

Die übrigen Team-Mitglieder machten sich unterdessen auf den Weg zurück in ihre Heimat. In letzter Minute änderte eine der Frauen dann doch noch ihre Meinung und trat vom Asylgesuch zurück. Da sie Kontakt zur iranischen Botschaft aufnahm und dort auch ihren Aufenthaltsort verriet, mussten die anderen Spielerinnen kurzzeitig an einen neuen Ort umziehen, um nicht ins Visier der Handlanger des iranischen Regimes zu geraten. 

„Systematischen Druck auf die Familien im Iran“

In den vergangenen Tagen zogen jedoch noch weitere Team-Mitglieder ihren Asylantrag zurück und wollen in ihre Heimat zurückkehren. Es besteht die konkrete Befürchtung, dass die Angehörigen vom Teheraner Regime, das zwar geschwächt, aber keinesfalls entmachtet ist, bedroht werden. Die Kapitänin Zahra Ghanbari machte zuletzt einen Rückzieher, sie schloss sich in Malaysia wieder ihren Kameradinnen an. Die 34-Jährige ist Kurdin und wuchs in Kangavar auf, der größten kurdisch geprägten Stadt Irans.

Shiva Amini, eine im Exil lebende ehemalige iranische Fußballspielerin, schrieb in einem Beitrag auf Instagram, dass „der iranische Fußballverband in Zusammenarbeit mit den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) intensiven und systematischen Druck auf die Familien der Spieler im Iran ausübt“.

Australiens Innenminister Tony Burke sagte bedauernd, man habe alle Möglichkeiten angeboten. Es gelte aber auch: „Wir können den Kontext, in dem die Spieler diese unglaublich schwierigen Entscheidungen treffen, nicht ausblenden.“

Die beiden einzigen in Australien verbliebenen Spielerinnen, Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh, können unterdessen auf den Rückhalt der australischen Gesellschaft und des Vereins Brisbane Roar setzen. Dieser schrieb, man sei „weiterhin bestrebt, ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten, während sie die nächsten Schritte ihrer Karriere meistern.“ Darüber hinaus wolle man aber keine Kommentare abgeben. 

Es wurden aber Bilder der beiden Spielerinnen veröffentlicht. Sie zeigen Pasandideh und Ramezanisadeh im Kreis der Mannschaft und beim Kicken – ohne Kopftuch und mit einem Lächeln auf den Lippen. Unter dem Instagram-Post von Brisbane Roar kommentierte Pasandideh als Zeichen der Zustimmung ein Handschlag-Emoji, während Ramezanisadeh „Thank you for everything“ schrieb.