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Abfuhr in New YorkKönig Charles von Bürgermeister geschnitten – Epstein-Skandal überschattet Treffen

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Der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani (l), begrüßt den britischen König Charles III. (2.vr) während eines Besuchs des 9/11-Memorial.

Der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani (l), begrüßt den britischen König Charles III. (2.vr) während eines Besuchs des 9/11-Memorial.

Prunk in Washington, Protest in New York: Nach dem Gold-Dinner bei Trump weht König Charles im Big Apple ein schärferer Wind entgegen.

Der Kontrast könnte kaum schärfer sein: Nach dem pompösen Empfang mit Goldtellern im Weißen Haus am Dienstag weht König Charles III. in New York ein eisiger Wind entgegen. Am Mittwoch erreichte der viertägige Staatsbesuch laut einem Bericht des „Guardian“ seinen diplomatischen Tiefpunkt, als der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani dem britischen Monarchen eine demonstrative Abfuhr erteilte.

König Charles trifft Mamdani: Protokollarische Eiszeit am 9/11-Memorial

Während US-Präsident Donald Trump den König noch als engen Verbündeten inszenierte, verweigerte Mamdani dem Gast aus London ein privates Treffen. Der Bürgermeister, ein demokratischer Sozialist, ließ über sein Team mitteilen, dass er lediglich an der offiziellen Kranzniederlegung am 9/11-Memorial teilnehmen werde. Ein Gespräch unter vier Augen lehne er ab.

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani trifft am 9/11-Memorial ein, kurz vor dem Besuch des britischen Königs Charles III. und Königin Camilla am 29. April 2026.

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani trifft am 9/11-Memorial ein, kurz vor dem Besuch des britischen Königs Charles III. und Königin Camilla am 29. April 2026.

Mamdani nutzte die Bühne stattdessen für eine scharfe politische Forderung: Er legte dem König öffentlich nahe, den legendären „Koh-i-Noor“-Diamanten aus den britischen Kronjuwelen an Indien zurückzugeben. Der 106-Karat-Edelstein gilt Kritikern als Symbol kolonialer Ausbeutung.

Das Zusammentreffen von Mamdani und Charles III. am 9/11-Memorial fiel dementsprechend kurz aus. Beim gemeinsamen Rundgang an den Gedenkbecken schüttelten sich beide lediglich die Hände und wechselten einige Worte. Während die Kameras einen oberflächlich freundlichen Moment mit einem Lächeln einfingen, blieb unklar, ob Mamdani seine Drohung wahr machte und den König im Vier-Augen-Gespräch tatsächlich auf den umstrittenen „Koh-i-Noor“-Diamanten ansprach.

Nach dem kurzen Händedruck trennten sich die Wege sofort wieder: Während Mamdani den Termin für beendet erklärte, zog der König weiter nach Harlem, um ein ökologisches Farm-Projekt zu besuchen. Es war ein Paradebeispiel für „Diplomatie auf Sparflamme“ – ein kurzes Lächeln für die Fotografen, aber keine Annäherung in der Sache.

Die Schatten der Vergangenheit

Doch nicht nur die koloniale Geschichte belastete den Besuch im „Big Apple“. Über dem Aufenthalt in Manhattan schwebte laut „The Guardian“ unübersehbar der Schatten des Jeffrey-Epstein-Skandals. New York war das Zentrum des Missbrauchsnetzwerks des verstorbenen Multimillionärs, zu dessen engem Kreis Charles’ Bruder, Prinz Andrew, gehörte.

Dass der König seinen Kranz am World Trade Center weniger als eine Meile entfernt von dem Gefängnis niederlegte, in dem Epstein 2019 starb, blieb in der US-Öffentlichkeit nicht unkommentiert. Opfer-Organisationen kritisierten scharf, dass Charles während seiner Reise kein Treffen mit Betroffenen der Epstein-Übergriffe eingeplant hatte.

Der Buckingham Palace lehnte jeden Kommentar zu den Forderungen des Bürgermeisters oder der anhaltenden Kritik im Epstein-Fall ab. Stattdessen versuchte das Königshaus, die Aufmerksamkeit auf wohltätige Projekte in Harlem zu lenken.

Während Charles in Washington noch mit britischem Humor gegen Trumps Vereinnahmung punktete, zeigt der Besuch in New York die Grenzen der royalen Diplomatie auf: In der Metropole wird der Monarch nicht als glanzvolles Symbol, sondern als Repräsentant einer Institution wahrgenommen, die sich ihrer eigenen Vergangenheit und den Fehltritten ihrer Mitglieder stellen muss.