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KommentarVierte Corona-Welle ist Folge politischer Fahrlässigkeit

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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt wieder massiv. Eine Folge politischer Fahrlässigkeit sagt unser Autor Carsten Fiedler. (Symbolbild)

In der Pandemie, das haben wir oft genug von Politikern in Bund und Land gehört, kann man nur auf Sicht fahren. Wer so redet, wirbt vorbeugend um Verständnis dafür, dass zwischen dem Erkennen von Problemen und lösungsorientiertem Handeln ein gewisses Kontingent an Zeit verstreicht.

Wie die vergangenen beinahe zwei Jahre Pandemiebekämpfung zeigen, hat diese Herangehensweise mal gut, mal gar nicht geklappt. Leider muss man heute wieder den Eindruck haben, dass das Gros der Entscheidungsträger von akuter schwerer Kurzsichtigkeit befallen ist.

Höchste Zahl an Corona-Neuinfektionen seit Pandemiebeginn

Man muss kein Virologe sein, um die dramatischen Zahlen der vierten Corona-Welle interpretieren zu können: Bei den Neuinfektionen verzeichnen wir die höchsten Zahlen seit Pandemiebeginn.

Und auch, wenn zwei Drittel der stationär aufgenommenen Corona-Patienten in den Krankenhäusern ungeimpft sind, muss die unerwartet hohe Zahl an Impfdurchbrüchen – Geimpfte, die an Corona erkranken – beunruhigen.

Diese Unruhe fühlen viele. Schülerinnen und Schüler, die zwar von der Maskenpflicht befreit sind, aber den Atemschutz trotzdem aus Vorsicht weiter im Unterricht tragen. Wirte im Rheinland, die ihre Türen am 11.11. nicht öffnen, obwohl sie dringend auf die Einnahmen zu Beginn der Karnevalssession angewiesen sind. Sie fürchten, die Sicherheit ihrer Gäste nicht garantieren zu können.

Corona-Impfquote ließ Sorglosigkeit steigen

Was seit dem Sommer unschwer zu beobachten war: Die Quote von mehr als zwei Drittel doppelt Geimpfter hat landauf landab die Risikobereitschaft und Sorglosigkeit steigen lassen. Warum auch sich testen lassen? Zumal die Politik die Vorbeugung voreilig und fahrlässig erschwert hat: Die Impfzentren wurden geschlossen, und kostenlose Bürgertests gibt es auch nicht mehr.

Carsten Fiedler

Letzteres sollte den Druck auf Ungeimpfte steigern – leider erfolglos, wie wir heute wissen. Stattdessen zeigen die drastisch steigenden Infektionszahlen, wie krass die politischen Fehleinschätzungen waren. Zumindest eine von ihnen könnte nun schleunigst dadurch korrigiert werden, indem die kostenlosen Bürgertests für alle wieder eingeführt werden.

Boosterimpfung, Impfzentren: Politik muss dringend handeln

Überhaupt schlingert das Land wie ein steuerungsloses Schiff in die vierte Welle. Viel Gerede auf der Brücke, aber kein klarer Kurs. Wann kommt die Boosterimpfung für alle jetzt endlich, und warum gibt es noch keine Aufklärungskampagne dafür? Was wird aus den voreilig geschlossenen Impfzentren?

Wie gehen wir in die nächsten Monate? Gilt 2G – geimpft oder genesen? Oder 2G plus – also mit zusätzlichem Test, wofür angesichts der aktuellen Entwicklung sehr vieles spricht? Und wie soll es gelingen, Ungeimpfte doch noch zu überzeugen, ein Impfangebot anzunehmen?

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Wertvolle Zeit ist seit dem Sommer verstrichen. Das erinnert fatal an die Situation zur gleichen Zeit im Vorjahr. Während des Wahlkampfes haben es Regierung und Parteien in Berlin offenbar vorgezogen, unpopuläre Maßnahmen und Wahrheiten im Kampf gegen Corona in Quarantäne zu schicken.

Dabei warnen Experten schon seit Monaten vor einem schweren Coronaherbst. Dass einmal mehr zu wenig geschah, ist ein eklatantes und selbstgemachtes Steuerungsversagen der politisch Verantwortlichen.