Marie-Agnes Strack-Zimmermann kommentiert das versuchte Attentat auf Donald Trump – und bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen.
„Dann gute Nacht“Mitschuld? Trump-Aussage sorgt für offenen Streit in der FDP

Wolfgang Kubicki zusammen mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann. In der FDP gibt es Wirbel um eine Aussage der Europapolitikerin zum versuchten Attentat auf Donald Trump. (Archivbild)
Copyright: IMAGO / Eibner
In der FDP gibt es offenen Streit: Auslöser sind Aussagen der Düsseldorfer Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann über den Attentatsversuch auf US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende. Ein Mann hatte am Samstagabend versucht, das Korrespondenten-Dinner des Weißen Hauses in einem Washingtoner Hotel zu stürmen, es fielen Schüsse.
Strack-Zimmermann äußerte sich im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ zum versuchten Attentat auf Trump – und sorgte mit ihren Worten für Gegenwind aus den eigenen Reihen. „Trumps brutale Aussagen Gruppen und Einzelpersonen gegenüber sind inzwischen so unterirdisch, dass man sich nicht mehr zu wundern braucht, dass diesen verbalen Exzessen schreckliche Taten folgen“, erklärte Strack-Zimmermann. Auch das sei Teil der Wahrheit, fügte die FDP-Politikerin an.
Wirbel um Trump-Aussage von Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Attentate habe es „tragischerweise in der Geschichte der Vereinigten Staaten häufig gegeben“, führte Strack-Zimmermann weiter aus. „Der einfache Zugang zu Waffen in den USA“ mache es potenziellen Attentätern dabei besonders leicht.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann spricht in einem Interview mit Journalisten. (Archivbild)
Copyright: dpa
Bei Parteikollege Wolfgang Kubicki, der für den FDP-Vorsitz kandidiert, kamen diese Worte nicht gut an. „Ich verstehe es nicht und kann es auch nicht verteidigen. Amerika ist immer noch ein demokratischer Rechtsstaat und Trump ein frei gewählter Präsident dieser großartigen Nation“, sagte Kubicki mit Blick auf Strack-Zimmermanns Worte gegenüber der „Bild“-Zeitung. „Nichts kann Gewalt deshalb rechtfertigen.“
Wolfgang Kubicki und Martin Hagen kritisieren Strack-Zimmermann
Kubickis designierter Generalsekretär Martin Hagen ging ebenfalls auf Distanz zu seiner Brüsseler Parteikollegin. „Ich halte Äußerungen, die den Anschein einer Täter-Opfer-Umkehr erwecken, für sehr unglücklich“, sagte Hagen gegenüber „Bild“. In Demokratien gebe es „keinerlei Rechtfertigung für Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung“. Das Boulevardblatt unterstellte Strack-Zimmermann zudem, Trump eine Mitschuld am Attentatsversuch auf ihn gegeben zu haben. Auch die „Rheinische Post“ betitelte ihren Artikel mit der Zeile „Strack-Zimmermann gibt Trump Mitschuld“.
Die FDP-Politikerin ließ diese Attacken allerdings nicht auf sich sitzen – und konterte auf der Plattform X. „Leider verkürzen Wolfgang Kubicki und Martin Hagen meine Äußerungen in einer Weise, die ich einer sachlichen Debatte zumindest als nicht dienlich ansehe und eher als Wahlkampf ansehen muss“, schrieb Strack-Zimmermann. „Von der Bezichtigung einer indirekten Mitschuld kann zudem keine Rede sein.“
Strack-Zimmermann kontert: „In einer fairen Debatte unglücklich“
Im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ habe sie das versuchte Attentat „selbstredend verurteilt“, da es „durch nichts zu rechtfertigen“ sei. Dieser Teil sei bei „Bild“ jedoch bewusst weggelassen worden, „was ich in einer fairen Debatte als mindestens unglücklich erachte“, hieß es weiter von Strack-Zimmermann.
Abseits davon habe sie schlichtweg „auf Fakten hingewiesen“, führte die Europapolitikerin aus. Dass „aus Worten Taten werden“, sei so „dramatisch wie Konsens“, schrieb Strack-Zimmermann weiter. „Nicht erst seit dem staatsstreichartigen Trumpschen Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 darf ein solch schreckliches Geschehen niemanden wundern.“
FDP-Politikerin kritisiert „Verkürzungen und Verfälschungen“
Für ihre Parteikollegen Kubicki und Hagen fand Strack-Zimmermann zudem deutliche Worte: „Von einem Kandidaten für den Parteivorsitz und seinem Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs erwarte ich keine Verkürzungen und Verfälschungen, sondern gerne kritische und harte, aber sachliche und faire Debatten.“ In einem weiteren, direkt an Hagen gerichteten Beitrag, schrieb Strack-Zimmermann zudem: „Wenn das der neue Stil der FDP zumindest aus Sicht eines Bewerberteams sein soll, dann gute Nacht.“ Kubicki und Hagen reagierten bisher nicht auf die Kritik ihrer Parteikollegin.
Am Samstagabend hatte der als Cole Tomas Allen identifizierte Schütze versucht, mit mehreren Waffen die Gala-Veranstaltung im Washingtoner Hilton-Hotel zu stürmen. Er hatte das Feuer im Hotel eröffnet, während Trump, seine Frau Melania und mehrere Regierungsmitglieder sowie Hunderte weitere Gäste im Ballsaal saßen. Ein Secret-Service-Mitarbeiter wurde bei einem kurzen Schusswechsel an seiner Schutzweste getroffen. Der Schütze wurde wenig später festgenommen.
Der Artikel wurde mit einem weiteren X-Beitrag von Marie-Agnes Strack-Zimmermann aktualisiert.

