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Lauterbach mischt sich ein„Leben retten“ – Kommt jetzt die deutsche Klimaanlagen-Wende?

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Der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach hat sich für Klimaanlagen ausgesprochen. (Archivbild)

Der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach hat sich für Klimaanlagen ausgesprochen. (Archivbild)

Deutschland ächzt unter der Hitze – aber Klimaanlagen haben Seltenheitswert. Karl Lauterbach hat dazu eine klare Meinung.

Während in Ländern wie den USA schon lange 90 Prozent der Haushalte über eine Klimaanlage verfügen, sieht das in Deutschland anders aus. Hierzulande sind laut einer Studie im Auftrag des Vergleichsportals Verivox nur etwa sechs Prozent der Wohnungen mit einer festen Klimaanlage ausgestattet, weitere 13 Prozent behelfen sich mit mobilen Geräten, die in der Regel deutlich schlechter kühlen.

Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Bislang waren Klimaanlagen in vielen europäischen Ländern, insbesondere in den nördlichen, nicht nötig. Der Klimawandel sorgt jedoch für eine andere Ausgangslage – Sommer mit extremer Hitze drohen Normalität und nicht mehr die Ausnahme zu werden.

Kaum Klimaanlagen in deutschen Wohnungen

Hinzukommt jedoch ein gewisser traditioneller Widerstand gegen Klimageräte, wie etwa Eurovent, der Branchenverband für Heizung, Lüftung, Klimatisierung und Kältetechnik, berichtet. „In den Tipps, wie man sich kühl hält, die in den sozialen Medien kursieren, sehe ich immer noch Ratschläge, auf die Nutzung von Klimaanlagen zu verzichten“, erklärte der stellvertretende Eurovent-Generalsekretär Stijn Renneboog der Deutschen Welle.

Kühlung werde in Europa und Deutschland immer noch viel zu oft „als Luxus abgetan“, obwohl es jährlich zehntausende hitzebedingte Todesfälle in Europa gebe, kritisierte der Eurovent-Vertreter. 

Hype um chinesisches Klimagerät in den sozialen Netzwerken

Die aktuelle Hitzewelle scheint nun jedoch auch hierzulande zu einem Umdenken zu führen. Um ein selbst zu installierendes Split-Klimagerät einer chinesischen Marke ist in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Tagen ein regelrechter Hype entbrannt. Doch auch Vorbehalte gegen die „amerikanische Lösung“ halten sich hartnäckig. Viele Verbraucher fürchten etwa hohe Stromkosten durch Klimageräte.

Grundsätzliche Stromfresser sind Klimaanlagen jedoch nicht. Wie viel Strom eine Klimaanlage verbraucht, hängt vorrangig vom Gerätetyp und der Nutzung ab. Besonders mobile Klimageräte mit Abluftschlauch gelten als vergleichsweise ineffizient. Moderne Split-Klimaanlagen gelten hingegen als die energieeffizienteste Lösung – da kein Fenster für einen Abluftschlauch geöffnet werden muss, geht weniger Kühlleistung verloren.

Strom für Klimaanlage kostet „40 bis 140 Euro jährlich“

Grundsätzlich müsse man mit zusätzlichen Stromkosten von „40 bis 140 Euro jährlich“ rechnen, erklärte Meike Militz, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, gegenüber der „Tagesschau“. Die Stiftung Warentest kommt laut dem Bericht der ARD zu einem ähnlichen Ergebnis: „Moderne Geräte mit hoher Effizienz lohnen sich langfristig nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell.“

Diese Erkenntnis scheint sich inzwischen auch in Deutschland zu verbreiten. Wer derzeit die Hotlines von MediaMarkt und Saturn anruft, bekommt laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung folgende Bandansage zu hören: „Aktuell erreichen uns eine Vielzahl von Anfragen bezüglich der Verfügbarkeit von Klimageräten und Ventilatoren. Leider sind die Bestände erschöpft, sodass wir Ihnen keine direkten Auskünfte über die Verfügbarkeit in unseren Märkten geben können.“ Sprich: Die Geräte sind bei den beiden großen Elektronikmärkten derzeit ausverkauft. 

Karl Lauterbach ist pro Klimaanlagen: „Vorbehalte sind falsch“

Angesichts der insbesondere für Vorerkrankte, Ältere und Kinder gefährlichen Hitzewelle ruft nun auch der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu einem Umdenken in Deutschland auf. „Vorbehalte gegen Klimaanlagen sind falsch“, schrieb der Kölner SPD-Politiker am Samstag auf der Plattform X. 

Klimageräte würden in Zukunft „im Sommer gerade für ärmere Menschen in heißen kleinen Wohnungen Leben retten“, führte Lauterbach aus und fügte hinzu: „Im Zeitalter erneuerbarer Energien ist ihr Stromverbrauch an heißen Tagen kein Hindernis im Kampf gegen den Klimawandel.“

Für die Wortmeldung bekam der SPD-Politiker in dem sozialen Netzwerk viel Zustimmung. Die Klimaanlagen-Wende scheint spätestens mit der aktuellen Hitzewelle in Deutschland begonnen zu haben.