- Die frühere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kehrte erstmals nach drei Jahren ans Rednerpult im Landtag zurück.
- Dort hielt die ehemalige Landesmutter eine bewegende Rede zum zehnten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe.
Düsseldorf – Hannelore Kraft war 2010 erst wenige Tage als NRW-Ministerpräsidentin im Amt, als bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 21 Menschen ums Leben kamen und mehr als 650 zum Teil schwer verletzt wurden. In einer viel beachteten Ansprache versicherte sie den Angehörigen damals bei einer Trauerfeier, dass sie „nicht allein“ seien und das Land an ihrer Seite stehe.
Nachdem ein zähes Gerichtsverfahren im Mai ohne Schuldspruch zu Ende gegangen ist, jährt sich das Unglück jetzt zum zehnten Mal. Ein Anlass, der für die SPD-Politikerin wichtig genug war, um im Parlament noch einmal das Wort ergreifen. „Die Wunde wird bleiben, die Enttäuschung, und auch die Wut“, erklärte frühere Ministerpräsidentin.
Hannelore Kraft zählt alle Todesopfer auf
Mit gebrochener Stimme zählte sie die Vornamen und das Alter aller Todesopfer auf. Den Hinterbliebenen sagte Kraft: „Wir bitten sie um Vergebung.“ Kraft hatte die Betreuung der Angehörigen der Opfer nach dem Unglück zur Chefsache gemacht. Immer wieder telefonierte sie in ihrem Büro in der Staatskanzlei persönlich mit Eltern, die ihre Kinder verloren hatten.
Kraft spendete ihnen Trost und sicherte ihnen die Unterstützung des Landes zu. Die Ereignisse des 24. Juli 2010 hatten die damalige Regierungschefin auch persönlich betroffen. Ihr Sohn war an dem Tag mit Freunden zum Feiern nach Duisburg gefahren und mit im Gedränge. Kraft beklagte in ihrer Rede, dass damals niemand die Verantwortung für das Unglück übernehmen wollte. Der damalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) war trotz massiver Kritik im Amt geblieben.
Kraft durchbricht eine ungeschriebene Regel
Kraft war 2017 nach der Wahlniederlage von Rot-Grün von Armin Laschet als Regierungschefin abgelöst worden. Seitdem kümmert sie sich vor allem um ihren Wahlkreis in Mülheim an der Ruhr. Es ist nicht üblich, dass ehemalige Ministerpräsidenten sich im Parlament an prominenter Stelle nochmal zu Wort melden. Eine ungeschriebene Regel, die jetzt durchbrochen wurde. Erstmals nach drei Jahren trat die frühere Landesmutter wieder ans Rednerpult.
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CDU und FDP nutzen die Gelegenheit, sich bei Kraft ausdrücklich für das über die Parteigrenzen hinweg anerkannte Engagement bei der Opferbetreuung zu bedanken. Armin Laschet erklärte, Kraft habe mit ihrem besonnenen und mitfühlenden Auftreten bei der Trauerfeier im Jahr 2010 ein „Stück Respekt für den Staat zurückgewonnen“.
Loveparade: Fonds für die Opfer des Unglücks
CDU, FDP, SPD, Grüne und AfD beschlossen einstimmig, eine Kommission einzusetzen, die neue Regeln für die Durchführung von Großveranstaltungen beschließen soll. Bereits 2010 hatte es Als Konsequenz aus dem Unglück verschärfte Richtlinien gegeben. Diese sollen jetzt auf Grundlage des Urteils überarbeitet werden. In dem Prozess war die Verkettung der Ereignisse, die zu dem tödlichen Gedränge in dem Zugangstunnel führten, minutiös aufgearbeitet worden.
Aus der Rekonstruktion der Abläufe ließen sich nun weitere Erkenntnisse für künftige Anforderungen an die Durchführung von Großveranstaltungen ziehen, erklärte Laschet. Der Landtag beschloss zugleich, einen Fonds in Höhe von fünf Millionen Euro einzurichten, um die Opfer des Unglücks weiterhin unterstützen zu können.
Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der Auftritt der früheren Ministerpräsidentin sei ein „sehr bewegender Moment“ gewesen: „Dass Hannelore Kraft heute als Abgeordnete im Landtag erstmalig wieder am Rednerpult gesprochen hat, zeigt, welche große Bedeutung die Anteilnahme und das Gedenken an die Opfer des Loveparade-Unglücks für sie als Mensch, aber auch für unser ganzes Land hat“, erklärte der Politiker aus Essen. Sie habe mit ihrem persönlichen Auftritt „dem Andenken an die Opfer die Würde gegeben.“


