Abo

München wählt GrünDominik Krause wird neuer Rathauschef

4 min
Kommunalwahlen in Bayern - Stichwahl München

Münchens neuer OB.

Der 35-jährige Grüne sorgt für eine politische Sensation und besiegt in der Stichwahl den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD).

Erstmals in der Stadtgeschichte führt ein Grüner das Münchner Rathaus: Dominik Krause (35) hat die Oberbürgermeister-Stichwahl gegen Dieter Reiter (SPD) für sich entschieden.

An einem denkwürdigen Sonntag für München hat Dominik Krause den Sieg bei der Stichwahl um den Posten des Oberbürgermeisters errungen. Er setzte sich klar gegen den bisherigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) durch. Damit übernimmt zum ersten Mal in der Historie der bayerischen Landeshauptstadt ein Politiker der Grünen die Führung im Rathaus. Um den Erfolg sicherzustellen, hatte Krause, wie auf seinem Instagram-Profil zu sehen war, zuvor die Schnauze eines Bronzelöwen an der Münchner Residenz berührt – ein lokaler Brauch, der Glück verheißt.

Feierstimmung bei den Grünen nach Wahlerfolg

Auf der Wahlparty seiner Partei wurde der Sieg laut dpa mit Sprechchören und dem Oktoberfest-Hit „Bella Napoli“ zelebriert. Krause selbst bezeichnete das Ergebnis als „Irre“ und „Wahnsinn“, als er die Bühne betrat. Er sprach von einer Sensation und einem historischen Tag. Sein Dank galt dem „gigantische Vertrauen“ der Wähler. Krause kündigte an, er wolle „ein weltoffenes und buntes München erhalten“. Er fügte hinzu: „Die Münchnerinnen und Münchner haben gezeigt, sie haben genau darauf Bock“. Dies sei die wahre Sensation des Abends.

Kommunalwahlen in Bayern - Stichwahl München

Krause spricht von einer Sensation.

Oktoberfest-Kontroverse und künftige Aufgaben

Der 35-Jährige hatte bereits für überregionales Aufsehen gesorgt, als er am 8. März gegen den Amtsinhaber Reiter eine Stichwahl erzwang. Eine ähnliche Aufmerksamkeit hatte er zuvor nur einmal erhalten, und zwar 2023, kurz nachdem er Zweiter Bürgermeister wurde. Damals bezeichnete er das Münchner Oktoberfest als die „weltweit größte offene Drogenszene“. In seiner neuen Funktion wird er nun als erster grüner Oberbürgermeister das erste Fass auf der Wiesn anstechen.

Für diese Aufgabe sei er zuversichtlich, zwei Schläge würden genügen. „Das hab' ich schon mehrfach geschafft“, äußerte er sich dazu im Laufe des Wahlkampfs.

Respektvoller Umgang im Wahlkampf

Abgesehen von der Äußerung zum Oktoberfest präsentierte sich Krause durchweg als freundlich und bisweilen zurückhaltend. Selbst als sein Kontrahent Reiter aufgrund der Affäre um bezahlte Mandate beim Fußballclub Bayern München stark unter Druck geriet, wahrte der 35-Jährige stets Fairness. Er vermied persönliche Angriffe auf den Amtsinhaber und hob stattdessen die durchweg gute und respektvolle Kooperation mit seinem bisherigen Vorgesetzten hervor.

Seine Anhänger mussten bei der Feier der Grünen laut einem Sprecher etwas auf ihn warten, da er zunächst noch mit dem geschlagenen Reiter kommunizierte. Eine seiner ersten Danksagungen richtete er öffentlich an seinen Kontrahenten. „Wir haben gezeigt, wie Politik ausschauen kann“, erklärte er. „Vielen Dank an Dieter Reiter.“

Inhaltliche Schwerpunkte statt Personenkult

Im Gegensatz zu Reiter, der eine stark personalisierte Kampagne unter dem Motto „Passt“ führte, die an Angela Merkels „Sie kennen mich“ erinnerte, konzentrierte sich Krause auf Sachthemen. Sein Slogan lautete „Weil mehr geht“, womit er neue Impulse für das Rathaus versprach. Ein zentrales Versprechen war die Schaffung von 50.000 neuen, bezahlbaren Wohnungen. „Wir müssen schneller werden und wir müssen vielleicht an der ein oder anderen Stelle mehr tun“, so seine Aussage.

Krause scheut jedoch keine Konflikte, auch nicht innerhalb der eigenen Partei. Er hat keine Furcht vor Auseinandersetzungen mit Parteifreunden. Als er sich im August 2024 öffentlich für eine Olympia-Bewerbung Münchens positionierte, sorgte dies bei vielen Grünen für Irritation.

Gleichzeitig holte er sich im Wahlkampf Unterstützung von seinem Parteikollegen Robert Habeck. Damit nahm Krause in Bayern ein gewisses Wagnis auf sich, da die CSU seit Jahren vehement gegen Habeck agiert. Mit dem Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak ging er vor der Stichwahl auf eine Kneipen-Wahlkampftour.

Sein politisches Wirken bei den Grünen, dem er seit 2014 als Mitglied des Münchner Stadtrats nachgeht, führt er auf Erlebnisse während einer Demonstration von Neonazis in München zurück.

Der Physiker Krause ist, ebenso wie sein Kontrahent Reiter, ein gebürtiger Münchner und stark in seiner Heimatstadt verwurzelt. Als seine bevorzugten Orte in der Stadt bezeichnet er die Isar und den kürzlich mit vielen Krokussen bepflanzten Max-Joseph-Platz vor der Oper.

Der „Bürgaymeister“ und sein privates Glück

Krause, der sich gelegentlich selbst als „Bürgaymeister“ bezeichnet, teilt sein Leben mit seinem Verlobten Sebastian, einem Mediziner, im Stadtteil Giesing. Kennengelernt habe er ihn laut eigener Aussage bei einem Tanzkurs. Nach dem errungenen Sieg richtete er einen Dank „an die Liebe meines Lebens“, denn ohne ihn wäre dies alles nicht machbar gewesen: „Lieber Sebi, Dankeschön.“

Kommunalwahlen in Bayern - Stichwahl München

Ein Kuss für «die Liebe meines Lebens».

Kritik an seinem angeblich zu jungen Alter für das Amt des Oberbürgermeisters begegnet Krause, der Wandern, Klettern und Skifahren zu seinen Hobbys zählt, mit Selbstsicherheit. Er zieht dabei gerne den Vergleich zu Hans-Jochen Vogel. Der SPD-Politiker war bei seiner Wahl auf den Chefsessel im Rathaus von München im Jahr 1960 ebenfalls erst 34 Jahre alt. (red)

Als Reiter im Vorjahr infolge einer Operation für zwei Monate ausfiel, hatte Krause bereits dessen Amtsgeschäfte reibungslos und kompetent übernommen. Auch während der intensiven Phase vor der Stichwahl führte er die Geschäfte weiter, da Reiter für den Wahlkampf Urlaub genommen hatte. Krause erklärte, er werde sich seiner neuen Position nun „mit der notwendigen Demut und Respekt vor diesem Amt“ widmen. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.