Die Veröffentlichung der Epstein-Files sorgt weiterhin für viel Wirbel. Die Verbindungen des Sexualstraftäters nach Moskau rücken in den Fokus.
Sammelte Epstein „Kompromat“?„Ich organisiere ein Abendessen für ein paar neue russische Mädchen“

Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zusammen mit Mittäterin Ghislaine Maxwell auf einer Archivaufnahme. Epsteins Verbindungen nach Russland rücken nun in den Fokus.
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Nach der Veröffentlichung unzähliger Dokumente, Fotos und Videoaufnahmen aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein rücken mögliche Verbindungen des Sexualstraftäters nach Russland in den Fokus. Polens Ministerpräsident Donald Tusk etwa scheint mittlerweile überzeugt, dass Epstein ein russischer Spion war.
„Immer mehr Hinweise, immer mehr Informationen und immer mehr Kommentare in der internationalen Presse deuten darauf hin, dass dieser beispiellose Pädophilieskandal von russischen Geheimdiensten mitorganisiert wurde“, wird Tusk etwa vom britischen „Telegraph“ zitiert.
Polen will Epstein-Verbindungen nach Moskau untersuchen
Polen will wegen dieser möglichen Verbindungen zu Moskaus Geheimdiensten nun eine Untersuchung starten. „Das kann nur bedeuten, dass sie auch kompromittierendes Material gegen viele heute noch aktive Führungskräfte besitzen“, erklärte Tusk und fügte hinzu, dass es sich somit um eine gefährliche Lage handele.
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Allein in der letzten Charge veröffentlichter Epstein-Dokumente taucht der Name von Kremlchef Wladimir Putin mehr als 1000 Mal auf, die russische Hauptstadt Moskau wird derweil mehr als 9000 Mal erwähnt. Epstein soll Putin Berichten zufolge außerdem gleich mehrfach persönlich getroffen haben, etwa im Jahr 2011 – also sogar noch nach Epsteins Verurteilung wegen Begünstigung der Prostitution einer Minderjährigen im Jahr 2008.
Wladimir Putin und Moskau oftmals in „Epstein-Files“ genannt
Dem ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten und Außenminister Thorbjørn Jagland schrieb Epstein zudem, er könne Putin sagen, wie er am besten mit US-Präsident Donald Trump umgehen sollte. Auch dem russischen Außenminister Sergei Lawrow versprach der Sexualstraftäter „Einblicke“ zum US-Präsidenten.
Aus den in der jüngsten Veröffentlichung der Akten enthaltenen E-Mails geht obendrein hervor, dass Epstein und seine Komplizen häufig junge russische Frauen für ihr Netzwerk rekrutierten. So bot Epstein dem britischen Ex-Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor etwa an, ihn einer „wunderschönen“ 26-jährigen Frau aus Russland vorzustellen.
„Ein Abendessen für ein paar russische Mädchen“
Die Dateien enthalten zudem E-Mail-Anfragen zur Buchung von Flügen für Models und Escortdamen zwischen Moskau, Paris und New York. In einer E-Mail aus dem Jahr 2010 an eine Person, deren Name geschwärzt wurde, schrieb Epstein: „Morgen organisiere ich ein Abendessen für ein paar neue russische Mädchen … wir sehen uns um 10.“

Jeffrey Epstein zusammen mit einer Frau in seinem Privatflugzeug. (Archivbild)
Copyright: IMAGO/Capital Pictures
Angesichts dieser offenkundigen Verbindungen nach Russland, kursiert nun die These, dass Epstein von Russland möglicherweise dafür eingesetzt wurde, sogenanntes „Kompromat“ zu beschaffen. Dabei handelt es sich um klassisches russisches Geheimdienstvorgehen. Einflussreiche Geschäftsleute, Medienmogule und Politiker sollen so gezielt zu sexuellen Begegnungen mit Frauen verleitet werden, um das Wissen darüber später zur Erpressung nutzen zu können.
„Sie geben der Zielperson das Gefühl, etwas Besonderes zu sein“
Bei der Manipulation ihrer Zielpersonen habe Russland viel Ausdauer, schilderte Nathalie Vogel, Expertin für hybride Kriegsführung am Institute of World Politics in Washington, bereits im Jahr 2023 im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ das Vorgehen russischer Geheimdienste.
Die Beeinflussung erstrecke sich in manchen Fällen über Jahrzehnte, so die Expertin. „Sie bürsten die Egos und geben der Zielperson das Gefühl, etwas Besonderes zu sein“, erklärte Vogel. Während der Kreml gegen Kritiker mit allen Arten der Denunziation vorgehe, würden die potenziellen Propaganda-Multiplikatoren „verhätschelt“ und mit dem exklusiven Zugang in hochrangige Kreml-Kreise belohnt.
„Viele seiner Mädchen waren Russinnen“
In Deutschland sei etwa die Beeinflussung von Altkanzler Gerhard Schröder die bisher „erfolgreichste russische Operation“ gewesen, führte Vogel aus. Vor diesem Hintergrund erscheint es denkbar, dass Moskau auch bei Persönlichkeiten wie Epstein seine Finger im Spiel gehabt haben könnte – so wie Tusk es nun vermutet hat.
Auch die in Kyjiw ansässige Journalistin Tanya Kozyreva hält eine russische „Kompromat“-Operation für denkbar. „Epstein hatte Berichten zufolge Kontakt zu russischen Beamten und Putin selbst. Viele seiner Mädchen waren Russinnen. Mächtige westliche Eliten verkehrten in seinem Umfeld“, zitierte der „Telegraph“ die Journalistin. „Wie wahrscheinlich ist es, dass es sich hier nicht um eine klassische russische Kompromat-Operation handelte – und das Justizministerium das Offensichtliche einfach ignoriert?“
„Wer wird dadurch weiter erpresst und von wem?“
In Deutschland wird der Verdacht mittlerweile ebenfalls diskutiert. „Es sieht alles danach aus, dass Russland das System Epstein mit aufgebaut hat“, schrieb etwa die Grünen-Politikerin Sara Nanni auf der Plattform X und fügte hinzu: „Wie praktisch, wenn man widerlichstes Erpressungsmaterial über einen Haufen wichtiger, alter weißer Männer aus dem Westen hat.“
Sie wolle wissen, „wer die Epstein-Zombies“ sind, hieß es weiter von der Grünen-Politikerin. „Wer wird noch geschützt und warum? Wer wird dadurch weiter erpresst und von wem?“ Angesichts der in Polen geplanten Untersuchung der möglichen Epstein-Verbindungen zum russischen Geheimdienst schrieb Nanni außerdem: „Ich möchte das in Deutschland sehen!“
Auch Moskau reagierte mittlerweile auf den im Westen diskutierten Verdacht. Kirill Dmitrijew, Chefunterhändler von Kremlchef Putin, hat eine Verstrickung des russischen Geheimdienstes in den Epstein-Skandal mit scharfen Worten als Lüge zurückgewiesen. „Die verzweifelten, verkommenen und verlogenen linken Eliten verfallen in Panik und versuchen, in die Irre zu führen“, schrieb Dmitrijew bei X. Die Welt sei der Lügen „satanistischer liberaler Eliten“ aber überdrüssig und durchschaue sie, hieß es weiter.

