Bei den „No Kings“-Demonstrationen wollen am Samstag Millionen Menschen gegen die Trump-Regierung auf die Straße gehen.
„No Kings“-DemosTrump-Gegner hoffen auf größte Proteste in der US-Geschichte

Cheyenne: Demonstranten nehmen im Oktober 2025 an der „No-Kings“-Demonstration vor dem Wyoming State Capitol teil.
Copyright: Milo Gladstein/The Wyoming Tribune Eagle/dpa
Donald Trump mag anderes behaupten, aber die US-Amerikaner stellen ihm derzeit das bisher verheerendste Zeugnis seiner beiden Amtszeiten aus. Die Beliebtheitswerte des Präsidenten sind schlechter als am Beginn der Corona-Pandemie 2020 oder nach dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021.
Seine Wirtschaftskompetenz – einst die vermeintlich größte Stärke – wird längst als riesige Schwäche wahrgenommen. Millionen Amerikaner sind sauer über die stark gestiegenen Benzinpreise und den unbeliebten Iran-Krieg, viele lehnen die brutale Anti-Einwanderungspolitik ab oder kritisieren die Verschleppung des Epstein-Skandals.
In dieser Stimmung hoffen Trumps Gegner darauf, am Samstag den größten Protesttag in der Geschichte der Vereinigten Staaten zu organisieren. Unter dem Motto „No Kings“ („Keine Könige“) soll es mehr als 3200 Veranstaltungen geben – darunter auch Dutzende im Ausland, unter anderem in München, Frankfurt, Wien und Zürich. Bei der vergangenen Auflage im Herbst waren laut den Veranstaltern rund sieben Millionen Menschen zu etwa 2700 Demos gekommen – das wäre ein Rekord in der US-Historie. Vorsichtigere Schätzungen waren auf gut 4,4 Millionen Teilnehmer gekommen.
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Die Republikaner schweigen
Angesichts dieser Zahlen versuchen es die Republikaner dieses Mal mit einer neuen Taktik: Trump und seine Partei schweigen zu den Demos. Im Herbst war das noch anders, als sein Lager die Protestierenden als „Amerika-Hasser“ und gefährliche „radikale Linke“ brandmarkte – ein Urteil, das sich schnell als hanebüchen herausstellte, angesichts von weit überwiegend eher älteren Teilnehmern, bunt verkleideten und tanzenden Demonstranten und oft auch fröhlichen Schildern wie „So schlimm, dass sogar die Introvertierten hier sind“.
Bei den Protesten hatte zudem auch die New Yorker Polizei NYPD schnell online kommuniziert, dass dort zwar mehr als 100.000 Teilnehmende gekommen seien – es aber „null protestbezogene Verhaftungen“ gegeben habe.
Nichtsdestotrotz kämpfen die Demonstranten weiter um Anerkennung. Sie wollen den Eindruck entkräften, dass ihre Aktionen verpuffen. Denn immer wieder bringen Kritiker an, dass die antikapitalistische „Occupy Wall Street“-Bewegung, die Schwarzen-Proteste „Black Lives Matter“ oder die „Pussyhats“-Kundgebungen in Trumps erster Amtszeit politisch weitgehend folgenlos blieben.
„No Kings“ werben um neue Unterstützer
„Die ‚No Kings‘-Proteste senden eine Botschaft: Der Typ, der so gern übermächtig erscheinen möchte, ist in Wahrheit gar nicht so mächtig“, sagt Ezra Levin von Indivisible, einer Bürgerrechtsorganisation, die vielerorts die Veranstaltungen begleitet. Eine einzelne davon reiche natürlich nicht aus, um Trumps autoritäre Bewegung zu stoppen, sagt Levin im Podcast „Bulwark Takes“. „Aber ein Ein-Tages-Protest kann Leute in die Bewegung holen“, glaubt er. Danach könne weiteres Bürgerrechtsengagement folgen, und es sei leichter, etwa Schul- oder Einzelhandelsboykotte zu organisieren.
Das habe beispielsweise in Minneapolis gut funktioniert, sagt er. Dort blieben aus Protest unter anderem Geschäfte und Kirchen geschlossen. Lehrer verweigerten den Unterricht, nachdem Einsatzkräfte der Einwanderungsbehörde ICE die beiden Demonstrierenden Renée Good und Alex Pretti getötet hatten.
Die „No Kings“-Organisatoren wollen deshalb in vielen Orten anders vorgehen als bisher. In manchen Großstädten, darunter Austin in Texas, gibt es am Ende der Proteststrecke Kundgebungen mit Ständen von Menschenrechtsgruppen, die Adressen sammeln und versuchen, neue Mitglieder zu gewinnen, berichtet die Webseite „Statesline“. In Huntsville im tief republikanischen Alabama sind die Teilnehmenden ausdrücklich dazu aufgerufen, den Namen ihres Stadtteils auf Plakate zu schreiben, damit sich Nachbarn schneller zusammenfinden und künftige Aktionen planen können.
Mehr Widerstand als in Trumps erster Amtszeit
Zählungen der Universität Harvard widerlegen aber ohnehin den Eindruck, dass es in der Zivilbevölkerung weniger Widerstand gibt als während Trumps erster Amtszeit. Dort hat das „Crowd Counting Consortium“ um die Politikwissenschaftlerin Erica Chenoweth für das Jahr 2025 mehr als doppelt so viele Veranstaltungen wie 2017 mit deutlich mehr Teilnehmenden gezählt. Auch in ländlichen Regionen, in denen besonders viele Anhänger von Trump und den Republikanern leben, habe der Protest deutlich zugenommen. Üblicherweise konzentrieren sich solche Aktionen eher auf Großstädte, sagte Chenoweth dem „Guardian“.
Bei der Auswertung von mehr als 300 gewaltlosen Protestbewegungen zwischen 1900 und 2006 hat ihr Team außerdem eine Konstante entdeckt: Keine Regierung hat auf Dauer eine Protestbewegung überwunden, an der mehr als 3,5 Prozent der Bevölkerung teilgenommen haben. Chenoweth räumt ein, dass die damit rund zwölf Millionen nötigen aktiv Demonstrierenden in den USA noch nicht erreicht seien – aber die aktuelle Welle könne dennoch eine Initialzündung sein. Viele Teilnehmer würden sich danach befähigter zu anderen Aktionen fühlen: „Wenn die dominante Erzählung in der Politik eine andere ist, dann ist das eine sehr wichtige Emotion, die Menschen empfinden und verinnerlichen.“

