Düsseldorf – Die alte Dame weiß seit kurzem, dass sie unheilbar krank ist. Jetzt sitzt die 81-Jährige im Bett und erzählt, wie es ihr geht. „Es ist ein Glücksfall für mich, hier zu sein“, erklärt sie den Besuchern. Klar, im Krankenhaus hätten sich die Pfleger auch alle Mühe gegeben, für die Patienten da zu sein. „Aber hier kommt immer sofort jemand, wenn ich etwas brauche.“
Die Seniorin ist seit zehn Tagen im Hospiz am Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf untergebracht. „Wir wollen die Lebensqualität möglichst bis zum letzten Atemzug hoch halten“, erklärt Leiterin Barbara Krug. Es werde nicht mehr auf die Gesundung der Kranken hingearbeitet. „Wir ermöglichen unseren Patienten ein möglichst symptom- und schmerzfreies Ende voll Selbstbestimmung und Würde“, sagt Krug. „Wir alle wissen, dass der Tod zum Leben gehört – aber mit dem bevorstehenden Tod zu leben, ist dann doch eine große Herausforderung.“
70 stationäre Hospize begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg
In NRW gibt es rund 70 stationäre Hospize, die Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. In der ambulanten Pflege gibt es aber immer noch zu wenige Spezialisten. Auch in den Seniorenheimen gibt es Nachholbedarf bei der palliativen Betreuung.
„Anstatt die Menschen in Ruhe sterben zu lassen, steht oft der Grundsatz, dass die Bewohner mobilisiert werden müssen, im Vordergrund“, sagt Martina Kern dem „Kölner Stadt-Anzeiger.“ Die gelernte Pflegefachkraft koordiniert in NRW die Ansprechstelle zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung (Alpha) im Rheinland.
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Rund 170 000 Menschen sind in NRW in Alten- und Pflegeeinrichtungen untergebracht. Zugang zur Palliativmedizin haben vor allem Tumorkranke. 91 Prozent der Menschen, die in Hospizen versorgt werden, leiden an Krebs. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nur selten anzutreffen, obwohl sie zu den häufigsten Todesursachen gehören. „Ein palliativer Ansatz sollte in vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens viel breiter zur Anwendung kommen als bislang“, sagt Kern.
Der Begriff „palliativ“ stammt vom lateinischen Wort „pallium“, der Mantel. Der soll sich schützend um die Menschen hüllen, die an unheilbaren Krankheiten leiden. Die Entscheidung, einen geliebten Angehörigen „gehen zu lassen“, ist nicht immer leicht zu akzeptieren, zum Beispiel wenn Sterbende nicht mehr oder nur wenig essen mögen.
CDU und FDP wollen bessere Palliativversorgung auch im ambulanten Bereich
CDU und FDP im Landtag wollen die Palliativversorgung in Pflegeheimen und durch Pflegedienste jetzt verbessern; ein entsprechender Antrag wurde jetzt im Gesundheitsausschuss beschlossen. „Auch sterbende Menschen haben noch ein Behandlungsziel – nur heißt es nicht mehr Heilung, sondern Linderung und Begleitung“, sagt Peter Preuß, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU im Landtag. „Wir brauchen eine Vernetzung aller Angebote vor Ort, damit für jeden das Richtige dabei ist – und wir brauchen lückenlose Information darüber.“
So ist nach dem Hospiz- und Palliativgesetz die Sterbebegleitung ausdrücklich Bestandteil der Pflegeversicherung. Die meisten Menschen wünschten sich wenn möglich einen Tod zu Hause. „Deshalb brauchen wir mehr Pflegedienste, die auch eine Palliativversorgung anbieten – also den medizinischen Erhalt von Lebensqualität bis zum Schluss.“



