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Aachens OB watscht Köln ab„Hätte mehr Olympia-Euphorie erwartet“

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Kölns OB Torsten Burmester (SPD) und sein Aachener Amtskollege Michael Ziemons (CDU).

Kölns OB Torsten Burmester (SPD) und sein Aachener Amtskollege Michael Ziemons (CDU).

Köln hat für Olympia votiert, aber die Zustimmung ist mit 57,3 Prozent vergleichsweise niedrig ausgefallen. Michael Ziemons, der in Aachen 76,3 Prozent erzielen konnte, erklärt sein Erfolgsrezept.

An einem Abend, den der Ministerpräsident als „historisch“ bezeichnet, lassen sich naturgemäß nur wenige Partygäste finden, die bereit sind, auch mal Wasser in den Wein zu gießen, ein bisschen zumindest. Michael Ziemons, seit 2025 Oberbürgermeister von Aachen, ist so einer. Als am späten Abend bei dem Auszählevent im Köln-Triangle endlich ein Zwischenergebnis der Kölner Olympiabefragung verkündet wird, bei dem die Zustimmung bei etwa 55 Prozent liegt, runzelt er die Stirn. „In einer Stadt, die sich selbst in mehr als 3000 Karnevalsliedern besingt, hätte ich schon etwas mehr Euphorie erwartet“, sagt der CDU-Politiker im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.  Seine Begleiter nicken zustimmend.

Ziemons gehörte zu den wenigen Stadt-Oberhäuptern aus NRW, die das Ende Olympia-Veranstaltung in Köln-Deutz noch persönlich miterlebten. Viele waren gegangen, nachdem ihre Ergebnisse unter dem Jubel der Teilnehmer verkündet worden waren – und sich abzeichnete, dass Köln bei der Auszählung wohl noch bis in den frühen Morgen brauchen würde. Auch die Zahlen aus Aachen trafen spät ein und lösten gute Stimmung aus. Dort stimmten 76,3 Prozent der Wähler für die Ausrichtung der Spiele – fast 20 Prozent mehr als in Köln. Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, ob es in der Studentenstadt zu einer Mehrheit kommen würde. Wie ist das gelungen? „Wir haben uns viel Mühe gegeben, die jungen Leute mitzunehmen“, berichtet Ziemons. Neben einer Kampagne in den sozialen Medien habe man auch Infomaterial an die Schulen geschickt, damit die Bewerbung dort im Unterricht zum Thema gemacht werden konnte. „Die Leute wissen, dass Aachen Sportveranstaltungen reibungslos durchführen kann. Da gibt es keine Vorbehalte, ob man sowas überhaupt organisatorisch hinkriegen würde.“

Vesper sieht gute Chancen

Ein kleiner Seitenhieb auf Köln, den sein Amtskollege Torsten Burmester, der neben ihm steht, aber gelassen einsteckt. Der Kölner OB muss sich an dem Abend viel Häme gefallen lassen, weil die Stimmenauszählung – im Gegensatz zu den anderen Kommunen – kaum vorankommt. So eine Panne sei sicher schnell wieder vergessen, wenn es denn mit der Bewerbung klappen sollte, beruhigt man sich in seinem Umfeld.

Ja, wenn. Wenn sich NRW gegen Bayern, den Hauptkonkurrenten, durchsetzt, und dann auch noch im internationalen Wettbewerb die Nase vorn hat. Michael Vesper, langjähriger Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes und ehemaliger Vize-Ministerpräsident von NRW, weiß, dass der Weg noch lang ist. „Der DOSB wird es schwer haben, die richtige Entscheidung zu treffen“, sagt der frühere Spitzenpolitiker der Grünen. Ein „tragendes Kriterium“ müsse sein, welche Bewerbung nicht nur die besten Bedingungen für den Sport biete, sondern auch die beste Geschichte erzähle und damit auf internationaler Ebene am aussichtsreichsten sei. „Auch die schönste Bewerbung nützt nichts, wenn sie international nicht trägt“, gibt Vesper zu bedenken. Köln könne sich aufgrund des Nachhaltigkeitskonzepts aber gute Chancen ausrechnen. „Aber am Ende ist für mich am wichtigsten, dass die Spiele endlich wieder nach Deutschland kommen“, bilanziert der Sportfunktionär.

Ott nennt Votum „starkes Signal“

Auch Till Achtermeyer, Landeschef der NRW-Grünen, ist zur Olympia-Party nach Köln gekommen. Der Politiker aus Bonn gibt sich zuversichtlich. „Ein olympisches Sommermärchen in Nordrhein-Westfalen ist möglich. Für junge Menschen wäre das mehr als ein Event – es wäre ein prägendes Erlebnis und echte Inspiration“, sagt Achtermeyer. „Auch die Menschen, die nicht zugestimmt haben, setzen ein Signal, das wir beachten sollten. Mit den Spielen brauchen wir breite Investitionen in die Sportstätten und in unsere Infrastruktur“, fordert der Grünen-Chef.

Jochen Ott, Fraktionschef der SPD im Düsseldorfer Landtag, betont, das Votum sei ein starkes Signal für eine Zukunft von NRW, „die von Zusammenhalt, Begeisterung für den Sport und Aufbruch geprägt“ sei, so der Politiker aus Köln. NRW habe gezeigt, was möglich ist: „Daran wollen wir anknüpfen und gemeinsam weiter für Olympische und Paralympische Spiele kämpfen.“