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Beginn der SpargelsaisonErste Roboter helfen in NRW bei der Ernte

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09.04.2026, Köln: Beginn der Spargelsaison in Nordrhein-Westfalen. Auf dem Spargelfeld von Landwirt Peter Wermes in Zündorf geht das große Stechen schon los. Foto: Arton Krasniqi

Auf dem Spargelfeld von Landwirt Peter Wermes in Köln-Zündorf geht das große Stechen schon los. 

Nordrhein-Westfalen gehört bundesweit zu den drei Top-Spargelländern. Doch die Branche steht wegen südeuropäischer Billig-Konkurrenz vor Herausforderungen.

NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) hat am Donnerstag an die Verbraucher und Verbraucherinnen appelliert, Spargel aus heimischer Produktion zu kaufen, um die regionale Landwirtschaft zu unterstützen. Anlass war die offizielle Eröffnung der Spargelsaison in Nordrhein-Westfalen, zu der sie auf den Spargel- und Erdbeerhof Wermes in Porz-Zündorf gekommen war. Er ist einer der mehr als 140 Höfe, die sich zur „Spargelstraße NRW“ zusammengeschlossen haben, einer touristischen Themenstraße, die von Emmerich bis in den Raum Bonn/Aachen führt.

Alles in allem zählt Nordrhein-Westfalen 265 zumeist von Familien geführte Spargelbetriebe auf rund 3500 Hektar Anbaufläche. Damit gehöre es zusammen mit Niedersachsen und Brandenburg zu den „Top-Spargelanbau-Ländern“ in Deutschland, sagte Gorißen. Dank der Wetterbedingungen rechnen die Spargelanbauer in diesem Jahr mit einer guten Erntemenge. Voraussichtlich werden bis zum traditionellen Saisonende am Johannistag, dem 24. Juni, rund 17.000 Tonnen in NRW geerntet.

„So früh wie noch nie“

Viele Betriebe verkauften den Spargel im Hof, auf Wochenmärkten oder weiteren Verkaufsständen, sagte Gorißen. Das ermögliche es den Verbrauchern, direkt mit den Erzeugern in Kontakt zu kommen, Fragen zu stellen und Tipps zu erhalten. Für zahlreiche Menschen sei Spargel „im Frühling nicht aus dem Speiseplan wegzudenken“. Er habe wenig Kalorien, sei „reich an Vitaminen, Mineralien sowie Balaststoffen – und vor allem sehr lecker.“

Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sagte zum offiziellen Saisonstart, hohe Temperaturen mit viel Sonnenschein Ende Februar und Anfang März hätten dafür gesorgt, dass die ersten Spargelstangen in NRW schon vor drei Wochen – „so früh wie noch nie“ – hätten gestochen werden können. Allerdings habe die Kaltphase mit Nachtfrösten Ende März „den Erntevorsprung wieder ausgebremst“. Im Laufe der Jahrzehnte hätten technische Neuerungen Anbau und Ernte erleichtert. Zum Beispiel werden Bodensensoren zur Temperaturmessung eingesetzt, außerdem „Spargelspinnen“ genannte Erntehilfsmaschinen, die kontinuierlich die Deckfolien auf den Erddämmen anheben und nach dem Stechen zurücklegen. Zurzeit würden auf Flächen Roboter für die vollautomatisierte Ernte getestet, sagte Werring. Ein Nachteil: „Das Ding ist teuer.“

Noch sind die Höfe auf Erntehelfer angewiesen, die überwiegend aus Polen, Rumänien und Bulgarien kommen. „Ich höre von allen Betrieben, dass sie gut mit Saisonarbeitskräften versorgt sind“, sagte Willy Kreienbaum, Vorsitzender der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe. Dabei gelte: „Mindestlohn ist Standard.“ Mehr noch: In 90 Prozent der Fälle werde Akkordlohn gezahlt. Dadurch kämen die Saisonkräfte auf 17 bis 18 Euro pro Stunde, bei einer Erntemenge von 20 bis 25 Kilogramm. Wie Ministerin Gorißen warb Kreienbaum dafür, beim Einkauf gezielt auf Spargel regionaler Herkunft zu achten. „Wer Spargel direkt beim Hof kauft, erhält maximale Frische und besten Geschmack. Gleichzeitig unterstützt man die regionale Landwirtschaft.“

Jede Menge Erfahrung

Auch Eva Kähler-Theuerkauf, Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau NRW, sprach sich entschieden dafür aus, „die Regionalität nach vorne zu stellen“. Der Spargelanbau zeige, „wie vielfältig und leistungsfähig der Gemüsebau in Nordrhein-Westfalen ist. Hinter jeder Spargelstange steckt jede Menge Erfahrung und Handarbeit unserer Gartenbaubetriebe und ihrer Mitarbeitenden. Sie sorgen dafür, dass Verbraucher und Verbraucherinnen frisches Gemüse aus der Region genießen können.“

So wie Betriebsinhaber Peter Wermes es tut. Vor 30 Jahren hat er begonnen, neben dem Ackerbau Spargel anzubauen. Rund zwölf Hektar umfasst die entsprechende Fläche. Vermarktet wird die Ernte vor allem über den Hofladen und Verkaufsstände. 15 unterschiedliche Sorten biete er an, sagte Wermes, vom Suppenspargel bis zum „Premiumspargel“; die Preise lägen zwischen 3,50 und 18,50 Euro.

09.04.2026, Köln: NRW Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen auf einem Spargelfeld in Zündorf. Foto: Arton Krasniqi

NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) auf einem Spargelfeld in Köln

Dank der Züchtung von Sorten und der Folientechnik könne die Ernte heutzutage eher beginnen als früher – ein wichtiger Vorteil in der Konkurrenz mit südeuropäischen Ländern. 14 Erntehelfer beschäftigt der Hof. „Selbstverständlich halten wir uns an den Mindestlohn“, sagte Wermes. Eine klare Wettbewerbsverzerrung“ nannte er den Umstand, dass die Lohnuntergrenze etwa in Spanien viel niedriger ist und es in Italien überhaupt keine gibt. Um sich auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns vorzubereiten, „haben wir an vielen Schrauben gedreht“. Trotz der Schwierigkeiten ist der Beginn der Spargelsaison für den Kölner Hofinhaber „jedes Jahr ein besonderer Moment. Wenn die ersten Köpfe aus der Erde kommen, wissen wir: Jetzt beginnt die intensivste und zugleich schönste Zeit des Jahres.“