Klassenarbeiten von Schülern an weiterführenden Schulen in NRW sollen künftig auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz korrigiert werden. Das fordert die NRW-FDP in ihrem Entwurf für das Landtagswahlprogramm, der unserer Redaktion vorliegt. „Lehrerinnen und Lehrer verbringen einen zu großen Teil ihrer wertvollen Arbeit mit der Korrektur von Klassenarbeiten“, sagte FDP-Landeschef Henning Höne unserer Zeitung. Lehrkräfte sollten sich stattdessen mehr um die Schülerinnen und Schüler kümmern. „Wir sollten neue Chancen nutzen und Klassenarbeiten von der KI korrigieren lassen, damit weniger Arbeitszeit für die Korrektur und mehr Betreuungszeit für Schülerinnen und Schüler vorhanden ist“, erklärte der NRW-Vorsitzende der Liberalen.
In dem Wahlprogramm-Kapitel „Kluge Kinder“ heißt es, KI verändere das Lernen und Arbeiten an den Schulen grundlegend. Leistungen sollten jederzeit „überprüfbar und fair“ bewertet werden können. „Selbstverständlich bilden Lehrerinnen und Lehrer am Ende die Note, sie müssen die KI-Korrektur auch überprüfen. Aber beispielsweise im Fach Mathe mit eindeutigen Lösungen kann die KI in der täglichen Arbeit immens entlasten“, sagte Höne. Der Philologenverband NRW lehnt eine Automatisierung von Benotungsverfahren ab. In Bayern und Schleswig-Holstein wird das Verfahren in Schulversuchen erprobt. Dort berichten Lehrkräfte von einer Zeitersparnis von bis zu 70 Prozent.
FDP will Eltern in die Pflicht nehmen
Die FDP will zudem die Eltern stärker für den Bildungserfolg ihrer Kinder verantwortlich machen. Wer wiederholt Elterngespräche verweigert oder die Unterstützung der Schule ausschlägt, soll nach den Vorstellungen der Liberalen mit Konsequenzen rechnen müssen. Diese könnten bis zu Kürzungen bei Sozialleistungen reichen. Auch bei wiederholtem unentschuldigtem Fehlen von Kindern sollen Eltern stärker in die Pflicht genommen werden. Verträge zwischen Eltern und Schulen könnten dabei helfen.
Ein Schwerpunkt des Bildungsprogramms für Nordrhein-Westfalen ist die Sprachförderung. Die FDP fordert verbindliche Sprachtests für alle Vierjährigen. Bei Defiziten soll sofort eine individuelle Förderung beginnen. In solchen Fällen soll auch der Besuch einer Kita vor der Einschulung verpflichtend werden. Zusätzlich wollen die Liberalen eine „Sommerschule Deutsch“ einführen. Kinder und Jugendliche mit großem Sprachförderbedarf sollen dort in den Ferien verbindlich und in kleinen Gruppen Deutsch lernen.
Spätestens ab der dritten Klasse sollen Kinder nach dem Willen der FDP wieder Noten bekommen. Regelmäßige Lernstandstests sollen Defizite frühzeitig sichtbar machen.
FDP will Sanierungsoffensive für Schulgebäude
Auch die maroden Schulgebäude nimmt die FDP in den Blick. Das Land soll eine Sanierungsoffensive für alle Schulen auflegen. Kurzfristig müssten vor allem die Schultoiletten instand gesetzt werden. Für weitere Bauprojekte will die Partei zusätzliche Finanzierungswege erschließen, etwa durch Crowdfunding und öffentlich-private Partnerschaften. Auch Eltern, Unternehmen und lokale Initiativen sollen sich an Investitionen vor Ort beteiligen können.
Das Wahlprogramm der FDP gliedert sich entlang der Schwerpunktthemen „Kluge Kinder“, „Smarte Integration“, „Umarmung der Zukunft“, „Fetter Staat“ und „Starke Wirtschaft“. Es soll rund 60 Seiten umfassen und beim Landesparteitag am 6. Dezember beraten und beschlossen werden.
Bei der Landtagswahl am 25. April 2027 steht für die NRW-FDP viel auf dem Spiel. Sollten die Liberalen den Einzug in den Landtag verfehlen, wäre das ein erheblicher Rückschlag für die bundesweite Relevanz der Partei. In NRW versuchen die Liberalen, mit einer „Comeback-Tour“ Wählerstimmen zu gewinnen. Dabei werden in verschiedenen Städten Bürger und Verbandsvertreter zum Dialog eingeladen, unter anderem in Köln und Hamm. „Wir wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen und ihre Meinung hören: Wovon braucht Nordrhein-Westfalen weniger – und wovon mehr?“, sagte Höne.
Mitte Oktober hatte die FDP den Landtagswahlkampf mit einer Kontaktaktion gestartet. Dabei klingelten 1200 Mitglieder landesweit an mehr als 24.000 Haustüren. Derzeit liegen die Liberalen in Umfragen zwischen drei und vier Prozent. Bei der Landtagswahl 2022 erreichte die FDP noch 5,9 Prozent.

