Die NRW-FDP soll zum Rettungsanker für die Liberalen im Bund werden. Wie will sich die Partei ohne den früheren Frontmann Christian Lindner zurück auf die Erfolgsspur kommen? Henning Höne, Parteichef in NRW, empfiehlt der FDP mehr Bodenständigkeit.
FDP sucht neues Image für Comeback ohne LindnerWeniger Sylt, mehr Havixbeck

Henning Höne (FDP), Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, im Düsseldorfer Landtag.
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Der Neujahrsempfang der NRW-FDP ist traditionell ein Spektakel, dass wie Balsam für die Seele der Liberalen wirken soll. Man klopft sich für das Erreichte auf die Schultern, bejubelt die Reden der Parteiprominenz – in der vergangenen Dekade lösten vor allem die Reden von Christian Lindner regelmäßig Applausstürme aus. Wenn die FDP-Gemeinde sich am Sonntag im Düsseldorfer Maritim-Hotel zusammenkommt, wird vieles anders sein. Lindner steht nicht mehr auf der Gästeliste.
Das Ampel-Aus und das Scheitern bei der Bundestagswahl sitzen den Liberalen tief in den Knochen. „Wir stecken in der tiefsten Krise in der Geschichte der FDP“, analysierte Landeschef Henning Höne im Vorfeld des Neujahrstreffens vor Journalisten in Düsseldorf. Ein Erfolg der NRW-FDP sei von „existenzieller Bedeutung“ für die Zukunft der Liberalen. Das erhoffte Comeback soll durch einen Kurswechsel eingeleitet werden.
Christian Lindner, die ehemalige Lichtgestalt der Liberalen, hatte seine Eheschließung im Jahr 2022 als „Hochzeit des Jahres“ mit viel Pomp und Glamour auf der Insel Sylt inszeniert. „Ich habe in Havixbeck im Münsterland geheiratet, das war auch nicht schlecht“, sagt Höne und schmunzelt. Brimborium und Inszenierung sind seine Sache nicht. „Auch in der Politik müssen wir uns wieder mehr auf die Inhalte konzentrieren statt um die Kommunikation. Wer glaubt, die Arbeit der FDP vor allem mit Tik-Tok-Videos vermitteln zu können, ist auf dem Holzweg.“
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Die FDP auf die Zeit nach Lindner einzustimmen, ist keine leichte Aufgabe. Der ehemalige Frontmann stammt aus Wermelskirchen. Als die Liberalen vor der Landtagwahl 2012 am Boden lagen, übernahm Lindner die Spitzenkandidatur und sicherte das politische Überleben der NRW-FDP. 2017 führte er Liberalen in die Landesregierung mit der CDU. Als Bundesfinanzminister der Ampel wurden große Hoffnungen in ihn gesetzt. Doch die Sache ging schief. „Wir müssen jetzt einen Modus finden, in dem die FDP auch ohne Christian Lindner funktioniert“, sagt Höne. „Das wird uns auch gelingen.“
Die Entschuldigung beim Neujahrsempfang soll dabei ein erster Schritt sein. „Wir müssen die Fehler benennen, um daraus zu lernen“, sagte Höne. In der Ampel sei nicht klar geworden, welche Rolle die FDP habe spielen wollen. Mal sei man die staatstragende Regierungspartei, mal die Opposition innerhalb der Regierung gewesen.
Solche Probleme hat die FDP in NRW als Oppositionspartei nicht. Höne setzt darauf, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit seiner Strategie „Politik zu simulieren“, auf Dauer nicht erfolgreich sein werde. „Bei den Themen Kohleausstieg 2030, beim Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung und bei der Kibiz-Reform muss Wüst vor der Landtagwahl 2027 liefern“, erklärt Höne. „Nur mit schönen Bildern von Show-Terminen wird man einen Großteil der Wähler nicht überzeugen können.“
In den letzten Jahren hatte sich die FDP ihre Kommunikationsstrategie stark an jungen Wählern orientiert. „Künftig wollen wir auch die Generation der über 60-Jährigen und die Frauen verstärkt in den Blick nehmen“, kündigte Höne an.
Bei dem Neujahrsempfang wird Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands „Die Familienunternehmer“, die Gastrede halten. Sie war in die Kritik geraten, weil sie die AfD zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen hatte. Höne warb für einen differenzierten Umgang mit den Rechtspopulisten. „Wenn wir immer nur Brandmauern beschwören werden wir die Wähler nicht zurückbekommen. Wir brauchen einen souveränen Umgang mit der AfD – und müssen sie inhaltlich stellen.“ Die Einladung an Ostermann habe mit der Debatte um die AfD aber nichts zu tun. Das Thema ihrer Rede lautet: „Kompass Richtung Marktwirtschaft – Plädoyer für einen ordnungspolitischen Kurs“.
