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In NRW werden Kinder immer früher kriminellSind Erziehungslager sinnvoller als Jugendknast?

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Ein junger Mann droht mit einem Schlagring - in NRW werden Schulhöfe und Spielplätze immer häufiger zu Tatorten.

Ein junger Mann droht mit einem Schlagring - in NRW werden Schulhöfe und Spielplätze immer häufiger zu Tatorten. 

In den USA und in Frankreich werden jugendliche Intensivtäter in Erziehungscamps gedrillt. Sollten solche Einrichtungen auch in NRW eröffnet werden? Darüber sollen jetzt im Innenausschuss des Landtags Beratungen stattfinden.  

In NRW gibt es mehr als 450 junge Intensivstraftäter. Vielen droht eine Gefängnisstrafe, sobald sie sind 14 Jahre alt und damit strafmündig sind. In der Landespolitik wird jetzt darüber diskutiert, ob straffällige Jugendliche eine letzte Chance bekommen sollen. Marcel Hafke, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, schlägt die Einrichtung von sogenannten Bootcamps vor: „Diese sind härter als Sozialarbeit und milder als Knast – eine Perspektive für einen strukturierten Neuanfang“, erklärt der Politiker aus Wuppertal.

Angesichts von immer jüngeren Tatverdächtigen, mehr Intensivtätern und „alleingelassenen Schulen und Jugendämtern“ dürfe „es keine Denkverbote“ geben, sagte Hafke. Politiker von CDU und SPD zeigen sich offen für die Pläne, jetzt soll sich der Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags mit der Frage beschäftigen, wie NRW künftig mit Wiederholungstätern umgehen soll. Das wurde vom Plenum einstimmig beschlossen.

Im Jahr 2024 ist die Anzahl der Tatverdächtigen Kinder unter 14 Jahren um 11,3 Prozent angestiegen - Schulhöfe und Kinderspielplätze werden immer häufiger zum Tatort. Raubtaten, Sexualdelikte und Angriffe mit Messern versetzen viele Schüler, Eltern und Lehrer in Angst. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich bereits dafür ausgesprochen, das Alter für Strafmündigkeit herabzusetzen. Das hält Andreas Bialas, Innenexperte der SPD, für keine gute Idee. Im Kampf gegen Jugendkriminalität müsse der „pädagogische Gedanke“ eine wichtigere Rolle spielen, sagte Bialas. Christos Katizis, Innenexperte der CDU, erklärte, die Einführung von Bootcamps sei von der CDU schon vor 20 Jahren vorgeschlagen worden. Es sei richtig, die Dauertäter in den Fokus zu nehmen.

In den USA und in Frankreich sind „Drillcamps“ für Jugendliche Straftäter schon lange etabliert. Auch im hessischen Diemelstadt gibt es eine Erziehungseinrichtung, in der junge Männer für ein halbes Jahr untergebracht werden können. In dem Camp arbeiten männliche Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren mit „Respekttrainern“ zusammen.

Marcel Hafke betont, bei möglichen Bootcamps in NRW solle es sich nicht um „Straflager“ handeln. Aber: „Für eine kleine Gruppe junger Intensivtäter reichen Gespräche und warme Worte nicht aus“, sagte der Liberale. International hätten sich Modelle mit verbindlichem Tagesablauf, Sport und praktischen handwerklichen Angeboten und beruflicher Orientierung bewährt. Bei dem Versuch, den straffälligen Jugendlichen einen strukturierten Neuanfang zu ermöglichen, müsste aber auch „die Eltern Teil der Lösung sein, nicht Zuschauer“, fordert der FDP-Politiker. „Wer sich seiner Verantwortung als Elternteil dauerhaft entzieht, kann nicht erwarten, dass der Staat die Zeche zahlt“, stellte Hafke klar. „Wenn Eltern der kriminellen Karriere ihres Kindes schulterzuckend zusehen, sollte ihnen etwa das Kindergeld gestrichen werden.“