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Kommentar

Kommt der Kanzlertausch?
Abstimmung im Osten kann auch für NRW zur Schicksalswahl werden

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Friedrich Merz (CDU, r) und Hendrik Wüst (CDU)

Friedrich Merz (CDU, r) und Hendrik Wüst (CDU)

Hendrik Wüst unterstützt die CDU im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt – doch diesmal auffällig zurückhaltend. Das hat einen Hintergrund. 

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst war in Sachsen-Anhalt auf Wahlkampftour. Kein außergewöhnlicher Vorgang, Wüst unterstützt seine Parteifreunde landauf und landab, wenn Urnengänge vor der Tür stehen. Bemerkenswert war diesmal allerdings, dass die Reise nicht an die große Glocke gehängt wurde. Nur auf Nachfrage wurden die einzelnen Stationen bekannt gegeben. Der Termin, bei dem Wüst Flyer in einer AfD-Hochburg verteilte, sollte nach CDU-Plänen ohne Pressebegleitung stattfinden. Dabei wäre gerade dieser Termin sicher auf ein großes überregionales Medienecho gestoßen.

Interessante Bilder in hoher Auflage zu verbreiten – das war, ganz anders als sonst üblich, dem Team Wüst diesmal nicht so wichtig. Nach der Debatte um den „Kanzlertausch“, die Friedrich Merz erzürnt hatte, wollte man den Bundeskanzler nicht erneut provozieren. Der war schließlich erst einen Tag vor dem Spitzenmann aus NRW in Sachsen-Anhalt erschienen. Um böses Blut zu vermeiden, entschied man sich offenbar für einen feindosierten Auftritt.

Die Parteifreunde im Wahlkampfgebiet zeigten Verständnis für die Zurückhaltung. Jeder weiß: Personaldebatten vor Wahlen sind immer schädlich, auch wenn in Sachsen-Anhalt viele dem unbeliebten Merz gerne eins auswischen würden – und Wüst für den Mann der Zukunft halten. Der Ministerpräsident von NRW traut sich auch in vermintes Gelände – und es gelingt ihm immerhin, mit AfD-Dogmatikern in einen Dialog zu treten.

Ein bitterer Wahlausgang für die CDU dürfte erneut eine Debatte über die Zukunft des Bundeskanzlers mit einer unvorhersehbaren Dynamik auslösen. Bislang gilt als in Stein gemeißelt, dass ein „Kanzlertausch“ vor der NRW-Wahl im April 2027 ausgeschlossen ist. Aber bleibt das so? Die Abstimmungen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin könnten auch für NRW zu „Schicksalswahlen“ werden.