In der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag herrscht gedrückte Stimmung. Sechs Monate vor der Landtagswahl befürchten viele Parlamentarier, dass der schwarze Balken steil nach unten geht. 2022 erzielte die CDU 37,7 Prozent. Seitdem Friedrich Merz Bundeskanzler ist, rauschen die Zustimmungswerte auch für die NRW-CDU in den Keller. Selbst wenn die Grünen ihre starken 18,2 Prozent aus dem Jahr 2022 wiederholten, wäre eine Fortsetzung von Schwarz-Grün keineswegs ausgemacht. Die CDU muss sich deshalb schon jetzt mit Alternativen beschäftigen. Dass sie gemeinsam mit SPD und Grünen einen Antrag zur Zusammenarbeit mit Kanada auf den Weg gebracht hat, zeigt, dass die politische Mitte handlungsfähig ist. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Zustände wie in Sachsen-Anhalt oder Berlin sind in NRW vorerst nicht zu erwarten. Eine Minderheitsregierung ist ebenso wenig in Sicht wie eine Linkspartei, die als Mehrheitsbeschafferin gebraucht würde.
Doch für die Grünen ist die neue Harmonie nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Denn wenn Wüst nach der Wahl drei Partner zur Auswahl hat, könnte er sich ausgerechnet von seinem bisherigen Bündnispartner abwenden. Voraussetzung wäre, dass die FDP den Wiedereinzug in den Landtag schafft. Dann könnte ein „Deutschland-Bündnis“ aus CDU, SPD und Liberalen zur ernsthaften Alternative werden. Für die CDU hätte diese Konstellation einen Reiz: Mit der FDP könnte die CDU in der Energie- und Wirtschaftspolitik womöglich näher an ihren eigenen Vorstellungen regieren.
Für Wüst stellt sich damit eine heikle Frage: Zählt die Vertrautheit mit den Grünen mehr als die Aussicht, mit anderen Partnern weniger Abstriche an den eigenen Zielen machen zu müssen? Die Grünen sollten sich nicht darauf verlassen, dass vier Jahre gemeinsamer Regierung reichen, um Schwarz-Grün zu retten. In der Politik ist Verlässlichkeit ein Pfund – aber kein Eheversprechen.



