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Neiddebatte an NRW-GrundschulenErfahrene Lehrer wollen mehr Lohn als Berufsanfänger

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Ein Schüler meldet sich per Handzeichen, während eine Lehrerin auf eine digitale Schultafel einer Grundschule schreibt.

Ein Schüler meldet sich per Handzeichen, während eine Lehrerin auf eine digitale Schultafel einer Grundschule schreibt.  

Schwarz-Grün gibt 900 Millionen Euro aus, um die Eingangsbesoldung von Grundschullehrern zu erhöhen. Erfahrene Pädagogen, die nicht mehr Geld bekommen sollen, sehen sich benachteiligt.

Die schwarz-grüne Landesregierung lässt offen, ob wegen der Gehaltserhöhungen bei jungen Grundschullehrern auch die Besoldung von erfahrenen Kollegen angehoben wird. Ein Sprecher von NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „unter Berücksichtigung rechtlicher, finanzieller und haushaltspolitischer Erfordernisse erforderlichen Prüfungen“ würden „zeitnah abgeschlossen“. Die Schulministerin befinde „sich im kontinuierlichen Austausch mit den Verbänden“ und sei immer zu Gesprächen bereit. Die schwarz-grüne Landesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag von 2022 darauf verständigt, die Eingangsbesoldung der Pädagogen in der Sekundarstufe eins von der Besoldungsstufe A 12 auf A 13 anzuheben. Damit sollte das Lehramt an den Grundschulen attraktiver gemacht werden. Die Gehaltserhöhung belastet den Landeshaushalt mit mehr als 900 Millionen Euro. Je nach Familienstand erhalten Lehrer der Besoldungsstufe A 13 zwischen 4400 und 5600 Euro. Zu Beginn des zweiten Schulhabjahrs hatten die Lehrergewerkschaft Lehrer NRW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) einen Brandbrief an die Schulministerin geschrieben. Darin weisen sie darauf hin, dass durch die Besoldungserhöhung eine Ungerechtigkeit im Gehaltsgefüge produziert werde. Schließlich würden die jungen Lehrer dann genauso viel Geld bekommen wie Pädagogen, die bislang höher eingestuft waren, weil sie besondere Funktionen ausüben. Diese waren in der Vergangenheit bereits von A 12 auf A 13 befördert worden.

Die Gewerkschaften sind der Ansicht, dass das Lohnabstandsgebot zwischen Anfängern und den erfahrenen Kollegen durch die Anhebung der Einstiegsbesoldung nicht mehr eingehalten werden. Wenn die Eingangsgehälter steigen würden, müsse analog dazu auch die Besoldung in den darauf aufbauenden Besoldungsstufen angehoben werden. Vertreter der regierungstragenden Fraktionen CDU und Grüne hatten bereits Verständnis für das Anliegen der Gewerkschaften geäußert.

In der Landesregierung gibt man sich zurückhaltend. Das Schulministerium benötigte zwei Tage, um eine Anfrage unserer Zeitung zu dem Thema intern abzustimmen. Die Frage, wieviel Geld man für weitere Gehaltsrunden in die Hand nehmen müsste, blieb offen. Ein Sprecher erklärte, in den vergangenen Jahren seien bereits „strukturelle Verbesserungen an den Schulen“ erfolgt: „So wurde durch Ämterhebungen bereits die Besoldungsstruktur im Schulleitungsbereich der Grund- und Hauptschulen gestärkt.“

In der schwarz-grünen Landesregierung war man davon ausgegangen, mit den hohen Ausgaben für die Grundschullehrer politisch punkten zu können. Nun wird aber deutlich, dass die 900-Millionen-Euro-Investition in Teilen der Schulbelegschaft eine Neiddebatte ausgelöst hat. Leitungs- und Funktionsstellen in den Grundschulen „blieben auf der Strecke“, weil sich durch den fehlenden Lohnabstand Leistung immer weniger lohne, sagte Franziska Müller-Rech, Vize-Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion. 

Auch Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, warnte vor einer „strukturellen Schieflage“ bei den Lehrergehältern. „Wenn zusätzliche Verantwortung, besondere Funktionen oder Leitungsaufgaben finanziell kaum noch abgebildet werden, droht ein Motivationsverlust im System Schule“, sagte Engin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Landesregierung muss jetzt handeln, damit aus einer gut gemeinten Reform kein Problem für die Zukunft unseres Bildungssystems wird“, so die SPD-Politikerin.